Oschersleben l Heinz-Michael Müller aus Harbke ist ungehalten. Vor sechs Wochen hat er sich ein neues Auto gekauft. Bisher konnte er es nicht einmal mit nach Hause nehmen. Dafür müsste er zunächst zur Zulassungsstelle. Die aber ist geschlossen - und zwar seit Ende März.

Entscheidung im Einzelfall

Zwar werden auch in Zeiten von Corona Fahrzeuge zugelassen. Das passiert allerdings im Rahmen einer Einzelfallentscheidung. Auf der Internetseite des Landkreises heißt es: „Antragsteller, die einen unaufschiebbaren Grund nachweisen (zum Beispiel für Lebensmitteltransporte, für den Rettungsdienst, die Krankenversorgung oder für Pflegedienste), können (...) einen Einzeltermin erhalten.“ Privatpersonen wie Heinz-Michael Müller hilft das nicht.

Was ihn befremdet: Wenn Läden öffnen können, warum sollte das bei der Zulassungsstelle nicht auch möglich sein? „Beim Friseur sind die Leute jedenfalls dichter zusammen“, merkt Heinz-Michael Müller an. Nach seinem Dafürhalten müssten sich mit Atem-Mund-Masken und Plexiglas-Scheiben ausreichende Sicherheitsvorkehrungen treffen lassen.

Dienst wird genutzt

Autohäuser scheinen durch das Problem weniger betroffen zu sein. „Wir gehen über eine Zulassungsdienst. Das funktioniert sehr gut“, erklärt Nico Haase vom Autohaus Klaus Koß. Aber für den Privatmann sei das wahrscheinlich schwierig. Wie Nico Haase berichtet, sei die Situationen in anderen Landkreisen ähnlich. Bezogen auf den Standort Oschersleben erklärt er: „Seit wir wieder offen haben, sind die Geschäfte normal angelaufen. Wir haben für jeden Kunden eine Möglichkeit gefunden, dass neue Auto zuzulassen und das alte Fahrzeug abzumelden.“

Ähnlich äußert sich Matthias Levec. Er arbeitet für das Autohaus Böttche und leitet die Filialen in Oschersleben und Völpke. „Bei uns geht das ebenfalls über einen Zulassungsdienst“, berichtet Levec. Dieser Dienst arbeite mit mehreren Autohäusern zusammen. Dadurch gebe es die Möglichkeit, ein gewisses Kontingent von Fahrzeugen zuzulassen. Kurze Wartezeiten seien möglich. Das Geschäft laufe derzeit noch etwas verhalten. „Wir hoffen, dass es bald wieder richtig losgeht“, führt Matthias Levec aus.

Gute Nachricht aus dem Landkreis

Für gute Nachrichten sorgt schließlich die Stellungnahme des Landkreises. Wie Pressesprecher Uwe Baumgart bekannt gibt, wird die aktuelle Lage nur noch bis zum kommenden Dienstag, 12. Mai, andauern. Dann würden die Zulassungsstellen in Oschersleben und Haldensleben wieder öffnen - und zwar zu folgenden Zeiten: montags von 8 bis 12 Uhr (nur in Haldensleben), dienstags von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 18 Uhr (in Oschersleben und Haldensleben), mittwochs von 8 bis 12 Uhr (nur Oschersleben), donnerstags 8 bis 12 Uhr sowie 13 bis 16 Uhr (Oschersleben und Haldensleben) und freitags von 9 bis 11.30 (Oschersleben und Haldensleben).

Der Zutritt ist allerdings nur mit einem Termin möglich. Das Online-Portal für Terminreservierungen soll heute gegen Mittag wieder zur Verfügung stehen. Es findet sich unter www.landkreis-boerde.de im Bereich „Straßenverkehrsamt“. Pro Termin erhält nur eine Person Zutritt. „Im Eingangsbereich besteht die Möglichkeit der Händedesinfektion, die genutzt werden sollte“, erklärt Uwe Baumgart. „Am Empfang werden die Besucherdaten zum Zwecke einer möglichen Kontaktverfolgung aufgenommen. Zudem erfolgt die Abfrage zu Kontakten zu Reiserückkehrern und zu erkrankten Personen.“

Maßnahmen einhalten

Bei möglichen Covid-19- oder Erkältungssymptomen des Antragstellers werde eine Bearbeitung ausgeschlossen. Ferner sollen Besucher eine Mund-Nase-Maske tragen und Abstand zu einander halten. „Wichtig zu wissen: Terminangelegenheiten, wie während der letzten Wochen per Telefon oder Mail, werden nicht mehr bearbeitet. Zur Eindämmung des Besucherverkehrs bleiben zudem die (physischen) Terminreservierungsterminals in Haldensleben und Oschersleben bis auf weiteres geschlossen“, so Uwe Baumgart. Autohäuser und Zulassungsdienste würden nach Abstimmung gesonderte Termine erhalten.