Magdeburg l Bis Ende 2019 sollen 411 neue Stellplätze am Magdeburger Fußballstadion entstehen. 500.000 Euro soll der geschotterte Platz kosten  – es ist eine flankierende Maßnahme für die anstehende Erweiterung der Stadionkapazität um 3900 Plätze auf dann 30.098 Besucherplätze.

Unstrittig ist, dass dann erst recht mehr Parkplätze benötigt werden. Denn schon jetzt ächzt Ostelbien unter dem An- und Abreiseverkehr an den Spieltagen. Doch wie soll es erst werden, wenn noch mehr Fans zum Stadion strömen und dabei natürlich auch den neuen Parkplatz ansteuern wollen? Bewohner fordern ein Verkehrskonzept, das für Entlastung sorgt, und Anliegerstraßen nicht noch zusätzlich verstopfen.

Selbsthilfe

Anreisende FCM-Fans wie Bernd Hoffmeister aus dem 15 Kilometer entfernten Körbelitz (Jerichower Land) greifen derweil schon zu ungewöhnlichen Maßnahmen, um sich zum Stadion durchzukämpfen. Hoffmeister parkt sein Auto weit vorn ostelbisch in Puppendorf, schnappt sich sein Mini-Klappfahrrad aus dem Kofferraum und tritt bis zur Arena in die Pedale. „Selbst das ist ein Kampf mit vielen Umwegen, weil es zig Sperrungen unterwegs gibt. Warum werden die im Zug anreisenden Gästefans nicht mit Bussen zentral ins Stadion gebracht, wie es in anderen Städten auch wunderbar funktioniert“, fragt der 65-Jährige. Das würde die Lage auf den Zufahrtswegen schon deutlich entspannen, sagt Hoffmeister. Doch weder ein organisierter Bustransfer für die Gästefans noch ein funktionierendes Verkehrskonzept gebe es bisher.

Verkehrsleitsystem nötig

Stadträte aus Ostelbien haben sich derweil schon ihre Gedanken gemacht und sehen auch noch Redebedarf zum geplanten neuen Schotterparkplatz am Gübser Weg und für ein Verkehrskonzept. Jens Rösler von der SPD bringt z. B. eine andere Fläche ins Spiel. „Der Bereich hinter dem Ölmühlen-Gelände und dem Baumarkt ist meines Wissens nach städtisch und wäre von der Lage gut geeignet für weitere Parkplätze“, sagt Rösler. Vorteil: Die Zufahrt wäre aus dem Ölmühlen-Gelände über die Paul-Ecke-Straße schon vorhanden. Anders als am Gübser Weg, der ja bei Spielen oft mittendrin gesperrt ist wegen der anreisenden Gästefans. Eine alternative Anfahrt über Anliegerstraßen wie den Hammelberg treibt Anliegern schon jetzt Zornesfalten ins Gesicht.

Standort in der Debatte

Da erscheinen die Freiflächen an der Rückfront von Gewerbegebiet bzw. Baumarkt tatsächlich als überlegenswerte Variante. Zumindest fürs Erste. Langfristig wäre aus Sicht von Stadtrat Rösler die Schaffung eines weiteren Besucherparkplatzes südlich des Stadions sinnvoll. Zu prüfen sei noch, ob dieser direkt am Gübser Weg (so wie jetzt von der Verwaltung geplant) oder weiter in Richtung der Ausweichsportplätze vom Club gebaut werden könnte. So wäre sogar eine Anbindung an die noch immer auf der Agenda stehende Entlastungsstraße für Cracau möglich.

Im Augenblick aber sieht der SPD-Stadtrat noch an anderer Stelle dringenden Handlungsbedarf: bei der Verkehrslenkung an den Spieltagen. Das ginge mit den Sperrungen und Umleitungen hin und her und verschlimmere den Zustand regelmäßig, so Rösler. Was fehle, sei ein variables, z. B. elektronisches Parkleitsystem ähnlich wie in der Innenstadt. „Die Autofahrer müssen viel früher auf Umleitungen und Sperrungen hingewiesen werden und wo noch Parkplätze frei sind“, sagt er. 10,7 Millionen Euro sollen in den Stadionumbau fließen, „Da müssen auch noch ein paar Euro für ein Verkehrsleitsystem drin sein“, findet Rösler und kündigt schon an, dass das in der Fraktion besprochen werden soll.

Nicht zu Ende gedacht

Auch bei den Christdemokraten scheint das Thema noch nicht durch. Manuel Rupsch findet zwar, dass als schnelle Lösung der Schotterparkplatz am Gübser Weg gebaut werden sollte. Zu Ende gedacht sei das aber noch nicht, meint er. So sei es überlegenswert, den neuen Schotterparkplatz für die Gästefans auszuweisen und den jetzigen Gästeparkplatz dafür den heimischen Fans zu überlassen. „Da die Gästefans sowieso auch schon über das Ölmühlengelände geleitet werden, könnte man sie von dort aus direkt zum neuen Parkplatz lenken“, erklärt er. Gäste- und heimische Fans ließen sich so viel leichter trennen.

Bis vor die Haustür

Auch er sieht im Übrigen für die Freiflächen hinter dem Gewerbegebiet Ölmühle Potenzial als Besucherparkplatz. „Die Anbindung ist da, aber ich sehe das eher als langfristige Variante“, so Rupsch. Und er wagt noch einen ganz anderen Vorstoß: „An vielen größeren Stadien gibt es Parkhäuser – wieso nicht bei uns?“

Für Parkplätze immer große Flächen auszugeben, sei nicht gut. Die Stadt könnte nach einem Investor für ein solches Parkhaus suchen, meint der CDU-Stadtrat. Statt 3 Euro müsste der Nutzer dann vielleicht 5 Euro bezahlen. „Dafür kann er aber bis vor die Stadiontür fahren“, meint Rupsch.