Ampfurth l Wenn es um Erfolge innerhalb der Dorfgemeinschaft in dem kleinen Oschersleber Ortsteil Ampfurth geht, spricht Achim Röttger nicht gerne von sich selbst. „Das klappt doch alles nur, wenn alle an einem Strang ziehen“, betont er in einem Volksstimme-Gespräch. Und doch laufen bei ihm als Ortsbürgermeister und Vorsitzenden des Fördervereins „Schloss Ampfurth“ alle Fäden zusammen.

Die Burg im Ort ist seit jeher das Wahrzeichen und das kulturelle Zentrum des Dorfes. Klar, dass das Thema vielen Ampfurthern am Herzen liegt. Da hat sich eine Sanierung des Burgturms angeboten, im 19. Jahrhundert Bestandteil der „Königlich-Preußischen Telegraphenlinie Berlin-Koblenz“. Über insgesamt 62 Stationen wurden in den Jahren von 1832 bis 1849 militärische Nachrichten durch verschlüsselte Flügelstellungen am Mast von Station zu Station weitergeleitet.

„So wurde im Jahr 2011 die Ideen geboren, den Turm wieder herzurichten und damit unseren Ort touristisch zu entwickeln“, erinnert sich Achim Röttger. Bei der Gründung des Fördervereins waren 30 Bürger dabei und sogleich begeistert von der Idee. Das habe sich vor allem gezeigt, als wenig später die ersten Arbeiten an dem Gebäude begannen. So wurde mit der Entkernung im Innen- wie im Außenbereich die Voraussetzung für die Sanierung geschaffen. „Sie glauben gar nicht, wieviel Gerümpel und Taubendreck weggeschafft werden musste“, erinnert sich Achim Röttger.

Parallel dazu seien die Unterlagen für einen Fördermittelantrag vorbereitet worden, der bereits im Januar des darauffolgenden Jahres über das europäische Förderprogramm „Leader“ eingereicht werden konnte. Tatsächlich wurden 83 500 Euro bewilligt, weitere 50 000 Euro konnten über Spenden aufgetrieben und anschließend mit den umfangreichen Arbeiten am Turm begonnen werden. „Wir hatten den Vorteil, dass die Eigentümer des Schlosses, die Familie Wahnschaffe, sich von Anfang an selbst stark engagiert haben“, betont Röttger. So konnten beispielsweise die Außenfassade, die Fenster, die Stufen des inneren Treppenaufgangs und die Telegrafenstube saniert sowie das Umfeld weiter entrümpelt werden. „Für die fachgerechten Arbeiten konnten wir Firmen aus der Region gewinnen. Aber auch die Vereinsmitglieder, heute sind wir übrigens 50, haben tatkräftig angepackt. 490 Arbeitsstunden sind zusammengekommen“, berichtet der Vereinschef.

„Unbedingt muss an dieser Stelle auch die ehemalige Interessengemeinschaft ‚Optische Telegraphie in Preußen‘ erwähnt werden. Heute ist das auch ein Verein, dessen Mitglieder bemüht sind, die alte Telegrafenlinie wieder herzurichten“, sagt Achim Röttger. Und mit deren Hilfe, vor allem des Initiators Torsten Wambach, wurde im September 2013 die Fertigstellung des Turms sowie der 180. Geburtstag der „Königlich-Preußischen Telegraphenlinie“ in Ampfurth gefeiert. „Das war ein gelungenes Einweihungsfest“, erinnert sich der Bürgermeister.

Und die Ampfurther sind noch immer begeistert dabei, wenn es um ihren Dorfmittelpunkt geht. So haben die Vereinsmitglieder mittlerweile den ehemaligen Stierstall auf dem Burggelände saniert. Diesen hat ihnen der „Burgherr“ kostenlos als Versammlungsraum zur Verfügung gestellt. Außerdem wird durch den Förderverein jährlich ein Burgfest organisiert. Und von April bis September öffnen jeden letzten Sonntag eines Monats die Mitglieder den Telegrafenturm, in dessen Stube Zeugnisse aus der Vergangenheit sowie Materialien über die Funktionsweise der optischen Telegrafie informieren.

Der Bürgermeister hofft, dass mit der künftigen Fertigstellung des Telegrafen-Radweges von Berlin nach Koblenz mehr Touristen den Reiz der Börde entdecken. Doch vorher sollen noch zwei wichtige Wünsche in Erfüllung gehen. So möchten die Vereinsmitglieder, dass es künftig neue Besuchertoiletten gibt. Ob es dafür wieder Mittel aus einem Förderprogramm geben kann, muss noch abgeklärt werden. „Und für das Vereins- und Dorfleben wünsche ich mir, dass sich die hinzugezogenen Ampfurther mehr engagieren“, meint Achim Röttger.