Magdeburg l Am 20. Juni 2018 um 15 Uhr öffnet die Gaststätte im Rayonhaus in der Steinigstraße in Magdeburg nach vierwöchiger Zwangsschließung wieder ihre Pforten. Darüber informierte einen Tag vorher Mitinhaber Daniel Krüger auf Volksstimme-Nachfrage. Die vorübergehende Schließung hatte das Magdeburger Ordnungsamt am Pfingstsonnabend bei einer unangekündigten Kontrolle gegen 21 Uhr binnen einer Stunde verfügt.

Grund: Die Gaststättenbetreiber hatten es versäumt, den Betrieb wie vorgeschrieben vier Wochen vor Eröffnung gegenüber der Stadtverwaltung Magdeburg anzuzeigen. „Ja, ich habe einen Fehler gemacht“, räumte Krüger unmittelbar nach der Schließung ein, zeigte aber wenig Verständnis für das resolute Vorgehen des Amtes wegen eines fehlenden Papiers.

Streit bleibt Politikum

Der Streit darum, ob die Reaktion der Magdeburger Ordnungsbehörde angemessen oder überzogen war, bleibt ein Politikum. Eine Ratsmehrheit stimmte zur jüngsten Sitzung dem Antrag der Grünen auf Akteneinsicht zum Vorgang zu.

„Es gab erheblichen Unmut nach der Schließung. Es geht um die Frage nach dem Umgang der Stadt mit Gastronomen, mit der Kultur in Magdeburg, zu der ja auch die Kneipenkultur gehört“, begründete Grünenfraktionschef Olaf Meister das Ansinnen seiner Fraktion auf Klärung der Vorgänge, die zur spontanen Schließungsverfügung führten. Er wolle eine „moderne, bürgernahe Verwaltung, die Wirtschafts- und Kulturförderung im Blick hat“, so Meister. Die vierwöchige Schließung („Das Amt strahlt eine gewisse Ruhe aus.“) erwecke bei ihm den Eindruck, dass hier „das Nötigste aus dem Blick geraten“ sei.

Trümper stimmt für Akteneinsicht

Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) stimmte wie die Ratsmehrheit (bei vielen Enthaltungen aufseiten der CDU) der Offenlegung der Akten zu, fuhr Meister – von Hause aus Rechtsanwalt – aber dennoch gehörig in die Parade. „Sie fordern Akteneinsicht, aber Ihr Urteil steht schon fest. Für einen Juristen passt das nicht ganz zusammen.“ Er, so Trümper, kenne die Akten jedenfalls auch noch nicht und werde sich eine Meinung zum Vorgang erst nach deren Studium bilden.

Im Rayonhaus wird währenddessen ab Mittwoch wieder ausgeschenkt – allerdings gebremst. Die befristete Genehmigung zum Terrassenbetrieb bis 22 Uhr ist nach Angaben der Betreiber aufgehoben, so dass die Außengastronomie vorerst nur bis 20 Uhr öffnen darf. Es sollen Beschwerden von Anwohnern vorliegen, die sich vom Außenbetrieb bis 22 Uhr gestört fühlten. Eine Entscheidung von Amts wegen steht noch aus.

WM-Übertragung abgeblasen

Wegen der verkürzten Terrassenbetriebszeit hat das Rayonhaus die tägliche Öffnungszeit vorerst auf 15 bis 21 Uhr begrenzt und die geplante Übertragung der Fußball-WM-Spiele gänzlich abgeblasen. „Nur für das 17-Uhr-Spiel lohnt sich die Beschaffung der nötigen Technik einfach nicht“, bedauert Krüger und hofft auf die baldige Genehmigung für einen Terrassenbetrieb wieder bis 22 Uhr.