Leben in Magdeburg

Mit Losglück zur Neubau-Wohnung

Mit der Errichtung von Neu-Olvenstedt in Magdeburg begann 1981 eines der größten Bauprojekte der ehemaligen DDR. Erinnerungen an damals:

Von Marco Papritz

Magdeburg l „Das war eine große Freude: eine Neubauwohnung mit Fernwärme und Bad“, so Ursula Pfaff. Sie zog 1984 mit ihrem Mann und zwei Töchtern aus Salzwedel zurück in ihre Heimatstadt Magdeburg. Genau gesagt an die Straße der Völkerfreundschaft (heute Sankt-Josef-Straße), deren Wohnblöcke im zweiten Bauabschnitt des Großprojektes entstanden.

Die Wohnungen in den Eingängen seien von der Wohnungswirtschaft verlost worden. Familie Pfaff zählte zu den Gewinnern: zweite Etage, kleine Küche, zwei Kinderzimmer und ein großer Balkon. „Gefrühstückt wurde da oft“, merkt Ursula Pfaff an. Die Mädchen, damals 9 und 13 Jahre, freute vor allem die Tatsache, dass sie endlich alleine ein Zimmer hatten. Die Erwachsenen erfreuten sich an anderen Vorzügen, die mit den mit Fernwärme versorgten Wohnungen einhergingen: „Keinen Kachelofen und Badeofen mehr heizen, keine Asche und immer warm“, so die heute 70-Jährige.

Bei der Planung der neuen Wohnsiedlung im Westen der Stadt, für deren Umsetzung das Dorf Olvenstedt Ende der 1970er Jahre extra eingemeindet wurde und die auf Acker entstand, sind neben den Wohnblöcken im Stile des industriellen Wohnungsbaus auch Versorgungs- und Freizeiteinrichtungen sowie Schulen und Kindertagesstätten ein fester Bestandteil gewesen. Schließlich sollten bis zu 45.000 Bewohner Neu-Olvenstedt mit Leben füllen, so das Vorhaben.

Die Erdgeschosswohnungen hatten kleine Mieterterrassengärten, die entsprechend den Wünschen und Vorstellungen der Mieter gestaltet und genutzt wurden. Klemmte mal etwas, war der Hausmeister stets zur Stelle. Ursula Pfaff: „So wohnten wir glücklich und dankbar 16 Jahre dort. Die Kinder hatten ein schönes buntes Leben. Ein kleines Heftchen liegt noch als Erinnerung an die erste Neubauwohnung in unserer Schublade.“ Noch heute stehen die Töchter mit Klassenkameraden von einst in Kontakt.

Als gebürtiger „Texaner“ könne sich Horst Friese noch gut an den Bau der ersten Blöcke erinnern. Schließlich entstand die neue Großsiedlung in direkter Nachbarschaft von Nordwest. „Wir sind als Kinder immer über den Stoppelacker nach Olvenstedt ins Kino gegangen“, so der Leser. Dieser wurde dann bebaut. Mit dem Ergebnis, dass sich die Versorgungslage für die Bewohner in Nordwest verbesserte, „denn die Geschäfte fehlten ja teilweise in ,Texas‘“, verweist Horst Friese, Jahrgang 1941. Auch heute noch kaufe die Familie im benachbarten Stadtteil Neu-Olvenstedt ein, „da ja Fleischer, Drogerie und Industrieladen verschwunden sind“.