Magdeburg l Würde man alle wichtigen Stromleitungen der Städtischen Werke Magdeburg (SWM) aneinander reihen, ergäbe dies eine Strecke von mehr als 2600 Kilometern. Einmal bis nach Reykjavik, der Hauptstadt Islands, entspricht die Distanz. Und die Strecke wird immer länger. „Wir bauen das Netz natürlich kontinuierlich aus. Neue Gewerbeflächen oder die zahlreichen neuen Eigenheim-Standorte werden mit modernen Leitungen versehen“, erklärt Johannes Kempmann.

Im Schnitt sind die Stromadern, die sich unterirdisch durch Magdeburg schlängeln, zwischen 30 und 40 Jahren alt. Punktuell in alten Wohngebieten kommen sie auch schon mal auf 60 Jahre. „Das ist an sich auch kein Problem“, meint Kempmann. Solange die Leitungen ihren Dienst versehen. Wollte man sie alle nur wegen ihres Alters austauschen, wäre das für die Kunden unbezahlbar.

Stromausfall durch Frost und Wasser

Doch Schwachstellen gibt es immer mal wieder – ein Grund, weshalb unangekündigt der Strom ausfallen kann. Wenn Leitungen versagen, dann meist an Verbindungsstücken. In der feuchten Jahreszeit wie jetzt oder nach dem Frost im Frühjahr, wenn Wasser eindringt, passiere das durchaus einmal öfter. Oder der „berühmte Bagger“ erwischt ein Kabel und sorgt für eine Havarie. Gerade vor dem Jahresende drücken die Tiefbauer noch mal aufs Tempo, um Baustellen vor dem Frost abzuschließen.

Etwa ein Drittel der Stromausfälle in Magdeburg werde durch Beschädigungen von außen verursacht. Etwa zwei Drittel gehen auf das Konto von Verschleiß oder geplanten Arbeiten bzw. Unterbrechungen. „Wir bemühen uns schon, die geplanten Abschaltungen so kurz wie möglich zu halten, gerade weil natürlich Anlieger darunter leiden“, betont Kempmann. Wenn etwa Wartungen an Trafostationen nötig seien, würden leistungsstarke Notstromaggregate als Zwischenlösung eingesetzt.

Vor dem Baggern Schachtschein holen

Der SWM-Geschäftsführer macht auf ein Problem aufmerksam: Es geht um Schachtungen. „Bevor man irgendwo auch privat auf dem Grundstück ein tieferes Loch buddelt, sollte man sich einen Schachtschein holen“, so betont er. Den gebe es kostenlos bei den SWM. Die Beantragung dauere nur wenige Tage. Der Schachtschein gebe dann aber Gewissheit darüber, wo Leitungen verlaufen. Das sei auch eine Frage der persönlichen Sicherheit und zur Vermeidung von Unfällen.

Unterbrechungen der Stromversorgung seien aber nicht gänzlich zu vermeiden, räumt Johannes Kempmann ein. Egal wie die Gründe im Einzelnen aussehen: Magdeburg stünde im bundesweiten Vergleich gar nicht schlecht da, sagt er, und bedient sich vorliegender Zahlen. Die Bundesnetzagentur erfasst regelmäßig Stromausfälle. Bundesweit lagen die Ausfälle im Jahr 2017 danach bei durchschnittlich 15,14 Minuten. In Magdeburg blieb es mit 6,35 Minuten hingegen vergleichsweise selten zappenduster. Aber dies sind Durchschnittswerte – einige Haushalte traf der Ausfall härter, andere gar nicht.

Netzleitstelle überwacht Stromnetz

In der Netzleitstelle an der Bahnhofstraße laufen alle Fäden zusammen. Peter Heilemann ist einer der Dispatcher und wacht an den großen Bildschirmen über das städtische Stromnetz. Wenn es zu Ausfällen kommt, versuche man, so schnell wie möglich für Abhilfe zu sorgen. „Länger als eine halbe Stunde sollte der Strom nicht weg sein“, nennt er das Ziel.

Könnte es zu den Weihnachtstagen mit all den beleuchteten Tannen und Gänsebraten im Ofen doch mal eng werden mit der Versorgung? Die Verantwortlichen sehen dem gelassen entgegen. „Es ist genug Strom für alle da“, sagt Peter Heilemann.

Intensivste Zeit am Abend

Rund 170.000 private und gewerbliche Kunden versorgen die SWM zurzeit in Magdeburg und dem Umland mit Strom. Der Verbrauch z. B. in den Privathaushalten ist im Dezember und Januar traditionell am höchsten, berichtet SWM-Geschäftsführer Kempmann. Die Winterspitze, also die stromintensivste Tageszeit, liegt hier zwischen 18 und 18.30 Uhr. Im Sommer ist es eher die Mittagszeit.

Während in Magdeburg im gewerblichen Bereich insgesamt ein leichter Rückgang des Verbrauchs zu verzeichnen sei, zeichne sich bei den privaten Verbrauchern mittelfristig eher eine Zunahme ab. Steigende E-Mobilität lässt ein Absatzplus erwarten, so der Technische Geschäftsführer. Aber das ist für Kempmann schon wieder ein ganz eigenes Thema.