Sommersdorf l Zwar ist der Männerchor insgesamt gesehen weit davon entfernt, Molltöne anstimmen zu müssen, da die personelle Besetzung an sich wenig Anlass zur Sorge gibt. Doch die Leitungsfrage bereitet den Sangesbrüdern schon etwas Kopfzerbrechen. Ein Nachfolger für Hartmut Sievert konnte bislang nicht gefunden werden, seit knapp einem Jahr obliegen Chormitglied Eckehart Beichler die musikalischen „Glückauf“-Geschicke. „Aber ich bin keine Dauerlösung“, betont der 77-Jährige, „es liegt uns sehr daran, jemanden zu finden, der diesen traditionsreichen Chor weiterführt.“

Der Sommersdorfer Männergesangverein geht auf seinen 173. Frühling zu. „Auch wenn uns Aufzeichnungen aus den ersten Dekaden fehlen, überliefert ist für den Chor das Gründungsjahr 1845“, weiß Vorstandsmitglied Ulrich Gastmann. „Glückauf“ gilt somit als älteste Sangesgemeinschaft im Bördeland. „Es gab in der Vereinsgeschichte allerdings auch mindestens zwei längere Pausen, in denen der Verein ruhte“, so Eckehart Beichler. „Das war in den 1930er und in den 70er/80er Jahren.“ Eine neuerliche Auszeit möchte man nun tunlichst vermeiden, darüber herrschte bei der diesjährigen Hauptversammlung mit der per Stimmzettel deutlich formulierten Absicht „Wir machen weiter“ Einigkeit, zumal die Gemeinschaft selbst intakt ist: „Wir sind 16 bis 18 Sänger, die regelmäßig proben und auftreten, und die Vereinsarbeit liegt bei unserem Vorsitzenden Patrick Krebs in guten Händen“, so Beichler, der selbst über einen großen Erfahrungsschatz in puncto Chorleitertätigkeit verfügt. Er sagt aber: „Ich mache das so lange ich kann, und ich mache es gern, doch das Alter ist nun mal da.“ Ein zweiter Hartmut Sievert, das wäre was. „Er ist ein absoluter Spitzenkönner und war ein wahrer Glücksfall für den Männerchor, der natürlich auch große Fußstapfen hinterlassen hat“, meint Interimsleiter Beichler.

Chorleiter hat nach 27 Jahren aufgehört

Sievert hatte sein Amt Ende 2016 nach 27-jähriger Tätigkeit für die Sommersdorfer niedergelegt. „Wir alle, auch über den Chor hinaus, sind ihm überaus dankbar für diese lange und fruchtbare Zeit“, betont Beichler. Ausdruck dessen sei nicht zuletzt der Bürgersonderpreis der Gemeinde Sommersdorf, der dem Warsleber Sievert in diesem Jahr verliehen wurde.

Zwecks Folgebesetzung habe der Verein in den zurückliegenden Monaten bereits den eigenen Umkreis abgegrast – vergebens. „Es wurden sechs, sieben Chorleiter in der Umgebung angefragt, aber sie sind alle schon beruflich oder ehrenamtlich sehr eingebunden, ebenso die naheliegenden Kandidaten direkt im Ort und den Nachbardörfern, die durch die räumliche Nähe natürlich eine perfekte Lösung wären.“

Auf die Frage, ob die Männerschaft sich denn auch mit einer Chorleiterin anfreunden könnten, antwortet Eckehart Beichler mit einem klaren „Ja“. „Unter den Angefragten sind auch Frauen gewesen, denn ob Mann oder Frau, das ist letztlich unerheblich. Wir kommen freilich auch mit einer Leiterin zurecht.“ Wichtig sei allein das nötige persönliche Engagement: „Die Aufgabe des Chorleiters oder der Chorleiterin besteht darin, die wöchentliche Probe dienstags ab 19 Uhr in Sommersdorf abzudecken und mit uns ein Programm für mindestens zwei Konzerte im Jahr und diverse Gastauftritte und Ständchen einzustudieren, ansonsten sind da keine Grenzen gesetzt – und Unterstützung aus den Chorreihen ist definitiv da“, erklärt Eckehart Beichler das Anforderungsprofil. Zu bieten habe man die normale, vom Landesverband gestützte Chorleitervergütung, einen mehrstimmigen, für Neues offenen Klangkörper und eine herzliche Gemeinschaft.

Sein nächstes Konzert gibt der Männergesangverein „Glückauf“ am ersten Advent in der evangelischen Kirche Sommersdorf.