Sensationsfund

Magdeburger Stadtarchiv entdeckt in Leipzig ältesten Brief von Otto von Guericke

Magdeburgs Stadtarchiv ist ein außergewöhnlicher Fund geglückt: In Leipzig wurde der bislang älteste Brief von Magdeburgs berühmten Sohn Otto von Guericke gefunden.

Von Ivar Lüthe
Ein Ausschnitt aus dem bislang ältesten Brief Otto von Guerickes an den Rat der Stadt Braunschweig, den das Stadtarchiv Magdeburg nach einem Hinweis entdeckt hat.
Ein Ausschnitt aus dem bislang ältesten Brief Otto von Guerickes an den Rat der Stadt Braunschweig, den das Stadtarchiv Magdeburg nach einem Hinweis entdeckt hat. Foto: Stadtarchiv Magdeburg

Magdeburg - Dem Stadtarchiv ist erneut ein außergewöhnlicher Fund geglückt: Nach dem bislang ältesten Schreiben Otto von Guerickes vom 25. Juni 1625 ist nun ein Brief gefunden worden, der noch vier Wochen älter ist und bislang unbekannt war.

Das Schreiben aus der Universitätsbibliothek Leipzig entstand im gleichen Zusammenhang wie der als bislang älteste bekannte Brief und erlaubt weitere Einblicke in die Studienjahre des Wissenschaftlers Otto von Guericke. Im Frühjahr 1625 stand der 23 Jahre alte Student vor einer wichtigen Entscheidung: In Leipzig, Helmstedt, Jena und Leiden ausgebildet und gerade von einer Reise durch England und Frankreich zurückgekehrt, plante er die Fortsetzung seines Studiums. Weil es ihm an Geld mangelte, bat er den Rat der Stadt Braunschweig um eine Verlängerung seines Stipendiums.

Der in einer Sammlung der Unibibliothek Leipzig bislang unbeachtet gebliebene Brief vom 29. Mai 1625 gibt neue Einblicke in diese Bemühungen. Guericke konnte den Besuch eines Schwagers in Braunschweig nutzen, um sein Anliegen beim Rat vorzubringen. Es fehlte ihm nur noch die schriftliche Zusage. Der Brief belegt außerdem, dass Guericke seine Zeit in Magdeburg produktiv zu nutzen wusste. In der Studienpause absolvierte er ein Praktikum bei seinem Stiefvater, dem Möllenvogt Christoph Schulze, der zu den führenden Juristen seiner Zeit gehörte.

Stadtarchivar spricht von Glückssträhne

Magdeburgs Stadtarchivar Christoph Volkmar hat die Quelle wissenschaftlich untersucht und ist begeistert: „Nach dem Stück in Braunschweig und einem Ankauf aus der Schweiz ist dies der dritte Neufund zu Otto von Guericke in kurzer Zeit. Da darf man schon von einer Glückssträhne sprechen. Viel wichtiger: Je dichter unsere Rekonstruktion der Überlieferung wird, umso mehr können wir auf sicherer Grundlage über das Leben in Magdeburg vor der großen Zerstörung von 1631 erzählen.“

Der Guericke-Brief ist Teil einer Autographensammlung. Ein Sammler aus dem 19. Jahrhundert sammelte Schriftstücke mit der Unterschrift von Berühmtheiten. Auf die Spur zu dem Brief kam das Stadtarchiv durch einen Hinweisgeber aus der wissenschaftlichen Gemeinschaft. Carsten Nahrendorf, der in Magdeburg seine Doktorarbeit über das Magdeburger Gymnasium geschrieben hat und das Projekt „Magdeburger Spuren“ kennt, gab den Hinweis, berichtet Volkmar.

Das Projekt „Magdeburger Spuren“ forscht seit dem Jahr 2018 verloren gegangenen Dokumenten aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg nach. In Archiven wird nach Unterlagen mit Bezug zu Magdeburg gesucht. Das passiert zunächst über eine Internetrecherche, in besonderen Fällen auch direkt vor Ort. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Zeit von 1545 bis 1631 gelegt. Denn aus dieser Zeit fehlen sämtliche Unterlagen durch den verheerenden Brand 1631, dem das Stadtarchiv Magdeburg zum Opfer fiel. Die zweijährige Pilotphase des Projektes ist 2020 zu Ende gegangen. Christoph Volkmar hofft aber auf weitere Finanzierung: „Wir möchten das Begonnene fortsetzen, denn wir sind offenbar auf der richtigen Spur.“ Durch das Projekt ist mittlerweile ein neues Netzwerk entstanden. Quellenhinweise aus ganz Europa gehen im Stadtarchiv Magdeburg ein.

Nach eingehender Untersuchung ist sich Volkmar sicher: „Der Leipziger Neufund darf nunmehr als das älteste Original von Guerickes Hand gelten. Eines Tages wird er wohl Aufnahme in die Otto-von-Guericke-Gesamtausgabe finden.“ Unter www.magdeburger-spuren.de soll der Brief zeitnah zu sehen sein. Das Original wird in Leipzig bleiben.