Bürgerprotest

Magdeburger sammeln Unterschriften gegen Altstadt-Pläne vor Wobau-Welle

Soll in Magdeburg unterhalb von Allee-Center und Häuserblock Wobau-Welle ein Stück Altstadt neu entstehen? Darüber scheiden sich die Geister – zumindest unter den Anwohnern. Sie haben Protest organisiert.

Von Rainer Schweingel 12.07.2021, 01:00
Bärbel Vetter wohnt seit 41 Jahren in der Wobau-Welle (Hintergrund) in Magdeburg. Auf der Wiese davor soll die neue Altstadt entstehen. Aus Umweltschutzgründen lehnt sie das Vorhaben mit bisher rund 100 weiterern Bürger ab.
Bärbel Vetter wohnt seit 41 Jahren in der Wobau-Welle (Hintergrund) in Magdeburg. Auf der Wiese davor soll die neue Altstadt entstehen. Aus Umweltschutzgründen lehnt sie das Vorhaben mit bisher rund 100 weiterern Bürger ab. Foto: Rainer Schweingel

Magdeburg - Auf dem Rasen tanzen Schmetterlinge. Auf Bänken sitzen Magdeburger in der Sonne. Stattliche Bäume wiegen sich im Frühsommerwind. Geht es nach den Anwohnern um Bärbel Vetter, soll das auch noch ein paar Jahre genauso bleiben auf der Fläche vor ihrer Wobau-Welle.

Pläne für den Platz sagen aber etwas anderes. Der bei vielen noch als Bauarbeiter-Hotel bekannte Block südlich des Allee-Centers soll ein ambitioniertes Bauprojekt vor die Nase bekommen: eine neue Altstadt.

Angestoßen von Alt-OB Willi Polte, Ex-Baubeigeordneten Werner Kaleschky und Ex-Stadtentwickler Eckhart Peters sowie konzipiert von der Wobau, der auch die Wobau-Welle gehört, ist geplant, ein Altstadt-Viertel mit Bezug zur Magdeburger Stadtgeschichte modern aufzubauen und in Teilen historisch aussehen zu lassen. Einige Fassaden von imposanten und im Krieg zerstörten Bürgerhäusern sollen auferstehen – und gleichzeitig Magdeburgs Mitte weiter verdichten, Wohnraum schaffen und einen Verweil- und Anlaufpunkt schaffen.

Bärbel Vetter aber sieht genau das kritisch. Die Rentnerin gehört zu den Erstmietern in der Wobau-Welle und zog dort vor 41 Jahren ein. Dass jetzt vor ihrem Balkon gebaut werden könnte, stört sie persönlich nur mittelbar. „Ich wohne fast ganz oben und könnte drüber gucken. Mir aber geht es darum, dass Grün verschwindet - und das in Zeiten des Klimawandels.“

Fraktionen sollen angesprochen werden

Sie hat deshalb Protest organisiert und eine Unterschriftensammlung ins Leben gerufen. Rund 100 Magdeburger hätten bereits unterschrieben, vorrangig aus den Anlieger-Wohnbauten. Bärbel Vetter: „Ich wehre mich nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung. Aber die Größe und die Art und Weise, wie das jetzt durch den Stadtrat gedrückt werden soll, stören mich schon sehr. Vor allem, weil eben das Grün wegfällt.“

Mit Franka Kretschmer hat sie sich noch eine weitere Mitstreiterin an die Seite geholt. Gemeinsam waren sie in dieser Woche im Umwelt- und Bauausschuss und haben dort versucht, ihre Argumente vorzubringen. Das sei nur mäßig gut gelungen. Gespräche mit den Mitgliedern seien nur außerhalb der Sitzung möglich gewesen.

Davon wollen sich die Protestler aber nicht entmutigen lassen. Bis zur ersten Ratsentscheidung über die Einleitung eines Planverfahrens Mitte Juli – in dem dann auch Bürgereinwände abgewogen werden würden – wollen sie nun noch mal direkt mit Mails und Gesprächsangeboten auf die Fraktionen zugehen.

Kein Glaube an Planverfahren

Wer aber soll es demokratisch entscheiden, wenn nicht der Stadtrat und seine Ausschüsse? Franka Kretschmer sieht dafür schon die Zuständigkeit dort, kritisiert aber die Eile, mit der alles umgesetzt werden solle.

So gebe es wenig Chancen, Bürgerproteste zu organisieren oder Bürgerbefragungen durchzuführen. Sie könnten dann in die Entscheidungsfindung einfließen.

Und Argumente, wonach im Rahmen des Planverfahrens Bürger Einwände vorbringen könnte, hält sie für scheinheilig. „Ich glaube nicht daran, dass man ein teures Planverfahren anschiebt, um an dessen Ende dann zu sagen: Die Bürgereinwände waren berechtigt. Wir machen es nun doch nicht.“

Das sind erste Entwürfe mit dazugehörigen Fassaden, die  am Prämonstratenserberg in Magdeburg entstehen könnten.
Das sind erste Entwürfe mit dazugehörigen Fassaden, die am Prämonstratenserberg in Magdeburg entstehen könnten.
Entwürfe: Duong&Schrader