Oschersleben l Das Fliegerlager des Oschersleber Fliegerclubs ist schon wieder Geschichte. In der vergangenen Woche drehte sich bei den Vereinsmitgliedern logischerweise alles ums Fliegen. In diesem Jahr genossen zur Eröffnung des Fliegerlagers auch Bürgermeister Benjamin Kanngießer (parteilos) und Landrat Hans Walker (CDU) bei einem Segelflug im „Bocian“ und „Blanek“ die herrliche Aussicht über Oschersleben.

Seit wann der 1991 gegründete Fliegerclub Oschersleben immer zum Anfang der Sommerferien ein Fliegerlager veranstaltet, kann auch Vereinschef Heinz-Joachim Ladwig nicht so genau sagen. Genau kann er aber sagen, dass „wir unseren Ausbildungsstand verbessern und Streckenflüge üben“, erklärt der Oschersleber. Zum Start des Lagers hätte gutes Wetter zum Streckenfliegen geherrscht. Andererseits sorgte das heiße Sommerwetter für eine schlechte Thermik.

Ausbildungsstand wird verbessert

Auf dem Flugplatz am Ortsrand von Oschersleben haben sich in diesem Jahr 20 Teilnehmer zusammengefunden. Sie alle schätzen die familiäre Atmosphäre des Fliegerlagers. Mit dabei waren wiederum Gastfluglehrer von befreundeten Vereinen wie Tobias Heine aus Dessau und Rainer Schinkel aus Ballenstedt. Von ihren Erfahrungen hat die 17-jährige Romy Körnig in jedem Fall profitiert.

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Das „Küken“ unter den Segelfliegern hat sich im vergangenen Jahr „frei geflogen“, sprich, sie ist erstmals allein in den Himmel hinaus gesegelt. Und natürlich ist sie auch während des Fliegerlagers 2018 allein gestartet und hat bewiesen, dass sie nichts verlernt hat.

Romy Körnig "fliegt sich frei"

Wie kommt ein Mädchen dazu, in ein Segelflugzeug zu steigen? „Ich zog als 13-Jährige auf den Hof von Heinz (Heinz-Joachim Ladwig). Damals hatte ich kein Hobby. ‚Komm doch einfach mal mit‘, sagte er zu mir und so bin ich mit auf den Segelflugplatz gegangen. Ich bin sozusagen kleben geblieben und immer öfter an den Wochenenden mit raus gefahren“, erinnert sich die heute 17-Jährige.

Mit 14 Jahren konnte sie beginnen, Schulungen zu besuchen. Mindestens 16 Jahre müsse ein Pilot alt sein, um allein fliegen zu können oder zu dürfen. Viel theoretisches Wissen stehe vor dem Freifliegen. In insgesamt neun Fächern wie Navigation oder Meteorologie hat Romy gebüffelt, viele Wochenenden hat sie so verbracht. „Aber ich habe viele Freunde von anderen Flugplätzen kennen gelernt“, berichtet sie. Romys Ausbildung ist noch längst nicht abgeschlossen, den Funkschein, das sogenannte BZF-Funkzeugnis, müsse sie noch ablegen.

Viel Wissen erforderlich

Und natürlich gehört auch ein gewisses technisches Verständnis und viel Praxiswissen zum Segelfliegen. Das hat sie sich auf dem heimischen Flugplatz, vor allem in den Wintermonaten, wenn die Flieger für die neue Saison hergerichtet und gewartet werden, angeeignet. Unter den Segelfliegern herrscht die Devise: „Drei Minuten fliegen, zehn Minuten schrauben.“

„Wie fliege ich sicher eine Platzrunde? Wie bewege ich alle Ruder? Wie sind die aktuellen Wetterverhältnisse? Was muss ich machen, wenn etwas schief geht? All das sind Fragen mit denen ich mich beschäftigen musste“, erzählt Romy. Und während sie von ihrem Freiflug, den ersten drei Alleinstarts, am 16. September 2017 erzählt, ist zu spüren, wie sehr sie das Segelfliegen „gefangen“ hat.

Der erste Alleinstart sei unbeschreiblich, „außerirdisch“ gewesen. „Ich hatte richtig dolle Angst. In dieser Kiste zu sitzen, ist schlimmer als Achterbahnfahren. Eine halbe Stunde bin ich über Oschersleben gesegelt. Doch, es war schön. Aber es ist auch schön wieder unten zu sein“, erinnert sich Romy.

Drei Minuten fliegen, zehn Minuten schrauben

Oft habe sie gerade im vergangenen Jahr vor dem ersten Alleinflug an sich gezweifelt, doch ihre Mitstreiter haben ihr Mut gemacht, sich nicht aufzugeben: „Du schaffst das!“

„Schlussendlich wollte ich zeigen, dass ich es doch kann und so bin ich über mich selbst hinausgewachsen“, freut sich die Segelfliegerin, die im Oschersleber Fliegerclub den Nachwuchs als Jugendwart unter ihre Fittiche genommen hat.

Berufswunsch Flugzeugmechaniker

„In jedem Fall etwas mit Flugzeugen, egal was“, so bezeichnet Romy Körnig ihren Berufswunsch. Aktuell arbeitet sie im Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) in der Helios Klinik Neindorf. Und obwohl ihr die Arbeit dort gefällt, könne sie sich einen Beruf im Krankenhaus oder in der Pflege nicht vorstellen. „Mein größter Wunsch ist es, Flugzeugmechaniker zu werden“, meint die frisch gebackene Segelfliegerin.

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein...“, heißt ein bekanntes Lied von Reinhard Mey. Mal abgesehen davon, dass ein Segelflugzeug unter den Wolken bleiben müsse: „An dieser Zeile ist dennoch ein großes Stück Wahrheit. Man fühlt sich beim Fliegen unendlich frei“, fasst Romy Körnig ihr besonderes Hobby zusammen.