Magdeburg l Erst kam das Hochwasser und dann die Bahn nicht mehr alle zehn Minuten, so wie im Rest der Stadt. Seit die Elbe 2013 stark wie nie zuvor über die Ufer trat, warten die Bewohner des damals überfluteten Magdeburger Stadtteils doppelt so lange auf die Bahn. Ein Ratsbeschluss vom 23. Janaur 2020 macht wenig Hoffnung auf absehbare Änderung.

„So geht es nicht“, schimpft Gartenpartei-Rat Roland Zander und erachtet ein weiteres Vertrösten der Rothenseer als nicht hinnehmbar. Zanders Fraktion Gartenpartei/Tierschutzallianz forderte zunächst die umgehende Wiedereinführung des Zehn-Minuten-Taktes der Straßenbahn von und nach Rothensee und lockerte die Forderung ein paar Ausschussdebatten später zumindest leicht. Spätestens wenn die Bahnen wieder über die neue Tunneldecke zwischen Damaschkeplatz und dem Stadtzentrum ein Durchkommen hätten und sich damit ein Teil des Umleitungsverkehrs erübrige, müsse Rothensee seine vor dem Hochwasser 2013 gewohnte Anbinung wiederbekommen, so Zander.

Jetzt fehlen Bahnen und Personal

Obwohl die Forderung nur recht und billig erscheint, sieht eine Ratsmehrheit – sozusagen als Echo der Argumentation der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) – keine Chance zur mittelfristigen Abhilfe. „Es fehlen dafür schlicht die Straßenbahnen“, steuerte der Vorsitzende des Ratsausschusses für Bauen und Verkehr, Mirko Stage (future!), bei. Zwar werde die Wiedereröffnung der Bahnhofsbrücken-Passage am Stadtzentrum die Lage etwas entspannen, weswegen eine Prüfung zum Zeitpunkt sinnvoll sei. Deren Ergebnis könne aber nicht per Beschluss vorweggenommen werden.

Busse als Alternative

Für die SPD stellte deren Fraktionsvize Christian Hausmann einen Änderungsvorschlag zur Güte vor. „Es fahren tatsächlich eine ganze MengeSchüler vom Stadtteil aus zu weiterführenden Schulen im ganzen Stadtgebiet. Wenigstens für die Stoßzeiten dieser Schülerverkehre sollte der Takt alternativ mit Bussen verkürzt werden.“ Schon die Gartenpartei hatte in ihrem Ursprungsantrag einen Schienenersatzverkehr mit Bussen als Alternative ins Spiel gebracht.

Stage verwies auf ein Rechenexempel der MVB-Geschäftsführerin Birgit Münster-Rendel. „Sie hat gesagt, für eine Belegung der Strecke mit Bussen benötige ihr Unternehmen zwei Busse und zwölf Fahrer zusätzlich. Die hat sie aber nicht.“

AfD-Mann Ronny Kumpf platzt im Angesicht des Dauerproblems ähnlich wie Zander der Kragen: „Das ist das Ergebnis einer schlampigen Planung von Stadt und MVB. Und die Bürger müssen es ausbaden.“

„Das ist ein Thema, bei dem sich wirklich alle Stadträte mit Wahlkreisen in Nord absolut einig sind“, sagte Julia Brandt (SPD), „ein Dauerbrenner“. Tatsächlich müsse schnellstens etwas geschehen. „Wir können hier aber beschließen, was wir wollen, es wird nicht kommen, wenn unsere Forderungen unrealistisch sind“, konterte René Hempel für die Linke. Tatsächlich bliebe aktuell nur die Chance, wenigstens zu Stoßzeiten der Schüler- und Berufsverkehre den 20-Minuten-Takt der Bahn mit Bussen zu verengen.

Forderung wird weich gespült

Abstimmung, Aufruf Änderungsanträge: Die abgemilderte Forderung von Gartenpartei/Tierschutzallianz, nach Wiederaufnahme des Zehn-Minuten-Verkehrs von und nach Rothensee nach Wiedereröffnung der Bahnpassage überm Tunnel floppt – Ablehnung. Beschlossen wird der Alternativantrag aus dem Bau-/Verkehrsausschuss auf „Prüfung“ eines solchen Vorgehens. Eine Mehrheit bekommt auch die SPD für ihre Anregung, den ergänzenden Einsatz von Bussen zu Stoßzeiten zu prüfen. Am Schluss stimmt der Rat dem durch die Änderungsvoten weich gespülten Ursprungsantrag der Gärtnerfraktion zu. Die Rothenseer dürften fast sieben Jahre nach dem Hochwasser mehr erwartet haben.