Gröningen/Kroppenstedt l Die derzeitigen Grundschulstandorte Kroppenstedt und Gröningen können künftig nicht mehr von der Verbandsgemeinde Westliche Börde gehalten werden. „Zu groß ist der Investitionsbedarf an beiden Objekten“, stellt Verbandsgemeinde-Bürgermeister Fabian Stankewitz (SPD) gegenüber den vielen interessierten Besuchern der Infoveranstaltung im Gröninger Kulturhaus klar.

Veranschlagt werden dafür in beiden Fällen um die eine Million Euro. Das sei für die Verbandsgemeinde nicht zu schultern. „Dabei muss man auch die Nachhaltigkeit bedenken“, erklärt Stankewitz. „In Gröningen stoßen wir schon jetzt an unsere Grenzen in Sachen Platz.“ Künftig seien auch Brandschutz-Bestimmungen zu beachten. Diese seien am ehesten in Kroppenstedt zu realisieren, zumal dort auch genügend Platz für mehr Schüler oder gar Klassen wäre. Sogar die Errichtung einer eigenen Turnhalle könne in Betracht gezogen werden.

Demographischer Wandel als Auslöser

Auch die demographische Entwicklung zwinge die Verbandsgemeinde zu diesem Schritt. So sei die Entwicklung – so wird es jedenfalls im Augenblick von den Experten vorausgesehen – in nahezu allen Altersgruppen rückläufig, ganz besonders in den jetzt noch jüngeren Jahrgängen. „Da sitzen wir alle in einem Boot“, sagt der Bürgermeister. „Wir müssen das Problem als Verbandsgemeinde lösen.“ Er und auch etliche Ratsmitglieder aus den betroffenen Gemeinden sowie aus dem Verbandsgemeinderat sehen die Verlagerung des staatlichen Standorts nach Kroppenstedt als eine optimale Variante an. „Fördergelder können wir nur für einen Standort beantragen, der über eine Zeit von 15 Jahren gesichert ist“, erklärt Stankewitz. „Dann können wir durchaus mit einer 90-prozentigen Förderung rechnen.“

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Die Schuldiskussion habe schon im Vorfeld auf Facebook Fahrt aufgenommen. Stankewitz greift einige Themen heraus und gibt dazu Erläuterungen, auch Bürger können im späteren Verlauf der Veranstaltungen Fragen stellen. Der Bürgermeister erläutert noch einmal den möglichen Verlauf. „Über einen in Zukunft möglichen Schulverbund können wir den Übergang ermöglichen“, sagt er. „Mehr Lehrer gibt es dafür nicht, das hat das Land schon einmal klargestellt.“ Der Übergang nach Kroppenstedt solle nicht Knall auf Fall geschehen. „In Gröningen eingeschulte Kinder werden auch hier die Grundschule beenden“, hebt er gegenüber der Volksstimme noch einmal hervor. „Frühestens ab dem 1. August 2019 beginnt der Übergang. Dann wird nur noch in Kroppenstedt eingeschult. Keine Klasse muss somit die Schule wechseln.“

Die Frage der Schülerbeförderung habe man ebenfalls berücksichtigt. Da in Gröningen etliche Kinder aus den umliegenden Orten zur Schule gehen, erfolge diese ja schon jetzt. Die Fahrzeit von Großalsleben nach Kroppenstedt habe er sogar schon persönlich erkundet. Sie liegt in etwa bei zehn Minuten.

Börde-Campus entsteht in Gröningen

Es gibt für Gröningen auch noch eine weitere Variante. Diese stellt an dem Abend Gotthardt Dittrich, Manager der Rahn-Gruppe, vor. Der Unternehmensverbund ist Anfang der 90-er Jahre nach Gröningen gekommen und hält inzwischen vielfältige Bildungsmöglichkeiten an dem Standort vor. Im Jahr 2011 startete in der Stadt eine zunächst einzügige Freie Sekundarschule, die heute schon zweizügig läuft. Das bedeutet, dass es inzwischen Parallelklassen gibt. Sogar die ersten beiden Gymnasiumsklassen sind in Gröningen heimisch geworden.

„Über die Rahn-Education haben wir ein Erfolgsmodell in der Stadt“, betont Dittrich. Er verweist zudem auf die Bauarbeiten an der Goethepromenade. Hier wird die Vision von einem Börde-Campus derzeit in die Tat umgesetzt. „Wenn es gewünscht wird, werden wir hier eine Freie Grundschule einrichten“, verspricht er. Damit erhöhe sich auch gleichzeitig die Attraktivität von Gröningen als Bildungsstandort. In der Folge erläutern Mitarbeiter der Unternehmensgruppe die Abläufe an anderen Grundschul-standorten der Rahn-Gruppe. So gibt es in Leipzig seit 20 Jahren ein Haus mit musisch-künstlerischer Ausrichtung. Den Versammelten wird ein kurzer Film dazu präsentiert und die Mitarbeiter sprechen auch schon klare Zahlen an.

Es sei monatlich mit etwa 120 Euro Schulgeld pro Kind zu rechnen. So wird derzeit auch in der Sekundarschule verfahren. Mit einigen Pauschalen gerechnet, würden Eltern bei etwa 180 Euro für einen Zögling im Monat landen. Eine Hortunterbringung wäre gesondert zu berechnen. Eine Ausrichtung wie am Standort in Leipzig sei anzustreben. Die interessierten Eltern nehmen die Zahlen zur Kenntnis.

Fabian Stankewitz stellt klar, dass es sich bei der Vorstellung der Freien Schule um eine von zwei Optionen handele. „Die Kinder sind natürlich bestens in der Grundschule in Kroppenstedt aufgehoben“, sagt er. „Wir würden aber künftig über zwei vergleichbare Bildungsangebote verfügen, die die Eltern für ihre Kinder nutzen können.“ In einer sanierten Lehranstalt in Kroppenstedt, die nach den neuesten Vorgaben hergerichtet werde, seien ebenfalls hervorragende Bedingungen zu erwarten.