Oschersleben l Gebürtig stammt Ursula Richter aus Hordorf. Dort hat sie 30 Jahre lang in der Gemeindeverwaltung gearbeitet. Noch immer denkt sie gern an den Ort und die Menschen zurück. Doch vor rund zwei Jahren zog sie in ein Oschersleber Pflegeheim. Genauer gesagt handelt es sich um das Kardinal-Jaeger-Haus der Caritas-Trägergesellschaft St. Mauritius (ctm).

„Bereits in ihrer Jugend hat Ursula Richter nichts ausgelassen, was Nervenkitzel verursacht. Die tollsten Karussellfahrten, Ausflüge oder Aktionen waren ihr meist noch nicht extrem genug“, berichtet Kathrin Böhm. Sie arbeitet im Begleitenden Dienst des Kardinal-Jaeger-Hauses. Einmal habe Ursula Richter gesagt, dass sie sogar einen Tandem-Fallschirmsprung wagen würde. Gern denkt die 97-Jährige an den Tag zurück, an dem sie zum ersten Mal flog: „Ich wollte unbedingt einen Fensterplatz. Von dort konnte ich unten die Alpen sehen. Das war etwas Tolles“, berichtet die 97-Jährige. Sie sei ihr Leben lang neugierig gewesen und habe nach neuen Erfahrungen gesucht. „Es ärgert einen manchmal, dass man heute nicht mehr so kann“, erklärt sie.

„Von den drei Geschwistern war sie diejenige, die am weltoffensten war und häufig Fernweh hatte“, fasst Kathrin Böhm zusammen. Nach der Wende reiste die heute 97-Jährige viel. Auch dabei begegnete sie dann und wann einem Riesenrad - zum Beispiel im Prater in Wien. Zum 850. Ortsgeburtstag gab es auch in Hordorf eines. Daran erinnert sich Ursula Richter genau.

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In der Adventszeit 2019 war es wieder soweit: Auf dem Oschersleber Weihnachtsmarkt entdeckten die Senioren des Kardinal-Jaeger-Hauses ebenfalls ein Riesenrad. Doch dieses Mal blieb Ursula Richter eine Fahrt verwehrt. „Der Ausflug ging allmählich zu Ende und die Warteschlange war sehr lang“, blickt Kathrin Böhm zurück. Aber vergessen hat sie den Wunsch von Ursula Richter auch nicht. Stattdessen berichtete sie Andreas Kretschmer, dem Leiter des Kardinal-Jaeger-Hauses, davon. „Er hat gesagt, dass wir alle Hebel in Bewegung setzen sollen“, berichtet Kathrin Böhm.

Eine Reise zum Prater nach Wien überstieg die Möglichkeiten der Einrichtung. Doch zum Glück gab es eine andere Variante: Über mehrere Monate hinweg drehte sich in diesem Jahr ein Riesenrad im Magdeburger Stadtpark. Kathrin Böhm informierte sich und bereitete heimlich alles vor. Doch als der Tag gekommen war, zeigte sich Ursula Richter etwas unsicher. „So recht wollte sie auf einmal nicht mit“, erklärt Kathrin Böhm. Doch die Sorge legte sich, als beide in Magdeburg ankamen.

Drei Runden fuhren sie gemeinsam in einer Gondel und genossen die Aussicht über die Dächer der Stadt. „Es war ein herrlicher Tag, und ich habe es nicht bereut“, sagt Ursula Richter. Einen Plan für ein weiteres Abenteuer hat die 97-Jährige derzeit nicht - dafür aber zwei etwa gleichaltrige Freundinnen, mit denen sie gern noch einiges unternehmen möchte.