Magdeburg l Gibt es mitten in der Neustadt von Magdeburg ein kontaminiertes Grundstück, von dem möglicherweise sogar Gefahren für die Umwelt ausgehen? Das wollte Rainer Buller, Stadtrat der Magdeburger Gartenpartei, von der Stadtverwaltung wissen. Konkret geht es um eine Brachfläche zwischen Umfassungsstraße und Abendstraße. Diese ist fast komplett asphaltiert und von einem hohen Zaun umgeben.

Chemiefabrik in Magdeburg-Neustadt

Anwohnern zufolge sei dort früher eine Chemiefabrik betrieben worden, von der möglicherweise noch Spuren im Boden vorhanden sind, so Buller. Das sei besonders interessant, weil unmittelbar an das fragliche Grundstück die Kita „Weltkinderhaus“ grenzt.

Kann das Grundwasser durch Risse in der Versiegelung kontaminiert werden? Wird die Gefährdung regelmäßig kontrolliert? Diese Fragen hatte Buller u. a. an die Verwaltung gestellt. Die Antworten von Magdeburgs Baubeigeordneten Dieter Scheidemann liegen nun vor.

Krebserregende Stoffe

Er stellt zunächst fest, dass das Grundstück tatsächlich im Altlastenkataster der Stadt Magdeburg geführt wird. „Dort befand sich die ehemalige Forschungsaußenstelle der Jenapharm GmbH & Co. KG, die bis 1992 betrieben wurde“, bestätigt er zudem die Aussagen der Nachbarn. Im Rahmen der Betriebsabläufe sei dort mit chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) sowie mit leichtflüchtigen und aromatischen Kohlenwasserstoffen umgegangen worden. Einige gelten als krebserregend bzw. können als Ursache nicht ausgeschlossen werden.

Erste Untersuchungen auf potenziell gefährliche Rückstände waren bereits 1992 durch das Unternehmen selbst durchgeführt worden. In einer Tiefe von 3,70 bzw. 4,80 Meter wurden damals zwei Punkte ausgemacht, wo eine größere Belastung gemessen wurde. Der Boden darüber war „unauffällig bis leicht belastet“, so Scheidemann. Das wurde auch beim Abriss der Gebäude auf dem Grundstück im Jahr 2000 erneut festgestellt.

Keine Gefährdung der Nachbarschaft

„Seit 1993 sind Grundwasserbelastungen mit CKW dokumentiert, die auf Anordnung des Umweltamtes beobachtet werden“, erklärt der Beigeordnete. Bis 2005 hätten diese Belastungen jedoch deutlich abgenommen und befinden sich seitdem, wenn auch mit Schwankungen in der Konzentration sowie der Zusammensetzung, „auf einem niedrigen Stand“. Eine Gefährdung für die Nachbarschaft wird seitens eines Gutachters „eindeutig verneint“, versichert Dieter Scheidemann.

Nun sollen die kontaminierten Bereiche aber entfernt werden. Der Eigentümer der Fläche erstellt dazu derzeit ein Konzept. „Die Sanierungsmaßnahmen zielen dabei auf die vollständige Entfernung der Kontaminationsbereiche und damit auch der kleinräumigen Grundwasserbelastung ab“, so der Beigeordnete. Grund hierfür ist eine geplante Bebauung des Grundstücks. Eine entsprechende Voranfrage liegt dem Bauordnungsamt bereits vor.