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Open Air auch ohne Anmeldung: In Magdeburg kann an drei Stellen ohne Genehmigung gefeiert werden

Ein erster Erfolg für Magdeburgs freie Open-Air-Szene: Drei Veran- staltungsflächen wurden von der Stadt zur Verfügung gestellt, auf denen ab sofort Open-Air-Veranstaltungen ohne vorherige Behördengänge und Anmeldung durchgeführt werden können. Zwei Flächen befinden sich im Stadtpark, eine weitere im Glacis-Park.

Von Karolin Aertel 04.08.2021, 07:43
Magdeburg stellt mit Beginn des Monats August drei Flächen für Open-Air-Events zur Verfügung - Nutzung bis 22 Uhr und ohne Anmeldung
Magdeburg stellt mit Beginn des Monats August drei Flächen für Open-Air-Events zur Verfügung - Nutzung bis 22 Uhr und ohne Anmeldung prePress Media Mitteldeutschland GmbH

Magdeburg - Wer eine Veranstaltung unter freiem Himmel plant, sieht sich mit langwierigen und komplizierten Genehmigungsverfahren konfrontiert. Eine Tatsache, an der sich im Sinne der freien Open-Air-Szene etwas ändern sollte und nun, so teilte die Stadtverwaltung gestern mit, auch etwas geändert hat.

Seit Monatsbeginn sind auf drei Flächen in Magdeburg Open-Air-Veranstaltungen ohne vorherige Anmeldung möglich. Sie können für Freizeitveranstaltungen im Sinne des spontanen Sich-Zusammenfindens, Musikgenießens, für Tanz und Unterhaltung genutzt werden. Die drei Flächen befinden sich im südwestlichen Teil des Stadtparks Rotehorn und im Glacis, südlich von der Festungsanlage Ravelin 2.

Normalerweise unterliegen diese Plätze der städtischen Grünanlagensatzung. Um hier Open-Air-Veranstaltungen durchzuführen, sind Ausnahmegenehmigungen erforderlich. Zur Lösung des Problems sei nun ein „kommunikativer Gemeingebrauch“ definiert worden, der die neuen Open-Air-Flächen von bestimmten Verboten und Ausnahmevorbehalten befreit, erklärt die Stadtverwaltung.

Maximal 200 Personen dürfen Veranstaltung besuchen

Obgleich die Nutzung der Flächen nun keiner Anmeldung bedarf, gelten allgemeine Rahmenbedingungen, für deren Einhaltung die jeweiligen Veranstaltenden beziehungsweise Durchführenden verantwortlich sind. So ist die gewerbliche Abgabe von Speisen und Getränken verboten. Auch dürfe bei den Veranstaltungen der Alkoholkonsum nicht im Vordergrund stehen, erläutert die Stadtverwaltung. Zudem ist es maximal 200 Personen erlaubt, gleichzeitig auf den jeweiligen Grünflächen anwesend zu sein und ein Veranstaltungsende ist spätestens 22 Uhr anzuvisieren. Ferner muss sich die Lautstärke natürlich an den geltenden Immissionsrichtwerten orientieren.

Ein Anspruch auf Nutzung der jeweiligen Grünfläche besteht übrigens nicht, insbesondere im Hinblick auf die Nutzung durch andere Interessierte. Hier gelte: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“

Tom Assmann, Sprecher des Bündnisses „Freie Open-Airs“, macht deutlich, dass es sich um ein Pilotprojekt handelt, mit dem geschaut werden soll, wie man eine Stadt kulturell beleben und die Vielfalt der Stadt stärken kann. Es gehe zunächst darum, zu testen und zu evaluieren, wenn notwendig auch nachzujustieren. Bei Erfolg sollen in den kommenden Jahren weitere derartige Flächen geschaffen werden.

Kultur findet niederschwellig angeboten statt

Denn: „Kultur findet hier einfach, schnell und niederschwellig statt. Je niederschwelliger eine Stadt ihr Kulturangebot gestalten kann, umso mehr werden in einer Stadt aktiv.“ Die Open-Air-Flächen offenbaren die Möglichkeit, Musik hervorzubringen und zu genießen, ohne gleich an Bezahl- und Ausweisschranken institutionalisierter Kunstakteure vorbeizumüssen, erklärt der Bündnis-Sprecher. Er ist die Stimme von etwa 30 Open-Air-Akteuren in Magdeburg, die ihre Ziele in einer Charta festgehalten haben.

Das Bündnis „Freie Open-Airs“, eine Initiative aus dem Forum der Subkulturen, steht seit Sommer 2019 im Diskurs mit dem Ordnungsamt der Landeshauptstadt und mit der Beigeordneten für Kultur, Schule und Sport, Regina-Dolores Stieler-Hinz. Der Weg zu den freien Open-Air-Flächen sei „zäh“ gewesen und habe ein Jahr zu lange gedauert, erzählt Tom Assmann.

Dennoch freuen sich alle Akteure, diese nun nutzen zu können. Dabei gehe es dem Bündnis nicht nur um Musikveranstaltungen im klassischen Open-Air-Sinn, sondern auch um weitere Formen von kulturellen Veranstaltungen unter freiem Himmel oder an besonderen Orten wie Open-Air-Kinos, Yoga oder Meditation im Park und vieles mehr.

Über einen ersten Erfolg in diese Richtung freut sich auch Magdeburgs Kulturbeigeordnete Regina-Dolores Stieler-Hinz. Sie sagt über das Projekt: „Ungezwungen zusammenkommen und Natur abseits des Alltags genießen, um zu musizieren, zu kommunizieren und Gemeinschaft zu erleben – mit diesen Freiräumen wird das nun unbürokratisch möglich sein. Für uns bedeutet dies einen weiteren Baustein für ein lebens- und liebenswertes Magdeburg.“ Der Beigeordnete für Umwelt, Personal und allgemeine Verwaltung, Holger Platz, ergänzt: „Das Ordnungsdezernat will gern seinen Beitrag leisten, wenn es darum geht, spontane Veranstaltungen der freien Kulturszene im Rahmen des Erlaubten, also ohne bürokratischen Aufwand und ganz unkompliziert, zu ermöglichen.“