Magdeburg l Schon steif und fast erfroren lag das Känguru-Baby am 14. Dezember 2019 morgens in seinem Gehege im Zoo Magdeburg. Es war nachts aus Mamas Beutel gefallen, wog damals erst knapp 900 Gramm und atmete kaum noch. Die Pfleger hatten die Hoffnung schon fast verloren. Doch Ötzi - wie sie den Kleinen tauften - bewies einen starken Willen. Und jetzt - fast acht Wochen später und im Alter von geschätzt sieben Monaten - springt das Jungtier fidel und neugierig umher. Ötzi hat es geschafft. Ötzi hat sich ins Leben zurückgekämpft. Und Ötzi ist gesund.

Sieben Portionen Milch am Tag

Gute zwei Kilo bringt das Flinke Känguru mit dem noch weichen, graubraunen Fellflaum am 5. Februar 2020 auf die Waage. Mit viel Zuneigung, Wärme und jeden Tag sieben Portionen Milch in kleinen Flaschen zieht Zoo-Tierpflegerin Ellen Driechciarz (56) den Beutel-Nachwuchs auf - am Tage im Gehege, nachts zu Hause im warmen Kinderzimmer.

Und die Aufzucht hat es in sich. Punkt 4.30 Uhr gibt es das erste Fläschchen. Darin enthalten 25 bis 40 Milliliter Milch, eigens für kleine Kängurus. Letztmals am Tag wird Ötzi gegen 22.30 Uhr gefüttert. Für Ellen Driechciarz ist es die erste Flaschenaufzucht eines Kängurus. Noch zu DDR-Zeiten pflegte sie mal Weißhandgibbons, zuletzt päppelte sie zwei Feldhasen auf.

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Ötzi kann nicht zur Mutter zurück

Zu seiner Mutter wird Ötzi nicht mehr in den Beutel zurückkehren. Dort wächst schon ein Geschwisterkind heran. Eigentlich kein Problem. Normalerweise können zwei unterschiedlich alte Kängurus in einem Beutel großgezogen werden. Doch die Mama - ohne Namen, aber zu erkennen an einem Knickohr - gibt für Ötzi keine Milch mehr.

Warum der Kleine einst in der Nacht aus dem Beutel fiel, ist vollkommen unklar. Vielleicht gab es eine aufregende Szene, ein Durcheinander im Gehege, bei dem der Nachwuchs verloren ging. Vermutlich war dabei ein erwachsenes Tier sogar auf das Jungtier getreten. Am Schwanz hatte es eine kleine Quetschung. Vielleicht hatte die Mutter aber auch Probleme, weil bereits das zweite Kind im Anmarsch war.

Ötzi ist eine Inzucht

Auf der Anlage der Flinken Kängurus im Zoo Magdeburg leben derzeit fünf erwachsene Tiere - in drei Generationen. Das Männchen Monti kam im Juni 2018 mit den Weibchen Sidney und Olivia aus Malaysia nach Magdeburg. In der Elbestadt wurden dann recht schnell zwei Weibchen geboren, eines davon ist die Mutter von Ötzi. Sie hat keinen Namen. Ötzis Vater ist somit zugleich sein Opa. Ein klarer Fall von Inzucht. Doch das sei laut Zoo kein Problem. Ötzi ist das erste Kind seiner Mutter.