Magdeburg l Günter Fruhtrunk, Hans Schulze, Hans Scheuerecker – das Kunstmuseum Magdeburg hat über Schenkungen und Leihgaben in den vergangenen Wochen neue Werke erhalten, die am 14. März 2018 im Kunstmuseum vorgestellt werden.

Die Bilder passen thematisch in die bereits bestehende Sammlung und ergänzen diese, so dass bei künftigen Ausstellungen ein komplexeres Bild der Zeit nach 1945 gezeigt werden kann. Vorerst werden die Werke allerdings eingelagert, so dass am Mittwoch zunächst die einzige Möglichkeit besteht, die Bilder zu sehen.

Grafiken mit geometrischen Figuren

2017 zeigte das Kunstmuseum Magdeburg eine Ausstellung mit Bildern von Horst Bartnig. Die Grafiken zeichneten sich durch geometrische Formen, vornehmlich Quadrate, aus. Eines der Bilder steht dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung. Bartnig stammt aus dem Osten Deutschlands.

Bilder

Mit seiner Technik war er allerdings nicht allein. Bei Günter Fruhtrunk handelt es sich um das westdeutsche Pendant zu Horst Bartnig. Der abstrakte Maler und Grafiker wurde 1923 in München geboren und ist dort 1982 auch gestorben. „Beide Künstler gehen vom Selben aus beziehungsweise führen zum Selben hin“, erklärt Museumskurator Uwe Gellner im Volksstimme-Gespräch.

Reine ästhetische Idee

Sie gehen davon aus, dass Kunst nicht daraus besteht, die Realität in der subjektiven Sicht abzubilden. Beide Künstler, Bartnig wie Fruhtrunk, suchen nach Entsprechungen und versuchen diese zu objektivieren. Statt Abbilder zu schaffen, gehen sie von der reinen ästhetischen Idee aus. „Dabei erzeugt die Abstraktion dieselbe Spannung durch grafische Strukturen“, erklärt Uwe Gellner weiter.

Bei Hans Schulze handelt es sich um einen relativ unbekannten Künstler, dessen Wurzeln in Niederschlesien liegen und der 1982 in Leipzig verstarb. Er erlebte zwei Weltkriege mit. Und das spiegelt sich auch in seinen Werken wider. „Nach dem Zweiten Weltkrieg war er illusionsfrei“, sagt Uwe Gellner. Der Künstler habe sich in der Geschichte verklammert. Entsprechend düster und morbide wirken seine Werke.

Von Schulze zu Schultze

Auch mit der Neuerwerbung von Schulzes Werk kann das Kunstmuseum eine Parallele aufzeigen – nämlich zu Schulzes Zeitgenossen Bernard Schultze. Der Künstler ist deutlich bekannter als Hans Schulze; seine Bilder wurden unter anderem in New York, Wien und Rotterdam ausgestellt.

Der dritte Künstler im Bunde der Neuerwerbungen ist der 1951 in Cottbus geborene Hans Scheuerecker, der sich in der Endzeit der DDR emanzipierte und schon damals als freischaffender Künstler tätig war – unter unfreien Bedingungen. Er reiht sich in eine Riege mit Olaf Wegewitz, Manfred Heinze und anderen Zeitgenossen, von deren Werken das Kunstmuseum schon über einige verfügt.

Bescheidene Kunstsammlung in Magdeburg

Uwe Gellner freut sich über die neuen Werke in der Sammlung. Schließlich sei die Magdeburger Kunstsammlung recht bescheiden im Vergleich zu anderen Städten, was allerdings auch der Geschichte der Stadt Magdeburg geschuldet sei.

Bei der Auswahl von Werken, die in die Sammlung aufgenommen werden, entscheidet das Team des Kunstmuseums vor allem nach zwei Fragen: Sind die Werke für die Stadt Magdeburg interessant? Und werden die Künstler dauerhaft von Bedeutung sein? Das vorherzusehen, dafür braucht es vor allem eines: Erfahrung.

Kunstwerke sind wie Zeitzeugen

Bedauerlich findet Uwe Gellner, dass das Sammeln von Kunst aus der Mode geraten sei und häufig auch das Verständnis dafür fehle. Dabei werde ein Kunstwerk stets zumindest seinen Wert behalten. Zudem seien die Werke wie Zeitzeugen, die etwas über die jeweilige Zeit berichten.

Näheres über die Neuerwerbungen gibt es am 14. März ab 19  Uhr im Kunstmuseum. Zuvor, von 16 bis 17  Uhr, können sich Besitzer von Kunstwerken vom Team des Kunstmuseums beraten lassen.