Magdeburg l Wand für Wand versinkt in tiefem Schwarz. Manch Neugierige versuchen auf Zehenspitzen einen Blick durch die von Milchglasfolie getrübte Fensterfront zu erhaschen. Farbeimer, Pinsel, eine quadratische Bodenmatte - noch lässt der ehemalige Fitnessraum in der Coquistraße in Magdeburg nicht erahnen, wozu er schon in wenigen Wochen dienen wird. Allein, wer Carsten Ast in den Abendstunden beim Arbeiten erwischt, bekommt eine Ahnung davon. Dann, wenn man ihn die Farbrolle auf der Fußspitze balancieren sieht, beim Handstand an der Leiter beobachtet oder wie er Ringe quer durch den Raum jongliert.

Er ist Artist und Clown. Carsten Ast ist Künstler, tanzt, performt, rezitiert, improvisiert. In Magdeburg war er als Gaukler unterwegs; bekannt als der Phönix von Aschaffenburg. Und auch in dem Kunst- und Kulturprojekt „Australopithecus“ wirkte er mit. Da der gelernte Steinmetz eher zur Gattung „freier Vogel“ als „heimisches Herdentier“ gehört, führte ihn sein Weg 2008 nach Portugal.

Zirkusausbildung in Lissabon und Bordeaux

In Lissabon besuchte er die Zirkusschule, lebte danach bis 2015 im französischen Bordeaux, lernte und lehrte dort. Als Straßenkünstler reiste er durch die Lande, initiierte immer wieder auch in seiner Heimat künstlerische Begegnungen. Nun ist der 37-Jährige gänzlich nach Magdeburg zurückgekehrt. Gemeinsam mit Theater-, Zirkus- und Bewegungspädagogen eröffnet er jetzt eine Zirkusschule in Buckau. „CiTaThe“ - Circus, Tanz, Theater – bietet Kindern und Jugendlichen ab Ende Oktober 2020 eine Manege. Sie lernen Gleichgewichtskunst, Jonglage und Clownerie, sie üben das Improvisieren und Inszenieren. „Wir wollen vielseitig arbeiten und mit den Kindern Zirkus, Tanz und Theater zusammenführen“, erklärt er.

Zum Team der Zirkusschule „CiTaThe“ gehören auch Theater- und Zirkuspädagogin Agnes Maria Alteneder-Horrmann, die sich unter anderem bei den Klinikclowns engagiert sowie die Tanz- und Bewegungspädagogikstudentin Paula Stolz und der Medienbildungsstudent und Filmemacher Nicolas Neßler. Geplant ist die Eröffnung am 24. und 25. Oktober. An diesem Wochenende möchte sich das Quartett zunächst vorstellen. Wie die spätere Kurs- und Klassenaufteilung gestaltet wird, müssen die Vier noch erarbeiten. Die Coronaproblematik hat doch einige ihrer Pläne ein wenig durcheinandergewirbelt.

Das innere Kind wiederfinden

„Was wir jedoch jetzt schon anbieten können, sind Kindergeburtstage und Wiedergeburtstage, also für Erwachsene, die ihr inneres Kind wiederfinden möchten oder wiedergefunden haben, mit einem Mitmachzirkus bei uns zu feiern“, erzählt Carsten Ast. Zudem sei zu Halloween ein Abend mit Kürbissuppe und der Halloween-Geschichte von Jack o‘ Lantern geplant. Langfristig sollen auch Angebote für Erwachsene folgen.

Wann die Zirkusschule in Buckau, die praktischerweise gegenüber einer Kindertagesstätte liegt, die Manege tatsächlich freigeben kann, ist pandemiebedingt nicht klar. „Doch im Zweifel können wir zum Jonglieren und Balancieren auch nach draußen gehen“, sagt er.

Fortführung einer Zirkustradition

Mit der Eröffnung der Zirkusschule in Buckau, wo sich auch das Zirkusmuseum befindet, wird ein weiterer kleiner Meilenstein in einer langjährigen Zirkustradition gesetzt. Denn Magdeburg blickt auf eine nicht unbedeutende Zirkusgeschichte zurück. Bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg gab es östlich des heutigen Universitätsplatzes (damals Kaiser-Wilhelm-Platz) sogar einen festen Zirkusbau. Daran und an noch viel mehr Zirkusgeschichte erinnert das Museum, das unweit der Coquistraße in der Brauereistraße betrieben wird.

Ehrenamtlicher Leiter des Museums und Initiator ist der ehemalige Abtshof-Chef Gerhard Mette. Er freue sich natürlich außerordentlich über die Eröffnung der Zirkusschule in Buckau und hat mit Carsten Ast bereits über künftige Kooperationen gesprochen. „Wir können den Zirkusschülern natürlich viel über die Geschichte des Zirkuswesens und dessen Bedeutung erzählen“, sagt er. Es sei toll, dass eine alte Tradition fortgeführt werde.