Magdeburg l In einer kurzfristig einberufenen Bürgerversammlung haben die Magdeburger Stadtverwaltung, die Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg (Wobau) und die Magdeburger Wohnungsgenossenschaft (MWG) als Bauherren erläutert, wie es auf dem rund einen Hektar großen Gelände um die Schleusenstraße weitergehen soll. Die beiden Unternehmen hatten mit einer ersten Idee (Hufeisensiedlung) einen Impuls gegeben. Dieser ist erst einmal vom Tisch. Ein Ideenwettbewerb mit Fachleuten soll unvoreingenommene Ideen liefern.

Der Wettbewerb
Einige Büros von Architekten sind gesetzt, andere können sich bewerben. Bei den Bewerbern bestimmt das Los, wer am Wettbewerb teilnehmen kann. Derzeit bereitet das Büro, das den Wettbewerb betreut, die Ausschreibung vor. Nachdem die Teilnehmer diese gesichtet haben, gibt es ein Kolloquium, bei dem offene Fragen geklärt werden können. Im Anschluss haben die Büros zehn Wochen Zeit, ihre Vorschläge zu entwickeln. Diese werden in anonymisierter Form einer Jury übergeben, in der die Bauherren und weitere Fachleute sitzen. Es soll eine öffentliche Preisverleihung mit anschließender Ausstellung stattfinden.

Bis zum Baustart vergehen Jahre

Die besten Ideen sollen weiterentwickelt werden. Bei einer Bebauung gehen die Bauherren von einem Beitrag zur Kulturhauptstadtbewerbung aus, bei der auch die Entwicklung neuer Ideen und wie die Menschen einbezogen sind, gefragt ist. Auf jeden Fall dürften bis zum Baustart noch Jahre vergehen: Bereits zu Beginn der Planungen war davon die Rede, dass erst die Erweiterung des Strombrückenzugs fertiggestellt sein muss. Zudem sind die beiden Unternehmen u. a. mit dem Domviertel derzeit in andere große Bauprojekte eingebunden.

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Während der Bürgerversammlung erläuterte Heide Grosche, Vorsitzende des Magdeburger Stadtplanungsamts die Kriterien, die die Wettbewerbsteilnehmer beachten müssen. Hochwertige Architektur solle beispielsweise eine Beziehung zur Elbe aufnehmen. Es geht um moderne Architektur vor dem Hintergrund der Geschichte und auch um die Blickbeziehungen zu Dom und Kloster.

Lärmschutz ist wichtig

Ein wichtiges Thema ist auch der Lärm, der einige Tage im Jahr vom Max-Wille-Messeplatz ausgeht. Im ersten Vorschlag hatten die Bauherren hier ein Gebäude in Form eines Hufeisens vorgesehen, das die übrige Bebauung vor dem Schall schützt.

Und es geht um den Hochwasserschutz. Beim Hochwasser 2013 hatten Randbereiche des Geländes unter Wasser gestanden. Die Rede ist hier beispielsweise vom sogenannten Opfergeschoss, bei dem unterhalb der Häuser Parkdecks gebaut würden, die schnell geräumt werden und mit Wasser volllaufen können. Doch während der Präsentation des Vorhabens gab es auch Kritik daran: Mit einer solchen Park­etage ließe sich wohl kaum ein ansprechendes Äußeres gestalten.

Der Konflikt
Beim Thema Mieten machte MWG-Vorstand Thomas Fischbeck deutlich: „Wenn wir billige Wohnungen bauen sollen, könnten wir keine herausragenden architektonischen Lösungen entwickeln.“ Man müsse sich darüber im Klaren sein, dass beides nicht funktioniert. Und angesichts der Tatsache, dass das Gebiet seit Jahren für eine Neubebauung vorgesehen ist, meint Wobau-Geschäftsführer Peter Lackner: „Man muss sich im Klaren sein, dass die MWG und wir als in der Stadt verwurzelte Unternehmen ein großes Interesse an einer besonders guten Lösung haben – anders als dies vielleicht bei einem Investor, der an unserer Stelle hier baut.“

Die Magdeburger Moderne
Bruno Krayl erinnerte an die Vorschläge seines Patenonkels Bruno Taut zum Bau eines neuen Viertels auf dem Gelände. Hier sollten auch Teile der Verwaltung für ein auf 500.000 Einwohner prognostiziertes Magdeburg einziehen. Es müsse darum gehen, Bereich von öffentlichem Interesse zu schaffen.

Der Baufachmann schlägt u. a. eine Terrassenbebauung zur Elbe hin und ein siebengeschossiges Eckgebäude zum Messeplatz hin vor, das oben Platz für ein Aussichtscafé als Ersatz für das verlorengegangene Café im Albinmüller-Turm bietet. Die allgemeine Wohnbebauung sollte fünfgeschossig, der Block zum Messegelände sechsgeschossig sein, so der Vorschlag von Bruno Krayl mit Blick auf die Magdeburger Moderne der 1920er Jahre.

Die Umgebung
Während der Bürgerversammlung machten Besucher deutlich, dass sie nicht allein das neue Viertel an der Schleusenstraße im Blick haben, sondern auch die Umgebung. So wurde angemahnt, dass das Gelände und die angrenzenden Bereiche für jene Menschen attraktiv gestaltet werden müssen, die zu Fuß in den Stadtpark kommen. Eine Brücke als Verlängerung der Brücke vom Fürstenwall weiter über die Elbe wäre wünschenswert, so ein Anwohner.