Musik

Oschersleber Blasorchester nimmt nach Pandemiepause die Proben wieder auf

Die knapp 70 Musizierenden aus dem Oschersleber Blasorchester dürfen sich wieder auf Konzerte freuen. Proben sind seit einem Monat möglich. Doch bis die ersten Auftritte ab Ende September 2021 stattfinden, gibt es noch viel zu tun. Die Auszeit hat ihre Spuren hinterlassen.

Von Josephine Schlüer 06.07.2021, 10:56 • Aktualisiert: 06.07.2021, 16:41
Jetzt müssen sich die Musiker des Blasorchesters Oschersleben nach achtmonatiger Auszeit erst wieder einspielen. Auftritte sind für Ende September wieder geplant.
Jetzt müssen sich die Musiker des Blasorchesters Oschersleben nach achtmonatiger Auszeit erst wieder einspielen. Auftritte sind für Ende September wieder geplant. Foto: Josephine Schlüer

Oschersleben - Acht Monate lang hat Marion Kaiser ihr Flügelhorn nicht angefasst. Sie spielt im Oschersleber Blasorchester, das wie alle anderen Vereine von Oktober bis Juni nicht proben durfte. „Das war einfach nur traurig. Für mich ist das ein Gruppending. Allein spielen macht keinen Spaß“, so die Schwanebeckerin.

Ähnlich sieht das Ines Mewes aus Oschersleben. Sie hat versucht im Lockdown allein auf ihrem Tenorhorn zu spielen, „damit ich nicht aus der Übung komme.“ Doch das habe nicht gut funktioniert. Es sei einfach nicht das Gleiche, sind sich Ines Mewes und Marion Kaiser einig.

Im Gruppenchat des Blasorchesters hätte sich häufig gezeigt, wie sehr die Teilnehmer das gemeinsame Musizieren vermissen. „Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder“ und „Ich drück euch alle“, hätte es immer wieder geheißen, berichtet Toralf Müller, der Vorsitzende des Traditionsvereins, der seit 1967 existiert. Letztendlich sei aber niemand von den 120 Mitgliedern, davon 68 Musiker, abgesprungen. Man habe versucht, über den Whatsapp-Chat die Gruppe zusammen zu halten, so Müller. Das ist den Verantwortlichen offenbar gelungen.

„Die ersten Auftritte finden ab Ende September statt, bis dahin müssen wir noch ganz schön aufholen“, sagt der zweite Vorsitzende, Jörg Mewes. Die Muskulatur in Bauch, Mund und Gesicht sei nach acht Monaten ohne Übung bei den Musikern einfach weg. Das bestätigt auch der 27-jährige Felix Biermann, der im Orchester mit dem Schlagzeug den Takt angibt und außerdem sieben Kinder im Alter von vier bis sieben Jahren für das Blasorchester im Schlagzeug unterrichtet. „So eine Pause ist zwar schade, da geht viel verloren, aber die Schüler sind weiterhin motiviert und jetzt geht es wieder los“, zeigt sich Felix Biermann erleichtert.

Noch kurz bevor im Oktober letzten Jahres der Lockdown verhängt wurde, bereitete sich das Blasorchester gerade auf einen vollen Terminkalender in der Weihnachtszeit vor. „Und dann ging plötzlich nichts mehr“, erinnert sich Toralf Müller. In der Pandemie musste der Verein auf die Einnahmen aus Schützenfesten, Adventskonzerten und anderen Veranstaltungen für das gesamte Jahr 2020 verzichten. „Uns fehlen etwa 10 000 Euro“, sagt der erste Vorsitzende. Die Stadt hat dem Orchester einen Zuschuss genehmigt, so dass zumindest laufende Kosten wie die Miete für die Probenräume beglichen werden konnte. „Dafür sind wir sehr dankbar“, so der erste Vorsitzende weiter. Eigentlich absolviere das Oschersleber Blasorchester etwa 16 Auftritte pro Jahr. „Wenn das wegbricht, macht sich das bemerkbar“, sagt Toralf Müller. Die Einnahmen aus den Auftritten würden normalerweise für die Schulmiete verwendet. Das Blasorchester probt im Oschersleber Gymnasium. Auch Musikschullehrer für den Nachwuchs würden über die Einkünfte finanziert. Zudem müssten Instrumente regelmäßig gewartet und repariert werden, weiß Jörg Mewes. „Die freie Zeit im Lockdown haben wir unter anderem dazu genutzt, den Instrumenten-Pool aufzuarbeiten.“

Nun schauen die Verantwortlichen optimistisch in die Zukunft. „Wir denken schon, dass wir dank der Impfungen, Luca-App, Testmöglichkeiten und mit Hygienekonzepten unsere Weihnachts- und Adventskonzerte in diesem Jahr wieder spielen können“, so die beiden Vorsitzenden, „auch für den Fall, dass eine weitere Corona-Welle anrollt.“

Doch zunächst müssen die Musiker sich in Form spielen. „Nach der langen Auszeit fällt es schwer, die Spannung zu halten“, sagt Marion Kaiser und fügt hinzu: „Früher haben wir vier Stunden beim Frühschoppen gespielt und jetzt geht mir nach einem Lied die Puste aus.“ Glücklicherweise gehe es jetzt weiter. „Wir klingen aktuell noch ein bisschen schmerzhaft, aber wir arbeiten dran“, ergänzt Ines Mewes scherzhaft.

Wer Interesse hat, dem Blasorchester beizutreten, kann sich montags von 17 bis 20 Uhr und freitags von 18 bis 21 Uhr unter der 0171/7371569 bei Toralf Müller melden. „Wir suchen immer Nachwuchs in jedem Alter für alle Instrumente“, sagt er. Von Schlagzeug, Trompeten, Posaunen über Saxofon und Klarinette werden überall Talente gebraucht. „Wer Musik machen möchte, kann auch ohne Vorkenntnisse gern zu uns kommen.“

Bauch- und Gesichtsmuskulatur müssen die Musiker des Oschersleber Blasorchesters erst wieder aufbauen, um die Spannung halten zu können.
Bauch- und Gesichtsmuskulatur müssen die Musiker des Oschersleber Blasorchesters erst wieder aufbauen, um die Spannung halten zu können.
Foto: Josephine Schlüer