Oebisfelde l Die Ladenbesitzer dürfen ab dem heutigen Montag wieder öffnen – doch eben nicht alle. Es geht bereits vier Wochen nach Erlass der Corona-Regeln, wie es im Volksmund so beschrieben wird, für kleinere Betriebe an das Eingemachte, sprich: um die Existenz. Besonders davon betroffen sind Betriebe des Friseur-Handwerks. Die müssen noch bis mindestens zum 4. Mai geschlossen bleiben.

Wie von Friseurmeisterin Marianne Jonas zu erfahren war, können die staatlichen Hilfen nur sehr bedingt die Verluste auffangen, denn die Einnahmen von der Stamm- und Laufkundschaft sind wirtschaftliche Verluste, die sich nicht refinanzieren lassen.

Auch die Gastronomie wartet sehnsüchtig auf die Nachricht, wieder öffnen zu dürfen. Im Burg-Café besteht der besagte Strohhalm für das wirtschaftliche Überleben darin, dass ein Verkauf von Speiseeis jeweils von Freitag bis Sonntag ab 14 Uhr „durchs Eisfenster“ angeboten wird.

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Aber auch bei den Oebisfelder Einzelhändlern, die dank der Lockerung aufatmen, weil sie ab heute ihre Geschäfte wieder öffnen dürfen, erfolgt das Durchstarten mit aller Vorsicht: Uhrmachermeister Dietmar Grabow beispielsweise erwartet derzeit noch ein verhaltenes Kundeninteresse. Doch mehr erhofft er sich derzeit auch nicht, „alles muss sich erst wieder einspielen“. Und die Schutzmaßnahmen gegen die Corona-Ausbreitung bleiben weiterhin in steter Begleitung.

Positives Denken gefordert

Ebenso bereitete sich Geschäftsfrau Khanh Thi Dao vom gegenüberliegenden Bekleidungsgeschäft in der Langen Straße am Sonnabend auf die nun wieder regelmäßige Öffnung ihres Geschäfts vor. Vier Wochen geschlossen, das ging an die finanzielle Substanz, erforderte reichlich positives Denken.

Solche Hoffnungen hegten auch andere Einzelhändler, wie beispielsweise Nähstuben, Foto-Geschäfte oder Anbieter von Bekleidung, Schuhen und Spielzeug. Heilfroh ist auch Simone Lenz vom Möbelhaus Remus in der Bahnhofstraße, dass der Verkauf direkt mit Kundenkontakt wieder möglich ist. Das in Corona-Zeiten entstandene Online-Kundenportal wird allerdings beibehalten. Und wer jetzt das Möbelhaus besucht, der erhält zuerst Mundschutz, Schutzhandschuhe nach vorheriger Händedesinfektion.

Insolvenz-Welle könnte folgen

Große Freude über den heutigen Verkaufsneustart auch bei Bernd Zilligen. Das Fachgeschäft für Bürobedarf- und -kommunikation kam auch nicht um eine Kurzarbeit-Lösung herum. Seitdem arbeiteten die 15 Mitarbeiter im Wechselbetrieb. Obwohl der Service von technischen Einrichtungen betrieben werden konnte, kam auch dort die Auftragslage fast zum Erliegen, weil zig Kunden aufgrund von Auflagen gegen die Covid-19-Ausbreitung keine Zutrittserlaubnis erteilen konnten. Zudem hatte sich binnen kurzer Zeit das Ausbleiben der Laufkundschaft wirtschaftlich deutlich bemerkbar gemacht, so der Geschäftsmann. Doch er erwartet weiterhin eine verhaltene Kaufbereitschaft für höherwertige Segmente, weshalb der Einzelkunde weiter eine wichtige Kundschaft bleibt. Grundsätzlich müsse das öffentliche Leben wieder anziehen, sonst könnte schon bald nach der Corona-Krise eine Insolvenzwelle folgen, hofft Zilligen „auf das Wirken der Maßnahmen und die weiterhin schon bewundernswerte Disziplin so gut wie aller Bürger“.