Oschersleben l Die Mitarbeiterinnen befinden sich in Kurzarbeit. Die Türen sind für Besucher geschlossen. Aber der Betrieb ruht nicht. Hinter den Kulissen tut sich allerhand. Tatsächlich war die Januar-Bilanz so gut wie nie zuvor. Auf den ersten Blick wirken die Zahlen ernüchternd. Seit dem 16. Dezember ist die Stadtbibliothek ebenso wie ihre Zweigstelle in Hadmersleben geschlossen. Vom 17. März bis 20. Mai 2020 gab es im ersten Lockdown schon einmal eine Zwangspause. Wie Leiterin Simone Gille berichtet, kam die Stadtbibliothek damit nur auf 75 Prozent ihrer üblichen Öffnungszeiten. Die Zahl der Veranstaltungen brach sogar um 62 Prozent ein. Statt etwa 300 wie in anderen Jahren waren es nur 115.

Der erste Anschein trügt

Aber der erste Anschein trügt. Es ist nicht alles schlecht. Wie Simone Gille erklärt, lag die Zahl der Entleihungen im vergangenen Jahr bei rund 83 500 Medien. Das Angebot der Bibliothek reicht vom klassischen Buch über Zeitschriften, DVDs und Spiele bis hin zu rein digitalen Medien wie den sogenannten E-Books. Trotz der Pandemie lag der Rückgang bei den Entleihungen gerade einmal bei etwa 8,5 Prozent. Das Interesse der Nutzer ist ungebrochen groß. „Wir sind derzeit ziemlich ausgeräubert. Teilweise sind die Regale nur noch halb voll“, berichtet die Einrichtungsleiterin. Als die Bibliothek wegen des erneuten Lockdowns zum zweiten Mal schließen musste, seien die Nutzer gut vorbereitet gewesen. „Sie haben die letzte Woche vor der Schließung genutzt, um unglaublich viele Medien zu entleihen“, erzählt Simone Gille. Weil Entleihungen derzeit automatisch verlängert werden, sei die Januar-Statistik damit so gut wie nie zuvor gewesen.

Auch die sogenannte Onleihe erfreue sich großer Beliebtheit. Sie funktioniert über das Internet und erlaubt Nutzern das Entleihen von digitalen Medien wie E-Books, Filmen oder Musik. Wie Simone Gille erklärt, werde das Angebot auch von vielen älteren Menschen genutzt. Sie wüssten unter anderem den Vorteil zu schätzen, dass sich bei E-Books die Schriftgröße je nach Belieben einstellen lässt. 2020 habe der Zuwachs der Entleihungen im Vergleich zum Vorjahr bei 21,5  Prozent gelegen.

Trotzdem für Nutzer da sein

Derzeit würden die Mitarbeiterinnen der Einrichtung im wöchentlichen Wechsel arbeiten. Es sei immer eine Person aus dem regulären Bibliotheksbereich sowie eine aus der Kinderbibliothek anwesend. „Wir möchten trotz allem für unsere Nutzer da sein“, erläutert Simone Gille. Klassische Vorlese- und Bastelangebote könnten derzeit nicht umgesetzt werden. Als Ersatz gebe es Videos auf der Facebook-Seite der Einrichtung. Buch- und Spieletipps sind dort ebenfalls zu finden.

„Über das Internet ist es auch möglich, unseren Katalog einzusehen und sich zu informieren, was vorrätig ist“, informiert die Leiterin. So können Nutzer die Medien auch bestellen. Nach einer Terminabsprache können sie an der Tür der Bibliothek kontaktlos abgeholt werden. Es gebe weiterhin regelmäßig neue Medien, die den Bestand erweitern.

Roboter-Bienen sind im Einsatz

Tatsächlich gibt es noch viel mehr Neuerungen. Sie wurden durch Fördermittel ermöglicht. Ein Beispiel sind die „Bee-Bots“. Dabei handelt es sich um Roboter-Bienen, die sich angeblich bereits von Kindergarten-Kindern programmieren lassen. Sie sollen Jungen und Mädchen spielerisch auf die Herausforderungen einer zunehmend digitalen Welt vorbereiteten. Außerdem steht in der Kinderbibliothek ein digitales Terminal, das junge Gäste zu verschiedenen Spielen einlädt - sobald Besucher wieder zulässig sind. Auch neue Technik für Veranstaltungen wurde angeschafft. Allerdings konnte sie laut Simone Gille bisher nur einmal eingesetzt werden.

Denn bei den Veranstaltungen war das Thema Corona besonders zu spüren. Laut der Einrichtungsleiterin konnten 2020 lediglich zwei Abendveranstaltungen umgesetzt werden. Im Februar sei das der Multimedia-Vortrag von Thomas Neumann über Russland gewesen. Im Oktober konnten Gäste eine Ausgabe der „HerbstLese“ besuchen. Dabei berichtete Alexander G. Schäfer über seinen Vater Gerd E. Schäfer. „Auch die Veranstaltungsreihe Literatur im Lese-Café konnte nur zweimal stattfinden“, informiert Simone Gille. Eigentlich war geplant mit „Vorgelesen - LeseClub“ mit Hannelore Wedler sogar eine neue Veranstaltungsreihe zu etablieren. Auch sie kam bisher nur auf zwei Termine, soll aber dieses Jahr weitergehen.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Übrigens: Auch das Museum, um das sich die Mitarbeiterinnen der Bibliothek kümmern, ist von der Schließung betroffen. Dabei war laut Simone Gille eine neue Ausstellung geplant. Sie sollte sich dem Thema „Igel, Natur und Umwelt“ widmen und sich an Grundschüler sowie Kita-Kinder im Vorschulalter wenden. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Nach aktueller Planung soll die neue Ausstellung nun im Herbst 2021 eröffnet werden.

In der Bibliothek könnte es deutlich früher neue Veranstaltungen geben. Die erste ist für den 16. April geplant. Dann soll die Autorin Leonie Faber ihren aktuellen Roman „Die Zeitenbummlerin“ vorstellen. Simone Gille zufolge handelt es sich um „eine Geschichte von Fernweh und Sehnsucht, vom Aufbrechen und Ankommen“. Ob diese Veranstaltung wie geplant stattfinden könne, hänge von den weiteren Corona-Verordnungen ab, bei Bedarf werde sie verschoben. Im Rahmen des „HofSommers“ werden für den 25. Juni Paul Bartsch und Band erwartet. Sie sollen ihr Programm „Im Liebesland mit Freunden - und alle Fragen offen“ präsentieren.

Abgezockt von Gaunern und Ganoven

Die Abendveranstaltung „Abgezockt von Gaunern und Ganoven“ mit Lothar Schirmer in Hadmersleben musste laut Simone Gille bereits zweimal verschoben werden. Sie soll spätestens im Herbst 2021 nachgeholt werden.

Die Stadtbibliothek ist unter 03949/912 27 7 und stadtbibliothek@oscherslebenbode.de zu erreichen. Ihre Internetseite hat die Adresse www.bibliothek-oschersleben.de.