Magdeburg l Was ist denn da nur los? Noch immer ist die Führungsposition im Schimpansenhaus offen. Zwar gibt es für den Posten zwei Wunschkandidaten: Kofi und Bangolo. Die zwei Halbbrüder wurden Anfang 2018 mit einem klaren Aufgabenprofil aus dem Zoo Leipzig nach Magdeburg umgesiedelt. Einer – möglichst der kräftige Kofi mit seinem imposanten Auftreten – soll Chef werden und die frechen Weibchen in Zaum halten. Beide sollen für Nachwuchs sorgen. Doch passiert ist noch nichts.

Im Gegenteil: Fast scheint es, die anderen Schimpansen deckeln die Halbbrüder und halten sie klein. Besonders die vier Weibchen ziehen da die Strippen. Sie wollen wohl keinen neuen Chef. Und Kofi und Bangolo? Die nehmen es ungewöhnlich gelassen.

Kofi und Bangolo - die ungleichen Brüder

Konstantin Ruske, Kurator für Forschung, Artenschutz und Entwicklung im Zoo Magdeburg, verfolgt das Geschehen im Affenhaus genau. Er berichtet: „Bosse sind die zwei noch nicht geworden. Dagegen zeigt sich, dass die vier Weibchen Sambala, Nana, Mumin und Minga sehr dominant sind.“ Das hätten auch die Studien bewiesen, die kürzlich zwei Verhaltensforscherinnen vom Max-Planck-Institut Leipzig im Zoo Magdeburg durchgeführt haben. „Im Zusammenspiel unterdrücken die Weibchen die Brüder, so dass diese keine neuen Anführer werden können“, so Ruske.

Teamarbeit steht bei den beiden auch nicht sonderlich hoch im Kurs. Gemeinsam hätten sie eine Chance gegen die Weibchen. Doch Pustekuchen. „Die zwei Halbbrüder mögen sich zwar, sind aber kein eingespieltes Duo. Weder übernehmen sie zusammen die Gruppe, noch gehen sie zu zweit auf ein anderes Tier los, noch beschützen sie sich gegenseitig“, erzählt Ruske.

Das mag aber auch an den unterschiedlichen Charakteren und dem Alter liegen. Bangolo – vor wenigen Wochen zehn geworden – ist zwar sehr kommunikativ und geht auf die anderen Schimpansen zu, allerdings wirkt er auch noch sehr jugendlich. Kofi dagegen könnte mit seinen 14 Jahren auf jeden Fall Anführer sein. Er ist sehr intelligent, aber auch sehr ruhig. „Für einen Schimpansen sogar etwas zu gelassen. Er lässt sich sehr viel gefallen und sucht keinen Streit“, so Ruske. Und so kommt es, dass die Weibchen die heimlichen Anführer im Haus sind.

Weibchen halten Männchen im Zaum

Dies beweisen auch einige Szenen. Ein Beispiel: Gibt es Futter oder ein Leckerli als Belohnung für eine gelungene Aufgabe, freuen sich Bangolo und Kofi nach Affenmanier. Dann kann es sehr laut werden. Das finden die anderen Schimpansen ganz furchtbar. Dieses theatralische Gehabe muss ja nun wirklich nicht sein.

Also spielen sie die zwei Brüder sofort runter, versuchen sie zu bremsen, ganz nach dem Motto: Ihr braucht euch nicht gleich aufzuregen. Ihr seid zwar akzeptiert, aber habt noch lange nichts zu sagen.

Und warum klappt’s nicht mit Nachwuchs? Schließlich hatte man im Zoo schon Hoffnung, Sambala könnte tragend sein. Sie und Bangolo hatten sich schon mehrfach gepaart. Und auch die anderen waren aktiv. Zudem haben alle Weibchen – bis auf Nana, die weiter verhütet – seit dem Absetzen der „Affenpille“ ihren Zyklus. Gefruchtet hat es trotzdem noch nicht, verrät Ruske. Warum, ist unklar. Vielleicht brauchen die Schimpansen einfach nur noch etwas Zeit.