Magdeburg l Die 1931 eröffnete Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten war Teil einer umfassenden Neugestaltung des städtischen Sozial- und Gesundheitswesens. Realisiert wurde das Gebäude (heute Haus 15 auf dem Gelände des Uniklinikums) durch den Architekten Johannes Göderitz (1888-1978), einen „hervorragenden Vertreter des Neuen Bauens“, wie Dr. Norbert Friedrich, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Krankenhausgeschichte (DGKG), und Vorsitzender Fritz Dross gegenüber der Volksstimme betonen.

Doch das Zeugnis modernen Bauens soll nun weichen. Es wird abgerissen und damit Platz machen für das schon seit langem geplante hochmoderne Herzzentrum am Magdeburger Universitätsklinikum (Volksstimme berichtete).

Die DGKG verfolge die Entwicklung mit großer Sorge, wie sie betont. Praktisch als Protestaktion hielten Vorstand und Mitglieder der Gesellschaft ihr 22. Symposium unter dem Titel „Neue Medizin in alten Mauern? – Krankenhaus und Denkmalpflege“ im Oktober in Magdeburg ab. Am Ende stand eine Resolution. Es war ein Appell an die Stadtverwaltung, Ratsfraktionen, Landespolitiker und nicht zuletzt die Geschäftsführung des Uniklinikums selbst.

Gratulation und ein Aber

„Neben der ehemaligen Hautklinik gehört die 1926/27 errichtete Chirurgische Klinik (heute Haus 10 Kinderklinik) zu den Schlüsselbauten der Moderne in Magdeburg. Der Abriss von Haus 15 würde mithin ein Ensemble von großem Seltenheitswert vernichten. Zerstört würde ein einzigartiges Zeugnis von medizin-, sozial- und stadthistorisch herausragender Bedeutung, wie im Gutachten der Landeskonservatorin Dr. Ulrike Wendland überzeugend dargelegt“, heißt es in dem jetzt veröffentlichten Appell.

Auf dem Campus in Sudenburg sei die bauliche Entwicklung vom Stadtkrankenhaus des späten 19. bis zum Universitätsklinikum des 21. Jahrhunderts präsent. Das Universitätsklinikum habe die ihm anvertrauten Baudenkmale mit den Sanierungen von Haus 2 (2007) und Haus 1 (2010) und „nicht zuletzt mit der Sanierung des heute in Frage stehenden Hauses 15 bewahrt und sie in eine sinnvolle aktuelle Nutzung überführt“. Umso unverständlicher sei die Zerstörung des Kernstücks der Erweiterung aus der Weimarer Zeit, so ist weiter zu lesen. Die DGKG gratuliere dem Universitätsklinikum zum Neubau eines Herzzentrums nach den Maßstäben des 21. Jahrhunderts, heißt es weiter. Aber: Eine große Kulturleistung könne nicht darin bestehen, „die vorhergehenden Leistungen zu vernichten“.Man appelliere daher an alle Verantwortlichen, die Planungen zu überdenken.

Gelesen hat diesen Appell auch Dr. Jan Hülsemann, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums. „Ich habe den Brief auch bekommen“, sagt er. Hülsemann beschreibt noch einmal, warum die Entscheidung für den Abriss und Neubau nicht anders habe fallen können. Man habe zig Varianten durchgespielt, nachdem die Denkmalschutzbehörde den Abriss zunächst abgelehnt hatte. Man brauche die Nähe zum Hauptgebäude 60a, zur Notaufnahme und dem künftigen Hubschrauberlandeplatz.

1000 Operationen jährlich

„Da blieben nicht so viele Möglichkeiten“, sagt Dr. Hülsemann. Doch man habe alles Erdenkliche geprüft. Ein Jahr lang. „Wir hatten da eine Menge Hausaufgaben vom Denkmalschutz bekommen.“ So habe man die Variante Neubau auf dem Parkplatz vor der jetzigen Notaufnahme geprüft. Der Platz habe sich als zu klein erwiesen. Aus- und Umzüge anderer Bereiche aus dem modernen Klinikbau Haus 60 a waren durchgespielt worden. Ebenfalls die Option des Umbaus der früheren Hautklinik selbst. „Auch das ist nicht machbar“, stellt der Ärztliche Direktor fest. Es gebe extreme Anforderungen für das neue Herzzentrum allein schon für OP-Bereiche und Lüftungen. Die Decken seien zu niedrig, Flure zu schmal und das Gebäude insgesamt zu klein. Man habe in den vergangenen Jahren „mit einem Riesenaufwand“ die anderen historischen Häuser auf dem Campus saniert. Doch im Fall von Haus 15, das laut Hülsemann zurzeit auch nur teilweise genutzt werde, sei das für die angestrebte Nutzung nicht möglich. Davon hätten sich letztlich auch die Denkmalschützer überzeugen lassen.

Einen konkreten Abrisstermin gebe es noch nicht. Das neue Herzzentrum soll aber nach den verzögerten Planungen nun möglichst Ende 2019, Anfang 2020 den Betrieb aufnehmen. Investiert werden rund 40 Millionen Euro. Zurzeit werden am Uniklinikum jährlich rund 1000 Herzoperationen durchgeführt. Tendenz steigend.