Magdeburg l Seit dem Jahr 2013 gibt es zwischen dem Magdeburger Zoo und dem Barleber See bis auf sonnabends nur einen 20-Minuten-Takt bei den Straßenbahnen. Zu wenig, finden viele Bewohner Rothensees und Mitarbeiter von Unternehmen im Norden der Stadt. Diesen Wunsch hatte die Gartenpartei in einen Antrag zur Wiedereinführung des Zehn-Minuten-Takts gegossen, der jetzt im Bauausschuss intensiv diskutiert wurde.

Dieser mochte aber nach einer umfangreichen Diskussion nicht so weit gehen und empfiehlt dem Stadtrat Magdeburg für seine Sitzung am Donnerstag eine abgeänderte Variante zum Beschluss: Nach Freigabe der Strecke am Hauptbahnhof für die Straßenbahn in der Mitte 2020 solle geprüft werden, ob der Zehn-Minuten-Takt auf dem Nordteil der Linie 10 wieder eingeführt werden kann.

MVB fehlen Straßenbahnen

Vorangegangen war diesem Votum eine umfangreiche Diskussion mit Birgit Münster-Rendel. Die Geschäftsführerin der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) hatte erläutert, was das Unternehmen von einem Takt wie in den anderen Teilen der Stadt in Rothensee und im Gewerbegebiet Nord abhält. Sie sagte: „Tatsächlich sind nicht mehr die Folgen des Hochwassers unser Problem.“ Sowohl die Schäden an Gleisen als auch an der Stromversorgung sind inzwischen behoben. „Uns fehlen die Straßenbahnen“, sagte die MVB-Chefin.

Ein wichtiger Grund: Wegen der Tunnelbaustelle im Stadtzentrum müssen auf mehreren Linien deutlich längere Strecken gefahren werden, um die Stadtteile westlich der Eisenbahnstrecke durch Magdeburg mit dem Stadtzentrum zu verbinden. Betroffen sind vier Linien, und die Fahrzeuge der Verkehrsbetriebe müssen wegen der Baustelle derzeit rund 330.000 Kilometer mehr pro Jahr fahren, als dies normalerweise notwendig wäre. Dies ist nicht allein am 20-Minuten-Takt in den Norden der Landeshauptstadt zu spüren, sondern auch an der rigorosen Ausdünnung der Straßenbahnlinie 8. Diese ist mit gerade einmal noch drei Fahrten an jedem Schultag praktisch aus dem Straßenbild verschwunden.

Fahrzeuge umverteilen

„Wenn wir also kurzfristig mehr Fahrzeuge nach Rothensee fahren lassen möchten, dann müssen wir sie an anderen Stellen wegnehmen“, so Birgit Münster-Rendel. Unter anderem wäre es möglich, die Linie 3 zwischen Diesdorf und Olvenstedt zu streichen oder auf der Linie 2 zwischen Buckau-Wasserwerk und Westerhüsen einen 20-Minuten-Takt einzuführen. „Davon wären aber mehr Menschen betroffen als zwischen dem Zoo und dem Barleber See“, so Birgit Münster-Rendel.

Dass Problem fehlender Straßenbahnen ist seit langem bekannt. Und das Unternehmen arbeitet an der Beschaffung von zehn neuen Fahrzeugen. Nur handelt es sich zum einen bei Straßenbahnen nicht wie bei Autos um Massenware. Sie werden in Handarbeit auf Bestellung gebaut. Zum anderen gestaltet sich die Finanzierung der neuen Straßenbahnen schwierig.

MVB sollen mehr Busse mieten

Roland Zander von der Gartenpartei mochte sich mit dem Argument fehlender Straßenbahnen nicht zufriedengeben: „Dann müssen sich die Magdeburger Verkehrsbetriebe anders aufstellen.“ Beispielsweise mit Bussen, die im Wechsel mit Straßenbahnen verkehren. Zwar reicht ebenso wie bei den Straßenbahnen deren Zahl nicht aus. „Aber warum geht es denn dann nicht, ein Fremdunternehmen anzumieten wie für die Umleitung dieses Jahr auf dem Breiten Weg?“

Im Prinzip würde das auch funktionieren. Ob aber die Menschen einen Bus nutzen würden, bei dem sie auf der Fahrt in die Innenstadt in der Neustadt umsteigen müssten, ist offen. Und auch das Anmieten von Bussen sei kein preiswertes Vergnügen. Und noch ein Argument gegen Busse nennt Birgit Münster-Rendel: „Auf der Strecke haben wir einen gesonderten Gleiskörper. Dort können keine Busse fahre.“ Die Folge wäre, dass man immer wissen müsste, ob als nächstes ein Bus oder eine Straßenbahn kommt – um an der richtigen Haltestelle zu stehen.

15-Minuten-Takt wirbelt Plan durcheinander

Besser angebunden sind Rothensee und das Gewerbegebiet Nord übrigens sonnabends: Dann fahren die Bahnen alle 15 Minuten. Als Option für Wochentage sehen das die Magdeburger Verkehrsbetriebe aber nicht. Dies würde nämlich bedeuten, dass bei jeder zweiten Straßenbahn die vom Zehn-Minuten-Takt gewohnten Umsteigebeziehungen nicht mehr funktionieren würden, da die meisten anderen Straßenbahnlinien ja weiter im Zehn-Minuten-Takt führen. Da die Bahnen dann auch im Viertelstundentakt nach Sudenburg führen, hätte diese Veränderung zudem nicht allein Auswirkungen auf den Norden der Stadt.