Magdeburg l Musik hallt durch die Räume, Jugendliche knüpfen Kontakte, Feiern bereichern das Kulturleben. Was wie eine Beschreibung aus längst vergangenen Zeiten klingt, ist die Zukunftsvision für das Klubhaus „Junge Talente“ in Magdeburg. Die Gartenpartei schwingt sich auf, das für den Abriss vorgesehene und seit fast 30 Jahren geschlossene Haus in der Erich-Weinert-Straße 25 zu retten.

Mit einem Antrag soll der Stadtrat Magdeburg zu einer Rolle rückwärts bewogen werden, wenn man so will: Während der Oktobersitzung 2017 ist im Stadtrat mehrheitlich beschlossen worden, den vom Eigentümer geplanten Abriss mit 48.000 Euro zu fördern.

Stadt Magdeburg sieht keine Zukunft

Die Stadtverwaltung Magdeburg war der Meinung, dass das Haus nicht mehr zu retten sei. „Wir fühlten uns etwas überfahren und haben im Anschluss lange darüber diskutiert, dass es nicht sein kann, solch einen historischen Bau und ein Kulturdenkmal aus dem Stadtbild zu entfernen“, so Stadtrat Marcel Guderjahn. Und: „Der Abrissirrsinn für das Kulturdenkmal, das für viele eine ebenso wichtige Bedeutung hat wie das Volksbad oder das Amo, muss gestoppt werden.“

Konkret sieht der Plan zur Rettung so aus, dass Magdeburg das Haus erwirbt, es saniert und anschließend als eine Sozialeinrichtung für Jugendliche nutzt. „Während der Sanierung der Stadthalle werden Veranstaltungsorte in der Stadt benötigt. Denkbar ist auch, dass hier Jugendweihen einen festen Anlaufpunkt haben werden“, zählt Guderjahn weiter auf.

Abriss in Magdeburg verhindern

Zunächst einmal müsse das Abrissvorhaben des Immobilien-Unternehmers Thomas Giebelmann abgewendet werden. Er ist seit 17 Jahren Eigentümer des Klubhauses, das schon längst zur Schaffung von Parkraum weichen sollte. Pläne zur Wiederbelebung etwa als Diskothek oder Einkaufszentrum wurden nicht umgesetzt.

Nun soll zur nächsten Stadtratssitzung am 9. November 2017 der Oktoberbeschluss über die Abrissförderung aufgehoben und die Stadt Magdeburg mit dem Kauf beauftragt werden, so das Vorhaben der Gartenpartei. Der Rückkauf könne über die Einnahmen aus den Grundstücksverkäufen gestemmt werden, so Roland Zander: „Diese Einnahmen sollten nicht eins zu eins in den Tunnelbau fließen.“

Magdeburg soll Fördermittel beantragen

Für die anschließende Sanierung sind dann Fördermittel zu beantragen. Hoffnung macht Guderjahn übrigens ein Beispiel aus Buckau: „Bei der Villa Budenberg stand nur noch die Hülle, ehe der Wiederaufbau begann. Heute ist das Haus ein Vorzeigeobjekt: Es zeigt, dass nichts aufgegeben werden muss, wenn man nicht will.“

Um die Forderung zu untermauern, startet nun eine Unterschriftensammlung. Listen sind u. a. per E-Mail an guderjahn-fragt-nach@gmx.de erhältlich und liegen in verschiedenen Geschäften im benachbarten Stadtteil Buckau wie dem Lottoladen und dem Kiez-Bistro an der Schönebecker Straße aus.