Landkreis Börde l Immer wieder kommt es zu tödlichen Verkehrsunfällen auf den Straßen im Landkreis Börde. Seit 2010 waren es durchschnittlich zehn pro Jahr. Laut Polizei bleibt die Anzahl tödlicher Verkehrsunfälle konstant, auch wenn das subjektive Gefühl der Bürger etwas anderes wahrnimmt.

Zwei tödliche Unfälle haben im letzten Monat für Aufsehen im Landkreis gesorgt. Bei einem Unfall auf der Landstraße 50 zwischen Magdeburg und Wanzleben waren zwei Menschen tödlich und fünf weitere schwer verletzt worden. Die Straße gilt laut Polizei jedoch nicht als Unfallschwerpunkt, auch wenn sich seit dem 1. Januar 2010 365 Verkehrsunfälle dort ereignet haben. Zwei davon endeten tödlich – drei Menschen kamen dabei ums Leben. Der jüngste tödliche Unfall ereignete sich am 26. Oktober diesen Jahres auf der Landstraße 44 zwischenRogätz und Loitsche. Dabei kam eine 47-jährige Frau ums Leben. Ein Transporter wollte kurz vor Rogätz nach links abbiegen und hatte deshalb seine Geschwindigkeit verringert. Die Autofahrerin bemerkte dies anscheinend zu spät und krachte in den mit Telefonmasten beladenen Anhänger. Die 47-Jährige erlitt so schwere Verletzungen, dass sie noch an der Unfallstelle verstarb. Solche Unfälle hinterlassen nicht nur bei Angehörigen tiefe Wunden und Traumata, sondern auch bei Einsatzkräften, welche die Verstorbenen bergen müssen. Auch wenn das Gefühl im ersten Moment etwas anderes aussagt, seit 2010 ist die Anzahl tödlicher Verkehrsunfälle im Landkreis Börde konstant geblieben. „Insgesamt haben sich seit dem 1. Januar 2010 107 tödliche Verkehrsunfälle in der Börde ereignet“, erklärt Volker Rauhut vom Polizeirevier Börde. Dabei seien 116 Menschen ums Leben gekommen. Die meisten Unfälle würden sich weiterhin außerorts ereignen. Rund 89 mal sei dies der Fall gewesen. „19 tödliche Verkehrsunfälle ereigneten sich im innerörtlichen Verkehrsbereich“, erläutert Rauhut weiter. Weiterhin sei festzustellen, dass die meisten Verkehrstoten im Landkreis Börde im Alter von 25 bis 64 Jahr waren. „Hier waren es in den letzten zehn Jahren insgesamt 71.“

Unangepasste Geschwindigkeit

Unfallursache Nummer Eins bei tödlichen Unfällen ist nach Angaben der Polizei weiterhin die „nicht angepasste Geschwindigkeit“ (33), danach folgt der „Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot“ (18) und auf Platz drei das „Nichtbeachten der Vorfahrt“ (7). Laut Volker Rauhut ist auch die Anzahl der verletzten Personen bei Verkehrsunfällen gleich geblieben. „Im Durchschnitt haben wir jährlich etwa 156 Schwerverletzte und 607 Leichtverletzte registriert“, so der Polizist.

Insgesamt setze die Polizei bereits ab dem frühen Kindesalter auf Verkehrsprävention. „So kommen wir zum Beispiel regelmäßig in die Grunschulen und machen mit den Jungen und Mädchen Radprüfungen.“ Aufgrund der Corona-Pandemie sei dies aktuell nicht möglich.

Für die „älteren Verkehrsteilnehmer“ gibt es sogenannte Verkehrsgroßeinsätze seitens der Polizei. Diese werden entweder revierweit oder landesweit durchgeführt. Bekannt sind solche Aktionen zum Beispiel als „Blitzer-Aktions-Tag“, an dem an vielen Straßen Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt werden. Außerdem werte man regelmäßig mit der Sperrkommission des Landkreis Börde die Unfallhäufungsstelle aus und mache Vorschläge zur Verbesserung.

Laut Volker Rauhut gibt es aktuell drei Unfallschwerpunkte im Landkreis: Die B 245 Haldensleben, Klinggraben, Einmündung L42; die B 71 Ebendorf auf Höhe der Star-Tankstelle und die B189 bei Colbitz vor dem Kreisverkehr aus Richtung Dolle.

Auch Einsatzkräfte brauchen Hilfe

Laut Andreas Erhardt, Pressesprecher der Feuerwehr Oschersleben, gehöre das leider zum Alltag der Retter dazu. Natürlich gehöre, wie auch beim Rettungsdienst und der Polizei, der Umgang mit schwerverletzte oder verstorbene Personen zur Arbeit der Feuerwehr mit dazu. „Jeder Einsatzkraft ist dies stets bewusst und man hat es im Hinterkopf, dass man zu jedem Zeitpunkt mit so einer Situation konfrontiert werden kann“, erklärt Ehrhardt. Im Rahmen der Einsatznachbereitung werde natürlich über das Erlebte und Gesehene geredet, aber auch präventiv spreche man über die Thematik. „Auch während solcher belastenden Einsätze wird von Seiten der Einsatzleitung auf die Reaktionen der eingesetzten Kräfte geachtet. Die Notfallseelsorgeteams leisten hier eine wichtige Arbeit“, so der Feuerwehrmann weiter. Jederzeit könne über die Rettungsleitstelle ein entsprechendes Notfallseelsorgeteam angefordert werden.

Nach besonders schrecklichen Verkehrsunfällen greift nimmt auch die Polizei die Hilfe von Seelsorgern in Anspruch. „Neben dem Notfallseelsorge-Team des Landkreis Börde greifen wir auch auf einen eigenen Polizeiseelsorger zurück“, erklärt Volker Rauhut. Alternativ stehe der Dienstvorgesetzte sowie die Kollegen zum Reden zur Verfügung.

Auch bei der Feuerwehr in Wanzleben setzt man regelmäßig auf die Arbeit der Notfallseelsorger. Zuletzt war dies am 24. Oktober diesen Jahres der Fall, als sich auf der Landstraße 50 ein Unfall mit zwei Toten ereignete. Wie Einsatzleiter Burkhard Wegner damals berichtete, habe er schon frühzeitig die Notfallseelsorge alarmieren lassen. Im Verlauf des Einsatzes zeigte sich, dass diese Entscheidung richtig war, denn nicht nur die Angehörigen des eingeklemmten BMW-Fahrers tauchten sehr zeitnah an der Unfallstelle auf, sondern auch zu späterem Zeitpunkt die Angehörigen der verunglückten afghanischen Familie. Insgesamt neun Notfallseelsorger waren bei diesem tödlichen Verkehrsunfall vor Ort.