Magdeburg l Die Kreuzung Leipziger Straße, Wiener Straße, Raiffeisenstraße ist seit Montag, 19. März 2018, gesperrt. Im Wohngebiet zwischen Helmholtz- und Raiffeisenstraße sorgte die Sperrung gestern für chaotische Zustände.

Chaotische Zustände

Was lange befürchtet worden war, ist eingetreten: Die Sperrung der Leipziger Straße auf Höhe der Raiffeisenstraße für den Bau des neuen Gleisvierecks sorgt im Süden der Stadt für Verkehrsprobleme. Seit gestern sind Sperrung und Umleitungsstrecken aktiv. Vor allem für die Anwohner des Stadtviertels zwischen Helmholtzstraße und Raiffeisenstraße gab es gestern chaotische Zustände. „Ich stand 30 Minuten da, ohne dass ich fahren konnte“, erzählt eine Volksstimme-Leserin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Allein aus der Parklücke herauszukommen, sei aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens problematisch gewesen, dann folgte der Stau auf den Ausfahrten des Wohngebietes.

Die Straßen sind eng und zu beiden Seiten wird geparkt. „Es kann immer nur ein Auto fahren“, erzählt die Leserin weiter. Ihrer Einschätzung nach könne nur mit Einbahnstraßenregelungen entgegengewirkt werden, etwa auf der Schäfferstraße und der Weberstraße. Gleichzeitig warnt sie vor Parkverboten, da die Anwohner dann nicht mehr wüssten, wo sie ihre Autos abstellen sollen. Ihrem Eindruck nach kam von irgendwoher noch ein zusätzlicher Verkehrsstrom, sagte sie. Möglicherweise durch Autofahrer, die statt der ausgewiesenen Umleitungsstrecken eine Abkürzung durch das Wohngebiet suchten.

Riesige Umwege

Ein weiterer Anwohner war gestern zu Fuß unterwegs, um sich die Baustelle und die ausgeschilderten Umleitungen anzuschauen. Seine Frau hatte ihm von dem morgendlichen Verkehrschaos berichtet. Nun wollte er sich selbst einen Überblick verschaffen. Sein Ärger: Aus der Helmholtzstraße könne er nicht links in Richtung Fuchsberg abbiegen. Und die Freie Straße, von der aus er auf die Erich-Weinert-Straße in Richtung Fuchsberg abbiegen könnte, ist ebenfalls für den Autoverkehr gesperrt. Nur die Busse der Magdeburger Verkehrsbetriebe können dort mit Hilfe einer Schranke und einer Baustellenampel unter den Bahnbrücken Erich-Weinert-Straße die Freie Straße passieren. „Jetzt muss ich einen riesigen Umweg über die Schönebecker Straße fahren“, schimpfte er. Er würde es gut finden, wenn die Kreuzung Erich-Weinert-Straße, Ecke Helmholtzstraße in die Kreuzung von Leipziger Straße und Fuchsberg einbezogen werden würde und Autofahrern aus der Helmholtzstraße kommend das Linksabbiegen ermöglicht werden würde.

Aber damit ist das Chaos noch nicht zu Ende. Viele Autofahrer sind trotz entsprechender Ausschilderung stadtauswärts auf die Leipziger Straße gefahren und standen dann vor den Schranken, mit denen zumindest den Straßenbahnen das Passieren der Kreuzung ermöglicht wird. Die Folge: Diese Fahrzeuge mussten dann auf der Leipziger Straße wenden und wieder zurück in Richtung Innenstadt fahren.

MVB hoffen auf Entspannung

Tim Stein von den Magdeburger Verkehrsbetrieben räumte gestern Probleme ein. Selbst im Busverkehr gab es zu den Stoßzeiten Verspätungen um 15 bis 20 Minuten, erklärte er auf Nachfrage. Allerdings: „Es war erst der erste Tag“, sagte Stein. „Vielleicht hatten einige Autofahrer die Sperrung nicht mitbekommen“, vermutete er. Die Erfahrung der Magdeburger Verkehrsbetriebe und der Stadtverwaltung sei, dass sich diese anfänglichen Probleme noch geben würden, wenn sich die Autofahrer erst einmal auf die Umleitungen eingestellt hätten und jeder wisse, welche Strecken er nehmen könne. Steins Empfehlung ist, in jedem Fall den offiziellen Umleitungsstrecken zu folgen und nicht eigene Abkürzungen durch Wohngebiete zu suchen, in denen nicht nur Tempo-30 gilt, sondern die Straßen durch geparkte Autos auch sehr eng seien.

Um den Knotenpunkt Leipziger Straße/Am Fuchsberg/Erich-Weinert-Straße zu entlasten, wird die Sperrung der Freien Straße in Richtung Erich-Weinert-Straße für den Verkehr beibehalten werden, erläuterte Tim Stein.

Den Vorschlag, einzelne Straßen im Wohngebiet rund um die Helmholtzstraße als Einbahnstraße auszuweisen, wollte er aufgreifen. Von jetzt auf gleich könne diese Verkehrsführung allerdings nicht ausgewiesen werden. „Wir müssen uns ja mit dem Tiefbauamt der Stadt und der Polizei abstimmen“, erklärte Stein weiter. MVB und Stadt seien gestern vor Ort gewesen und würden den Verkehr auch in den nächsten Tagen beobachten. Gegebenenfalls würde dann versucht werden, noch nachzubessern. Bis dahin bittet er vorerst um Verständnis.

Stadtverwaltung beobachtet die Lage

„Unser Kollege von der Straßenverkehrsbehörde war mehrere Stunden vor Ort“, berichtete Pressesprecher Michael Reif von der Magdeburger Stadtverwaltung gestern auf Nachfrage. Zu seinen Beobachtungen zähle unter anderem, „dass viele Kraftfahrer die Beschilderung nicht beachten, obwohl diese korrekt und vollständig ist“. Trotz eindeutiger Ausschilderung als Sackgasse und entsprechender Planskizzen seien zum Beispiel viele Fahrer in den Sackgassen-Abschnitt der Leipziger Straße gefahren und mussten dann wenden. „Wir bitten deshalb alle Kraftfahrer um die Beachtung der Beschilderung“, mahnt er eindringlich. Zudem sei es sinnvoll, wegen der Sperrung und Umleitung mehr Zeit einzuplanen.

Die Bauarbeiten am Gleisviereck werden voraussichtlich bis September dauern. Für diese Zeit wird auch die Sperrung gelten.

Hintergrund der Sperrung ist der Bau der neuen Straßenbahntrasse vom Norden in den Süden Magdeburgs. Monatelang mussten zuvor auch die Verkehrsteilnehmer auf der Halberstädter Straße im Bereich Südring Verkehrseinschränkungen in Kauf nehmen.