Magdeburg l Die Verkehrswege über die Elbe in Magdeburg sorgen wieder für Diskussionen. Mit neuen Zahlen würde die Stadt Magdeburg ihre ablehnende Haltung zur dritten Elbquerung möglicherweise revidieren, so Oberbürgermeister Lutz Trümper während der Sitzung des Stadtrats am 22. Januar 2018.

Dass eine Überarbeitung des Zahlenwerks nötig sei, hatte CDU-Stadtrat Reinhard Stern bereits während der Sitzung des Bauausschusses zu Protokoll gegeben. Die Stadtverwaltung hatte zuvor eine Stellungnahme vorgelegt, in der die ablehnende Haltung begründet wurde: Die Prognosen für den Verkehr rechtfertigten keine Investition in eine neue Brücke.

Kaum Chance auf Fördermittel

Aufgrund der Prognose bestünde auch kaum eine Chance, Fördermittel zu bekommen. Reinhard Stern: „Ich bezweifle, dass in der Stellungnahme von aktuellen Zahlen ausgegangen wird.“ Grundlage für seine Zweifel findet der Stadtrat in einem Papier zur dritten Elbquerung, das von der Stadtverwaltung Magdeburg verfasst wurde.

Bei dem Dokument handelt es sich um das Prüfergebnis zu entsprechenden Anträgen aus dem Stadtrat. Und in diesem ist nachzulesen, dass anstelle von 238.212 Menschen im Jahr 2015 im Jahr 2030 in Magdeburg bereits 244.619 Bewohner leben werden.

Sinkt in Magdeburg die Einwohnerzahl?

Doch für die Magdeburger Stadtteile im Einzugsbereich einer entsprechenden Brücke im Osten von Magdeburg werde die Zahl der Einwohner geringfügig sinken: Und zwar von 15.674 im Jahr 2015 auf 15.074 im Jahr 2030. In die Untersuchung für die ostelbischen Einzugsgebiete sind die Werte für die Stadtteile Berliner Chaussee, Brückfeld, Cracau, Prester und Zipkeleben eingeflossen.

Von Interesse dürfte für Stadtrat Reinhard Stern nicht allein der Umstand sein, dass auch in Ostelbien immer wieder neue Eigenheime entstehen. Vielmehr gibt es für den Heumarkt Entwürfe, die hier ergänzend zum Neubau zweier Brücken über die Alte Elbe und über die Zollelbe eine mehrgeschossige Bebauung vorsehen.

City von Magdeburg entlasten

Ohnehin sei eine dritte Elbquerung, die auch als eine Art zweiter Bauabschnitt der just vom Stadtrat befürworteten Ortsumgehung für Ostelbien gesehen werden könne, nicht allein im Interesse der Bewohner der Stadtteile Berliner Chaussee, Brückfeld, Cracau, Prester und Zipkeleben. Stern: „Eine dritte Elbquerung würde ja vor allem auch die Innenstadt vom Durchgangsverkehr entlasten.“

Zudem werde im Papier zum Prüfungsergebnis die Belastung durch den Veranstaltungsverkehr in Ostelbien außer Acht gelassen, so der Stadtrat. Eine dritte Elbquerung würde den Besuchern aus dem Süden und Südosten von Magdeburg, aber auch jenen aus Schönebeck bei der Fahrt zu Veranstaltungen in der MDCC- und Getec-Arena sowie in den Messehallen und im Elbauenpark eine Alternative zur Route durch die Magdeburger Altstadt bieten.

Stadt will keine weitere Großbaustelle

Zwar gab es bis in die Zeiten der DDR hinein eine zusätzliche Verbindung via Fähre über die Elbe. Dennoch hält sich die Begeisterung in der Stadtverwaltung Magdeburg für ein neuerliches Großprojekt derzeit in Grenzen: Der Tunnel am Hauptbahnhof wird deutlich teurer ausfallen als ursprünglich geplant. Und angesichts der Hochkonjunktur auf dem Bau und der damit verbundenen hohen Preise wird auch die Erweiterung des Strombrückenzugs mit Neubauten über die Zollelebe und über die Alte Elbe nicht zu einem Schnäppchenpreis zu haben sein.

Beim Stichwort Ortsumgehung, für die die Verkehrsströme laut Stadtverwaltung nicht ausreichen und die trotzdem noch zur Diskussion steht, werden auch Magdeburger in anderen Stadtteilen hellhörig: Seit Jahren wird auch über eine Ortsumgehung zwischen Schönebecker Straße und dem Eisenbahngelände diskutiert.