Magdeburg l Eine Kostensteigerung um 633.000 auf etwas mehr als zwei Millionen Euro soll für die Baustelle an den Stützwänden in der Kritzmannstraße in Magdeburg geschultert werden. Der Magdeburger Stadtrat hat der Kostensteigerung am 22. August 2019 zugestimmt.

Zuvor haben sich die Ausschüsse mit dem Thema befasst – mit durchaus unterschiedlichen Ergebnissen. Im Finanzausschuss hatten drei Räte dem Wunsch aus der Verwaltung zugestimmt – fünf hatten ihn aber abgelehnt, und es gab eine Enthaltung. Der Kritikpunkt: Mit einer Art Salamitaktik würden immer neue Kosten aufgerufen in einem für die Allgemeinheit nicht zu vertretenden Maß.

Zustimmung und Ablehnung

Anders im Bauausschuss. Hier hatte es sieben Stimmen für den Wunsch nach mehr Geld aus der Stadtverwaltung gegeben, keine Gegenstimme und zwei Enthaltungen.

Zuvor hatte der Baubeigeordnete Dieter Scheidemann eindringlich dafür geworben, dem Stadtrat die Zustimmung zur Finanzierung der zusätzlichen Kosten zu empfehlen. Eine entsprechende Erläuterung hatte er auch im Stadtrat vorgebracht. Die Mauern schützen demnach die privaten Grundstücke, die etwas tiefer liegen. Gebaut wurden sie im Jahr 1975. „Und sie werden wohl nicht mehr lange halten.“ Daher wolle die Stadt die anstehenden Arbeiten vor dem Bau dieses Abschnitts für die Zweite Nord-Süd-Verbindung für die Straßenbahn in diesem Bereich gleich mit erledigen. Auf der einen Seite seien die Arbeiten abgeschlossen, auf der anderen hätten sich jetzt die Mehrkosten aufgetan. Mit Betonbohrpfählen sollen die Stützmauern für die Zukunft gesichert werden.

Nicht frische Straße neu aufreißen

 „Würden wir später kommen, dann wären Strommasten und Bürgersteig im Weg. Das würde noch teurer werden“, so die Prognose des Baubeigeordneten. Den Bürgern nur schwer zu vermitteln wäre wohl, wenn nach dem aufwendigen Bau für die Straßenbahn wenige Monate oder Jahre später die Bagger wieder für umfangreiche Arbeiten anrücken würden, wie SPD-Stadtrat Falko Grube im Bauausschuss anmerkte.

Dass sich erst im Nachhinein herausgestellt hat, wie marode die Mauer tatsächlich ist und dass die teuren Bohrpfähle jetzt nachträglich in die Planungen eingearbeitet wurden, hatte der CDU-Stadtrat Reinhard Stern im Bauausschuss noch einmal kritisiert. Dies verwundert nicht: Als Vorsitzender des Finanzausschusses, der das Ansinnen der Stadt ja abgelehnt hatte, hat er neben baulichen auch die finanziellen Fragen im Blick.

Tröstlich mag in diesem Zusammenhang wirken, dass trotz der verspäteten Feststellung, wie teuer die Sicherung wird, keine Fördergelder verloren gegangen sind. Dieter Scheidemann erläuterte während der Sitzung des Bauausschusses, dass Land und Bund, die das Projekt der Straßenbahntrasse maßgeblich fördern, für die Befestigung des Straßenrands ohnehin nichts bezahlen würden. Da gelte das Motto: Diese Arbeiten müsstet ihr ohnehin erledigen, das hat nichts mit der Gleistrasse für die Straßenbahn zu tun.

Der Stadtrat hat die letzte Kostensteigerung bei einigen Enthaltungen bestädtigt. In den Jahren zuvor waren immer wieder Preiserhöhungen beschlossen worden, so dass es insgesamt sich jetzt um eine Vervierfachung des Ursprungspreises handelt.