Denkmalpflege

Magdeburger Reiterstandbild soll Ritter und Zaun erhalten

Von Stefan Harter

Magdeburg

Es ist neben dem Dom das wohl bekannteste Wahrzeichen Magdeburgs, das Reiterstandbild auf dem Alten Markt. Es gehört zu den „mittelalterlichen Steinbildwerken ersten Ranges innerhalb der abendländisch-europäischen Kunstgeschichte und ist damit von nationaler kultureller Bedeutung“, wie Magdeburgs Baubeigeordneter Dieter Scheidemann in einer aktuellen Stellungnahme erklärt.

Er antwortet damit auf einen Antrag der Fraktion Gartenpartei/Tierschutzallianz. Diese möchte, dass der Reiter eine Einfriedung zurückbekommt, die ihn im 19. und 20. Jahrhundert umgeben hatte. Zugleich standen an seinem Fuß vier steinerne Ritter. In den 1920er Jahren verschwand der Zaun. Der genaue Grund ist unbekannt. Die Verwaltung vermutet bauliche Ursachen. Möglicherweise war schlicht kein Platz mehr dafür, weil die Straße unmittelbar vor dem Alten Rathaus verbreitert wurde. Aus diesem Grund könnte jetzt auch die Wiederherstellung schwierig werden, heißt es weiter.

Vor-Ort-Termin mit Landesdenkmalamt

Bei einem Vor-Ort-Termin war mit dem Landesamt für Denkmalpflege die mögliche Rückkehr von Einfriedung und Ritterfiguren erörtert wurden. Aus Sicht der Denkmalpfleger sei dies nicht unbedingt erforderlich. „Die Wiederanbringung der Ritterfiguren und die Wiederherstellung der Einfriedung nach dem Vorbild des späten 19. Jahrhunderts stellt kein erklärtes denkmalpflegerisches Ziel für den Umgang mit dem mittelalterlichen Standbild dar“, teilt Scheidemann das vorläufige Fazit der Denkmalpfleger mit. Dennoch würde man im Fall einer entsprechenden Ratsentscheidung das Vorhaben weiter prüfen. „Voraussetzung wäre jedoch eine detailgetreue Wiederherstellung der neogotischen Einfriedung einschließlich der Stufenanhebung“, so der Beigeordnete. Inklusive der vier Ritter würden dabei für die Rekonstruktion Kosten von weit über 100.000 Euro entstehen, wie die Denkmalpfleger einschätzen.

Hintergrund des Vorstoßes der Ratsfraktion ist die ohnehin geplante Aufwertung des Alten Marktes. In diesem Zuge sollte auch das Reiterstandbild wieder vollständig rekonstruiert werden, so der Vorschlag. Bislang war das nicht Bestandteil der Planungen könnte nun aber bei einem entsprechenden Beschluss des Stadtrates aufgenommen werden, so Scheidemann. „Somit könnte zu einem späteren Zeitpunkt, entsprechend einer noch zu erarbeitenden denkmalpflegerischen Konzeption, die Rekonstruktion der Umzäunung und der Ritterfiguren erfolgen“, erklärt er. Aktuell stünden auch keinerlei Gelder dafür bereit.

Da ein Ziel der Umgestaltung ein einheitliches Platzniveau ist, könnte damit auch das Platzproblem für die Einfriedung durch die derzeit noch vorhandene Straße zwischen Standbild und Rathaus gelöst werde, so Scheidemann.

Zaun steht nur wenige Jahrzehnte

Die Figurengruppe, die zu sehen ist, wurde im Rahmen des Wiederaufbau des Alten Rathauses in den 1960er Jahren als Kopie aufgestellt. Das Original befindet sich im Kulturhistorischen Museum. Im Jahr 2000 waren die Figurenkopien vergoldet worden. Die Einfriedung und die Ritterfiguren sollen nach Angaben von Scheidemann lediglich von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in das frühe 20. Jahrhundert Bestand gehabt haben. „Am Schaft des Reiterstandbilds waren vier Ritterfiguren, Kopien der ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert stammenden Figuren, angebracht“, erläutert er. Dazu kam die achteckige Einfriedung auf einer erhöhten Stufe.

Eine wesentliche Frage, die im Rahmen der denkmalpflegerischen Konzeption zu klären wäre, sei die Bedeutung der neogotischen Einfriedung für das mittelalterliche Reiterstandbild. Die denkmalpflegerische Bewertung dieser „kurzen Episode von wenigen Jahrzehnten“ sollte ausschlaggebend dafür sein, ob sie eine Bereicherung oder Schwächung für das Standbild wäre.