Oebisfelde l  Ein kultureller wie lokal wertvoller Schatz voller Erinnerungswerte. Am Tag des offenen Denkmals interessierten sich knapp 400 Besucher für diese Kulturstätte. Im Jahre 1997, eben am Tag des offenen Denkmals, eröffneten die Oebisfelder Heimatfreunde diese museale Stätte, die damals lediglich als Heimatstube bezeichnet wurde. Mit der Gründung des Heimatvereins Oebisfelde im Jahr 1992 hatte sich eine Arbeitsgruppe gebildet, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, eine solche Kulturstätte einzurichten, erinnert sich Vereinsvorsitzende Ulrich Pettke. Ein Museum gab es in der Allerstadt bereits. Das „Drömlingsmuseum“ war in den oberen Räumen des Hauptgebäudes der Burg untergebracht. Es war zugleich das Kreismuseum des 1952 gebildeten Kreises Klötze.

Das Kuriosum war, dass es zum einen das einzige Museum kreisweit war, zum anderen aber von Besuchern außerhalb des damaligen Grenz-Sperrgebietes nicht besucht werden konnte. 20 Jahre hatte das Museum Bestand, dann wurde es Anfang der 1970er Jahre aus Kostengründen aufgelöst, weiß Pettke. „Die meisten der einstigen Ausstellungsstücke verschwanden damals auf Nimmerwiedersehen. Ein kleiner Teil aus der damaligen Landwirtschaftsausstellung ist aber noch heute im jetzigen Burg- und Heimatmuseum zu sehen“, freut sich der Vereinsvorsitzende über die Schadensbegrenzung.

Spende als Grundstock

Bevor jedoch an eine Heimatstube zu denken war, organisierten die Heimatfreunde von 1993 bis 1997 zeitlich und thematisch begrenzte Ausstellungen im Rittersaal der Burg. Grundlage für die jetzige Einrichtung war eine großzügige Spende. Die ehemalige Oebisfelderin Brigitte Niemann, so Pettke, überließ der Stadt zweckgebunden 20 000 D-Mark für den Aufbau eines neuen Museums. Dank dieses finanziellen Grundstocks war es möglich, entsprechende Fördermittel beim Land Sachsen-Anhalt zu beantragen. Neben einem Großteil der Spende flossen zudem Mittel der Stadt, des Heimatvereins und einiger Sponsoren mit hinein. Dann, am 12. September 1997, wurde die Heimatstube feierlich eröffnet. Noch am Ende des Jahres stellten die Heimatfreunde den Antrag auf Nutzung zweier weiterer Räume im Erdgeschoss. Und im Jahr 2000 folgte der Antrag auf die Nutzung der darüberliegenden Etage – der Fundus wuchs und wuchs.

Nach weiteren zwei Jahren des Ausbaus, bei dem sich die Heimatfreunde selbst sehr engagierten, wurde wiederum zum Tag des offenen Denkmals am 8. September 2002 die erste Etage mit fünf neuen Ausstellungsräumen und entsprechend vielen neuen Ausstellungen eröffnet.

Aus Heimatstube wird Museum

„Doch damit war das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Immer wieder neue, interessante Stücke wurden dem Heimatverein zur Verfügung gestellt, sodass sich die Lager innerhalb kürzester Zeit weiter füllten. Für die Vereinsaktiven stand fest, dass sie nun auch die beiden oberen Etagen für ihre Ausstellungen nutzen wollten“, erinnert sich Ulrich Pettke. Im Jahr 2005 war es dann soweit. Aus der Heimatstube, die angesichts ihrer inzwischen erlangten Größe mit bis dahin zehn Ausstellungsräumen eigentlich keine mehr war, wurde das Burg- und Heimatmuseum. Im Beisein des damaligen Landrates und heutigen Landesministers Thomas Webel wurde am 1. Mai 2005 das Burg- und Heimatmuseum eröffnet.

Auch in den nunmehr zwölf Folgejahren seit dem vollständigen Ausbau des ehemaligen Gesindehauses gibt es im Museum jedes Jahr wieder Neues zu entdecken. Den umtriebigen Vereinsmitgliedern ist es bisher immer gelungen, jährlich zwischen zwei und vier neue Ausstellungsthemen zusammenzustellen.

Für Besuchergruppen ab zehn Personen stehen die Oebisfelder Heimatfreunde ganzjährig für Führungen zur Verfügung. Ansonsten sind die Räume jährlich saisonal vom 1. Mai bis 3. Oktober an jedem Sonntag und an den Feiertagen für Besucher geöffnet.