Magdeburg l Bei der Magdeburger Wohnungsgenossenschaft (MWG) handelt es sich um die größte Wohnungsbaugenossenschaft Sachsen-Anhalts. Wenn also das Magdeburger Unternehmen für den 31. Dezember 2014 einen Leerstand von nur noch 2,2 Prozent vermeldet, dann liegt die Schlussfolgerung nahe: Der Immobilienmarkt in Magdeburg ist keineswegs im freien Fall, wie es vor wenigen Jahren noch Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung nahegelegt haben. Mit dem Niedrigrekord in Sachen Leerstand haben die Genossenschafter zum Jahreswechsel den besten Wert seit 24 Jahren erreicht.

Als Beispiel für eine gute Entwicklung nennt Vorstand Thomas Fischbeck den Stadtteil Neustädter See, wo die MWG über umfangreiche Bestände verfügt: „Dort liegt die Leerstandsquote bei uns sogar noch unter zwei Prozent.“ Dies, obwohl das Plattenbauviertel zwar mit der Nähe zum Zoo und Naherholungszentrum und einer guten Anbindung durch die Straßenbahn punkten kann, das aber dennoch lange Zeit nicht zu den gefragtesten Vierteln in der Stadt zählte. Vorreiter ist die MWG nach Angaben von Gertrud Bertling vom Verband der Wohnungsgenossenschaften Sachsen-Anhalt bei der Kostenreduzierung durch eigene Unternehmen. Durch die Gründung der Tochterfirmen MWG-Media und MWG-Energie konnte die Genossenschaft deutliche Preissteigerungen bei den Nebenkosten verhindern.

Sanierungsgrad liegt bei 96,9 Prozent

Zwar sind auch bei der MWG die warmen Betriebskosten gestiegen – und zwar von 0,86 Euro pro Quadratmeter 2012 auf 0,95 Euro im Jahr 2013. Doch der deutsche Durchschnitt lag laut Mieterbund bereits 2012 bei 1,43 Euro pro Quadratmeter. Der Sanierungsgrad der Wohnobjekte liegt derzeit bei 96,9 Prozent. Um das Niveau zu halten, wurden im Vorjahr fast 12 Millionen Euro in komplexe Modernisierungsarbeiten sowie in Instandhaltung und Instandsetzung investiert. Vor allem die Sanierung der Elektroleitungen in sechs Zehngeschossern war der Genossenschaft nach einem Brand vor zwei Jahren in der Salvador-Allende-Straße sehr wichtig. Vier ebenerdige Aufzüge wurden in drei Objekten eingebaut, wodurch weitere 160 Wohnungen barrierefrei erreichbar sind.

Mit der Stilllegung der oberen zwei Etagen in der Rollestraße 33-36 und 37-39 schlug die MWG 2014 ein neues Kapitel auf. Thomas Fischbeck: „Abreißen ist schnell gemacht, doch damit vernichten wir ja genossenschaftliches Eigentum. Im Fall der Stilllegung heben wir es uns auf - vielleicht brauchen wir es ja noch einmal.“ Die moderne Gestaltung der Fassade lässt kaum noch vermuten, dass sich dahinter Wohnungen befinden.

Kita „Am Nordpark“ soll 2016 erweitert werden

Auch künftig will die MWG an ihrer Politik der Bestandserhaltung und der Erneuerung festhalten. Möglichst noch Ende 2015 soll das Neubauvorhaben Breiter Weg mit 50 Wohnungen starten. Die Gründung einer MWG-Parkraum GmbH für die Betreibung des Parkhaus-Neubaus am Breiten Weg ist beschlossene Sache. Weitere Neubaupläne gibt es für die Neustädter Straße, für den Biederitzer Weg und für die Halberstädter Chaussee. Mit Neubauten wird die MWG nicht zuletzt den hohen Anteil an Häusern aus der Zeit des industriellen Wohungsbaus am Gesamtbestand senken. 2016 ist auch ein Erweiterungsbau für die MWG-Kita „Am Nordpark“ ins Auge gefasst.