Stimmreicher Neustart

Gemeinsames Singen für Senioren ein Genuss

Endlich wieder gemeinsam singen. Der Seniorenchor Oebisfelde ließ nach Monaten erstmals wieder die Stimmen klingen. Doch Veränderungen im Chor stehen wohl bevor.

Von Jens Pickert 08.07.2021, 20:11 • Aktualisiert: 08.07.2021, 20:43
Der Seniorenchor Oebisfelde traf sich nach langer Pause aufgrund der Pandemie erstmals wieder zum gemeinsamen Singen.
Der Seniorenchor Oebisfelde traf sich nach langer Pause aufgrund der Pandemie erstmals wieder zum gemeinsamen Singen. Foto: Jens Pickert

Oebisfelde - Inge Thurisch, Leiterin und Dirigentin des Seniorenchores Oebisfelde, musste am Mittwoch auf dem gemütlichen Hof des Hotels Am Markt einige Zeit überlegen, um die Frage nach dem letzten öffentlichen Auftritt ihres Chores beantworten zu können. „Es muss in der 2019er Weihnachtszeit gewesen sein. Danach war für uns dann Schluss“, sagte die erfahrene Musikerin.

Schluss war nicht nur, weil dann die Corona-Pandemie zuschlug, sondern auch, weil die Dirigentin eine langwierige Krankheitsphase zu überstehen hatte. Diese hat sie zum Glück überwunden. Die Pandemie ist jedoch noch nicht überwunden, aber im Abklingen, so dass gelockert wird und sich auch die Seniorensänger wieder treffen können.

Allerdings haben sich die Reihen nach dem langen Aussetzen gelichtet. „Zu unseren besten Zeiten waren wir knapp 35 Sängerinnen und Sänger. Jetzt sind wir zirka noch die Hälfte“, sagte Inge Thurisch.

Wohl zukünftig keine öffentlichen Auftritte mehr

Sie ergänzt: „Ich möchte uns daher auch nicht mehr als Chor, sondern als Singegruppe für Senioren bezeichnen. Daher werden wir wahrscheinlich nach derzeitigem Stand auch nicht mehr öffentlich auftreten. Aber wir würden uns freuen, wenn sich uns weitere sangesfreudige Senioren, egal ob Frauen oder Männer, anschließen würden. Wir treffen uns jeden Mittwoch um 15 Uhr im Hotel Am Markt und singen in fröhlicher Runde bei Kaffee, Kuchen oder Eis vor allem Volkslieder.“

Das Repertoire von Inge Thurisch ist dabei groß. Ihr obligatorisches Akkordeon und sie können zirka 180 Lieder anstimmen. Dazu gehören bekannte Gassenhauer wie „Es gibt kein Bier auf Hawaii“ von Paul Kuhn, aber auch das „Oebisfelder Lied“ oder „Rote Rosen“. Drei Lieder, die am Mittwoch zu hören waren.

Am Mittwoch wurde aber auch ein wenig in Erinnerungen geschwelgt. Vor allem an die „glorreiche Zeit“, wie es die Chefin der Sängertruppe formulierte. 1977 wurde der Chor von Inge Thurisch formiert. Damals und lange Zeit danach unter dem Dach der Volkssolidarität. Es folgten bis in die jüngere Vergangenheit zahlreiche Auftritte. Nicht nur in Oebisfelde und Umgebung, sondern auch überregional – in Halle, Magdeburg, Stendal, Tangermünde oder Wolfsburg und in Breslau. Dazu Inge Thurisch: „Wir sind gemeinsam mit Oebisfelder Vertriebenen in die schlesische Metropole gereist und haben dort in der Jahrhunderthalle gesungen. Das war schon ein Höhepunkt in der Geschichte unseres Chores. Oder bei einem Auftritt im benachbarten Groß Twülpstedt. Dort sangen wir in einem Festzelt das Niedersachsen-Lied. Plötzlich stand das ganze Zelt auf und sang mit.“

40 Jahr-Feier bisheriger Höhepunkt des Chores

Diese Höhepunkte wurden 2017 mit der 40-Jahr-Feier in der Nicolaikirche einschließlich Konzert mit eingeladenen Chören aber noch übertroffen.

„Es waren erlebnisreiche und intensive Jahre, auf die unsere Gemeinschaft zurückblicken kann. Diese Erinnerungen kann uns niemand nehmen. Doch mittlerweile müssen viele von uns dem Alter Tribut zollen. Doch so lange es geht, singen wir weiter“, so Chor-Motor Inge Thurisch.

Auch Helmut Lubeck war dabei. Mit 95 Jahren der älteste Sänger.
Auch Helmut Lubeck war dabei. Mit 95 Jahren der älteste Sänger.
Foto: Jens Pickert
Nach langer Pause konnte Inge Thurisch mit ihrem Akkordeon und Lebenspartner Adolf Brandes wieder zahlreiche Lieder anstimmen.
Nach langer Pause konnte Inge Thurisch mit ihrem Akkordeon und Lebenspartner Adolf Brandes wieder zahlreiche Lieder anstimmen.
Foto: Jens Pickert