Das ist in der Brandnacht geschehen

Der Brand am 18. Dezember gehörte zu den größten Unglücken der letzten Monate. Kurz vor 1 Uhr hatte eine junge Frau in ihrer Wohnung ein Feuer bemerkt und einen Notruf abgesetzt. Als die Feuerwehr eintraf, schlugen bereits bis zu zehn Meter hohe Flammen aus dem Gebäude. Die Rauchwolke war sogar von Flotts Höhe aus zu sehen. Zum Glück konnten sich alle Bewohner des Hauses rechtzeitig in Sicherheit bringen. Trotz widriger Umstände verhinderte die Feuerwehr ein Übergreifen der Flammen auf andere Gebäude. Der Schaden wurde bei ersten Schätzungen mit rund 450 000 Euro beziffert. Als Ursache des Feuers wurde zunächst ein technischer Defekt angenommen.

Oschersleben l Das Bowlingcenter in der Triftstraße gleicht dieser Tage einer kleinen Lagerhalle. Dort, wo sonst die Gäste bowlen, stehen blaue Säcke mit Kleidung. An der Bar stehen statt gefüllter Gläser Hygieneartikel und Filzstifte. In der Kegelbahn nebenan stehen Möbel. Das alles sind Spenden für die Hausbewohner, die beim Großbrand vor etwa zwei Wochen in der Barbierstraße ihr Hab und Gut verloren haben. Der Brand war so stark, dass das Haus unbewohnbar ist. Die Brandursache wird derzeit noch ermittelt.

Kurz nach dem Brand tauchten bereits im sozialen Netzwerk Facebook die ersten Aufrufe nach Sachspenden auf. Eugen Weiß und sein Chef Philipp Neumann, der gleichzeitig der Betreiber des Restaurants „Zum Athos“ ist, riefen ebenfalls dort zu Spenden auf. Denn unter den Betroffenen des Brandes sind auch die Schwester und der Neffe von Eugen Weiß. In der Brandnacht war er ebenfalls vor Ort, um den beiden zur Seite zu stehen. „Mein Neffe hat mich angerufen und dann bin ich gleich runtergekommen“, erinnert er sich. Da er am nächsten Tag arbeiten musste, schickte er Philipp Neumann ein Foto vom Geschehen. Dieser machte sich gleich am Tag nach dem Brand auf dem Weg, um Sachen für Eugen Weiß' Schwester zu kaufen. Die Freude darüber war sehr groß. Man sei erschlagen gewesen, so Eugen Weiß. Er sei sehr dankbar, dass sein Chef dies mache.

Am Freitag, 18. Dezember, kamen bereits die ersten Sachspenden. Kleidung für Kinder und Frauen, Bettwäsche, Geschirr und auch Möbel. Ein Unternehmen aus Magdeburg versorgt die Betroffenen mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln.

Spenden nicht erwartet

Ein anderes Unternehmen spendete einen Einkaufsgutschein. Auch ein Spendenkonto wurde eingerichtet. Initiator des Kontos ist Matthias Werner. Er und seine Frau sind gute Freunde von Eugen Weiß' Schwester. „Ich würde mich mega freuen, wenn wir da noch was zusammen bekommen“, sagt Matthias Werner. Der Gesamtbetrag werde dann unter den Betroffenen aufgeteilt.

Am Sonnabend, 19. Dezember wurden die Spenden im Bowlingcenter sortiert. „Die Brandopfer kamen mit und haben geguckt, was sie gebrauchen können“, sagt Philipp Neumann. Er und Eugen Weiß haben nicht erwartet, dass so viele Spenden zusammen kommen. Gerade in der schwierigen Zeit wegen der Corona-Pandemie. Einige Spenden wurden von Eugen Weiß und seinem Bruder mit dem Auto abgeholt. Für Philipp Neumann sei es selbstverständlich den Menschen zu helfen. „Ich möchte auch nicht gern in so einer Lage sein“, sagt er. Da das Restaurant und die Bowlingbahn wegen des Lockdowns derzeit nicht genutzt werden können, bot er die Räumlichkeiten als Lager für die Sachspenden an.

Mittlerweile hat ein Teil der Hausbewohner eine neue Wohnung bezogen. Hier werden noch Möbel und Elektrogeräte benötigt. Die Spenden können zu den Öffnungszeiten des „Athos“ abgegeben werden.

Überraschung für Kinder

Am ersten Weihnachtsfeiertag gab es dann noch eine große Überraschung für die Kinder. Zusammen mit Franziska Weiß besorgte Philipp Neumann Weihnachtsgeschenke. Diese wurden im Restaurant überreicht.

Die übrig gebliebenen Sachspenden werden an die Tafel und an Kinderheime in Oschersleben verteilt. Außerdem ist ein Flohmarkt gemeinsam mit Grit Köllmer geplant. Der Erlös solle dann den betroffenen Familien zugute kommen.

Lagerstätte für Spenden

Grit Köllmer und Claudia Hillebrand starteten ebenfalls auf Facebook einen Spendenaufruf. Durch Bekannte und Freunde wurden sie im Internet auf den Hilfeaufruf für die betroffenen Familien aufmerksam. So wurde das „Country & Bike Café“, welches derzeit wegen des Lockdowns geschlossen ist, als Lagerstätte für die Spenden umfunktioniert. Sehr froh seien sie über die Unterstützung ihrer Bikerfreunde, den „City Rats“ aus Magdeburg, die mit Sachspenden halfen. Ein Oschersleber Supermarkt spendete zwei Waschmaschinen und einen Geschirrspüler.

„Wie schon viele Jahre nehmen wir stets und ständig Spenden aller Art entgegen, um Obdachlose und bedürftige Familien zu unterstützen“, so Claudia Hillebrand. Sie und Grit Köllmer sind unter anderem Mitglieder des karitativ tätigen Vereins „Barber Angels Brotherhood“ (Bruderschaft der Barbierengel). Die Barber Angels frisieren und rasieren Bedürftige und Obdachlose. Außerdem sammeln die Mitglieder des Vereins Sachspenden wie Kleidung. Auch weiterhin werden Spenden angenommen, um Menschen in Not zu helfen.