Magdeburg l Bei einem Einbruch in eine Firma im Magdeburger Stadtteil Ottersleben sind neben mehreren Schusswaffen auch Wertgegenstände in die Hände unbekannter Täter gelangt. Für die Betroffenen ist so schnell nicht an Normalität zu denken. „Die Täter haben die Tür aufgebrochen und dann den Waffenschrank und den Tresor aus der Bodenverankerung ausgehebelt", erklärt Anja K.*. Ihren eigentlichen Namen möchte sie nicht Preis geben, ist der Redaktion aber bekannt. Auch aus Selbstschutz, wie sie sagt. „Mit Bettlaken haben sie dann den 300-Kilo schweren Schrank über den Boden nach draußen gezogen und dort in einen Transporter geladen. Einer alleine wäre dazu nicht imstande."

Ihr Mann Karl* nickt. „Das waren mindestens zwei, wenn nicht noch mehr Täter", ergänzt er. Die Eheleute sind seit vielen Jahren Sportschützen in der sogenannten Schießleistungsgruppe in Ottersleben. „Deswegen haben wir die Waffen ordnungsgemäß in dem Waffenschrank aufbewahrt. Und zu Hause ist nicht so viel Platz für einen so großen Waffenschrank, daher stand er im Büro."

Hell beleuchteter Hof

In der Nacht von Freitag, 10. Januar 2020, auf Sonnabend sind die Täter auf den beleuchteten Hof gefahren und haben die Tür zum Büro aufgebrochen. „Wir können die Zeit mittlerweile auf 2 bis 4 Uhr eingrenzen", erklärt Anja K. weiter. „Das passt auch zu den Aussagen eines Nachbarn." Dieser meint, im Halbschlaf eine Transportertür gehört zu haben. Auch ein „Los, Beeil dich" sei gefallen. „Allerdings im normalen Deutsch, ohne Akzent", ergänzt K..

Wenige Stunden später ist der Waffenschrank dann wieder aufgetaucht. In einem Waldstück nahe Heteborn bei Egeln. Auch ein zweiter Waffenschrank lag ein paar Meter weiter, wie die Polizei mitteilte. „Waffen und Wertsachen, alles ist weg. Unser halbes Leben war im Tresor." Die drei Kurzwaffen, fünf Langwaffen und viele Schuss Munition der Eheleute sind nun in den Händen von Kriminellen. Neben den Waffenschränken im Waldgrundstück wurde jedoch zurückgelassene Munition gefunden. „Die Täter hatten es also nur auf die Waffen abgesehen. Der eingebaute Tresor war glücklicher Zufall für sie."

In den sozialen Medien startete das Ehepaar mit Hilfe vieler Nachbarn einen Zeugenaufruf. „Viele Hinweise kamen dadurch zu uns. Wir hoffen natürlich noch auf den einen, der uns zu den Tätern führt. Deswegen haben wir auch 5000 Euro als Belohnung ausgesetzt. Vielleicht hat ja jemand was gesehen."

An Schlaf nicht zu denken

Seit dem Einbruch sei an Schlaf nicht mehr zu denken, so die Eheleute. Der Schrecken säße noch tief. Aus diesem Grund sollen jetzt in kurzer Zeit alle angrenzenden Gebäude auf dem Hof mit Sicherheitstechnik ausgerüstet werden.

Ob die Eheleute den Schaden ersetzt bekommen, ist offen. Noch laufen die Verhandlungen mit der Versicherung. „Generell kann ich jedem, der einen Tresor besitzt nur raten, eine Inhaltsversicherung abzuschließen. Ohne diese sind Wertgegenstände sogar in Schubladen besser versichert, als im Tresor", so K..

Das Schieß-Hobby wollen sich Anja und Karl K. trotzdem nicht nehmen lassen. Und auch die Hoffnung, dass die Waffen und Wertgegenstände gefunden werden, hat das Ehepaar noch nicht aufgegeben. Allerdings sei die Chance darauf nur gering. „Trotzdem sind wir dankbar für uns angebotene Hilfe von ganz vielen Menschen. Und vielleicht bringt ja dieser Artikel die gehoffte Wendung in dem Fall.“

Hinweise an die Polizei

Zeugen, welche Hinweise zu den Tätern und/oder die Tat geben können, werden gebeten, sich unter 0391/5463292 im Polizeirevier Magdeburg zu melden.

Die eigentlichen Namen wurden verfremdet und sind der Redaktion bekannt.