Oschersleben l „Wir wollen das Pferd nicht neu aufzäumen. Wir haben Achtung vor den Chroniken von Günther Blume und deren hohes wissenschaftliches Maß. Doch für den Normalbürger sind sie nur schwer verständlich. Das ist keine Heimatliteratur“, erklärt Lutz Bittner. Gemeinsam mit Frank Lange will der Vorsitzende des Vereins „Kunst und Kultur in Emmeringen“ als Herausgeber einer neuen Reihe genau diese Lücke füllen. „Dabei handelt es sich um Nachdrucke oder Zusammenstellungen aus historischen Aufzeichnungen zu einem bestimmten Thema“, erklärt Bittner. Die Nachdrucke würden mit neueren Erkenntnissen ergänzt.

Im ersten Buch „Heimatbilder aus dem Bodeland“, das in der 1920er Jahren unter anderem von Karl Kellner herausgegeben wurde, durften Lange und Bittner mit Erlaubnis des Sohnes auf Materialien von Winfried Sternberg zurückgreifen, der einst die Baugeschichte der Burg bis ins Jahr 1995 unter die Lupe genommen hatte. „Wir wollen damit an ihn erinnern, als jemanden, der sich stets der Heimatgeschichte verschrieben hatte“, betont der Vereinsvorsitzende.

Dieser Nachdruck ist der Oschersleber Burg zugeordnet und erinnert an die einstigen Herausgeber, die in der damaligen Geschichtsbetrachtung für die Region eine große Bedeutung gehabt hätten. In dem Werk wird vor allem die wechselvolle Geschichte der Burg dargestellt – von der Entstehung um 1200 bis ins 19. Jahrhundert. Ein weiterer Abschnitt befasst sich mit der Burg in Sagengeschichten. Für das Heft konnte die Bewos als Partner gewonnen werden. Seit mehreren Jahren ist die kommunale Wohnungsgesellschaft nun schon Eigentümerin des altehrwürdigen Bauwerks. Mit der Wiederbelebung des Areals verspricht sich die Geschäftsführung auch eine Stärkung der Stadt als Mittelzentrum des Bördekreises.

„Wir wollen einen Beitrag zur Entwicklung des Interesses für Regionalgeschichte leisten“, erklärt der Mitherausgeber Frank Lange, der auch Mitglied im Emmeringer Kulturverein ist. Einerseits soll dies durch die Auflage der neuen Bände geschehen, andererseits auch über Veranstaltungen in der Emmeringer Kirche. Nur durch den Einsatz der Vereinsmitglieder und die Akquise von Fördermitteln und Spenden konnte das Bauwerk saniert werden und dient nun als Kulturstandort in dem Oschersleber Stadtteil.

Einnahmen für die Kirche

„Wir wollen die Einnahmen aus dem Verkauf unserer Hefte für die Weiterentwicklung unserer Kirche nutzen“, erzählt Lutz Bittner. So soll bereits ab dem kommenden Jahr ein Sanitärtrakt im Außenbereich der Kirche entstehen und damit der Standort aufgewertet werden. Neben Fördermitteln, die fließen werden, ist allerdings auch Eigenkapital von Nöten, dass unter anderem über den Verkauf der kleinen Bücher im A-5-Format generiert werden soll.

„Es soll endlich mal was passieren“, sagt Frank Lange. Kulturelle Bestrebungen gebe es einige, doch griffen die Maßnahmen zu kurz. „Was immer wieder fehlt, ist die konzeptionelle Arbeit“, sagt Bittner. Seine Mitstreiter und er wollen es anders machen. So sei bereits eine Idee gereift, die kurz vor der Umsetzung stehe: Wie in anderen deutschen Städten wollen die Vereinsmitglieder gemeinsam mit Sponsoren sogenannte Stolpersteine verlegen, und zwar an Orten, an denen einst Juden lebten und arbeiten, bevor sie enteignet und festgenommen wurden, zumindest aber geflohen sind.

Das zweite Heft ist bereits in Arbeit, verraten Lange und Bittner. „Oschersleben und seine Straßen“ lautet der Titel und soll noch in diesem Jahr erhältlich sein. Inhaltlich beschäftigt sich der Band mit der Geschichte von Straßen, vor allem jedoch mit deren Namen, die in der Vergangenheit geändert wurden. Sogar die Themen für die zwei Bücher des kommenden Jahres stehen schon fest. So wird eines den historischen Bahnhof und ein weiteres die Bode behandeln.

Den ersten Band für fünfEuro gibt es an folgenden Stellen: Tourist-Information (Hornhäuser Straße 6), Bodebuchhandlung (Halberstädter Straße 105), Buchhandlung Gebrüder Köppel (Halberstädter Straße 104), Burgladen Katrin Klenke (Halberstädter Str. 34).