Magdeburg l Sebastian „Basti“ Rätzel probiert’s solo. Nicht etwa als Single, sondern musikalisch. Nach zehn Jahren mit seiner Band „The Baseballs“ hat der 35-Jährige Lust, etwas anderes auszuprobieren. Er wechselt kurzerhand vom Rock’n’Roll zum Schlager-Pop. „Weil ich Spaß dran habe, mich in meiner Muttersprache auszudrücken“, erklärt er.

Nach der Jubiläumstour seiner Band werde es um die Baseballs 2019 etwas ruhiger, verrät er. Das nächste Album werde nicht vor 2020 erscheinen. Die Zeit wolle er nun nutzen, um eigene Sachen voranzubringen. „Mit den Baseballs singen wir hauptsächlich Songs nach. Nun habe ich die Möglichkeit, meine eigenen Gedanken auszudrücken.“

Song für Helene Fischer geschrieben

Und sie vor allem auch selbst zu singen. Denn als Songschreiber arbeite er bereits seit vier Jahren, schrieb u. a. Titel für Helene Fischer („Nur mit Dir“) und Maxi Arland. Im Schlagerbusiness kenne er sich daher bestens aus.

Seine eigenen Songs bewegen sich zwar in diese Richtung, seien allerdings poppiger. „Mein Produzent meint, wir reißen die letzten Mauern zwischen Schlager und Pop ein.“ Zwei Jahre habe er an den Songs gearbeitet. Nun sind alle 13 Titel eingesungen und werden im Frühjahr 2019 den Weg zum Publikum finden.

Sozialkritische Texte

„Thematisch bewege ich mich nicht nur in der Friede-Freude-Eierkuchen-Welt, sondern habe durchaus auch sozialkritische Texte.“ Er thematisiere Kinderarmut und den Umgang mit Verlusten. Immer aber sei es die schlagertypische Leichtigkeit und der Verzicht auf den moralischen Zeigefinger, der den Titeln anhafte. Sein Repertoire reiche von foxtrotttauglich bis zu den ganz großen Emotionen.

Zwei seiner Songs werde Basti Rätzel bei seiner traditionellen Homecoming-Party am 23. Dezember im Thiem20 in Magdeburg singen. Einer der beiden Titel werde sehr wahrscheinlich sogar die Single-Auskopplung des Albums. „Ich bin sehr gespannt, wie die Leute reagieren“, erzählt er. Denn neben „normalen“ Konzertgästen sind beim Homecoming immer auch viele seiner (Schul-)Freunde im Publikum. Es ist wie ein Klassentreffen des Otto-von-Guericke-Gymnasiums.

In Berlin und Magdeburg zuhause

Doch so selten wie in den vergangenen Jahren – er lebt nach wie vor in Berlin – sieht er seine Freunde mittlerweile nicht mehr.

Inzwischen ist er häufiger in seiner Heimatstadt Magdeburg anzutreffen, hat sich gar eine kleine Wohnung gemietet. Denn seit er als Moderator bei Radio SAW arbeitet, war er dann – für sein Empfinden und auch das seiner Mutter – ein wenig zu oft zu Hause. „Als ich ihr gesagt habe, dass ich mir eine Wohnung nehme, hat sie sich nicht gewehrt“, erzählt er lachend.

Moderator bei SAW

Nun treffe er sich wieder regelmäßig mit seinen Magdeburger Leuten. Gern würde er auch wieder Fußball spielen – er spielte einst auf dem Jahnsportplatz in der Kleinfeldmannschaft des SV Arminia ’53 – doch noch ließe das die Zeit nicht zu. Neben den Sendungen bei SAW ist er nach wie vor mit den Baseballs unterwegs.

Am 28. November 2018 beispielsweise gehe es nach Colombo, in Sri Lankas Hauptstadt, um für zwei Shows auf einem Kreuzfahrtschiff aufzutreten. Wenn er wiederkommt, habe er noch drei Tage, um sein Solo-Album fertigzumachen. Dann kommen die Vorbereitungen fürs Homecoming, das am 23. Dezember stattfindet.

Auftritt in Magdeburg zu Weihnachten

Gemeinsam mit Gitarrist Marius Stieler, Pianist Thomas Krüger, Bassist Simon Lorenz und Schlagzeuger Tobias Lammers wird er ab 20 Uhr in die Weihnachtsfeiertage einstimmen. Es werde auch wieder Duette geben, verrät er. So hole er sich Freundin Ines Große auf die Bühne, seinen „Kindergartenkumpel“ Christoph Kaftan und Daniel Rappholz (früher Band „Cindy Ciser“).

Schon am nächsten Morgen, Heiligabend, um 6 Uhr wird er bei SAW auf Sendung gehen. Doch wenig Schlaf sei er mittlerweile gewohnt. Silvester gehe es für die Baseballs dann in die ARD-Silverstershow zu Jörg Pilawa und Francine Jordins.

Magdeburger Fan des FCM

Der Terminkalender des 35-Jährigen ist derart straff gefüllt, dass eben kaum Zeit für ein Hobby wie Fußball bleibt. Zumindest nicht, um selbst zu spielen. Denn um Fußball zu schauen, allem voran FCM-Spiele, nimmt er sich die Zeit. Schließlich gehöre er zu den größten Fans der Blau-Weißen. Daher sei es wie ein Ritterschlag gewesen, für SAW zwei FCM-Spiele – gegen Dresden und gegen Regensburg –moderieren zu dürfen.

Und ebenso wie alle anderen FCM-Fans leidet er im Kampf um den Klassenerhalt. „Ich glaube aber daran“, sagt er. „Der Klassenerhalt wäre ein größerer Erfolg als der Aufstieg.“ Dass man sich von Jens Härtel verabschieden musste, tut ihm menschlich betrachtet leid. Sportlich hingegen halte er es für den richtigen Schritt. „Der Club musste irgendwann reagieren. Die Situation war so verfahren.“ Der Club habe nicht die finanziellen Mittel, um großartig an der Spielerschraube zu drehen. „Mit dem Trainerwechsel wird nun ein neuer Impuls gesetzt.“