Seehausen l Neben der Schützengilde Seehausen von 1824 zählt der Seehäuser Männerchor von 1856 zu den ältesten Vereinen der Hansestadt. Letzterer hat seit der Jahrtausendwende eine schöne Tradition aufgebaut, nämlich ein Konzert im zu Ende gehenden Jahr in der Salzkirche.

Auch in diesem Jahr standen schon lange vor Einlass am Mittwoch die Besucher auf dem Hof an, um einen Platz in dem historischen Gemäuer zu bekommen. In Windeseile waren alle Stühle besetzt, aber die Sänger brachten noch viele Bänke aus der Reserve, so dass die letzten Besucher quasi auf Tuchfühlung mit dem einheimischen Klangkörper saßen.

Mit „Freu dich Erd und Sternenzelt“, einem Lied aus dem 14. Jahrhundert, eröffnete der Chor sein festliches Konzert. Der Vorsitzende des Vereins, Winfried Schreck, begrüßte die treuen Besucher und nahm die Gelegenheit wahr, den Sangesbruder Wolfgang Bittner auszuzeichnen. Vor 50 Jahren trat der Sänger, Jahrgang 1936, dem Chor unter der damaligen Leitung von Peter Köhler bei. Im Auftrage des Chorverbandes des Landes Sachsen-Anhalt bekam er eine Anstecknadel nebst Urkunde durch den Vorsitzenden überreicht.

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Das große Repertoire umfasste Lieder aus mehreren Jahrhunderten und verschiedenen Ländern, die allesamt in höchster Qualität dargeboten und vom Publikum entsprechend mit Beifall honoriert wurden. Rezitationen durch Martin Ulrich brachten einen Hauch von Wahrheit, wie Deutschland eine Woche vor Weihnachten wirklich aussieht, ans Licht. Neben der Leistung des Gesamtchores überzeugten auch die kleine Besetzung und die Solis von Bodo Behrendt und Renè Berndt bei „Panis angelicus“ bzw. „Halleluja“ das Publikum. Sehr gut wurden auch die gesungenen Inhalte des Alten und des Neuen Testamentes aufgenommen, in denen verkündet wurde, dass Jesus geboren und im Jordan getauft wurde. „Stopp-Reifenpanne“ mit diesem Ausruf des Chorleiters Sven Peuker zu Beginn seines schon legendären „Flämischen Abendliedes“ wurde der Charakter eines echten Life-Konzertes unter Beifall des Publikums unterstrichen. „Ich bin froh, dass ihr da seid, ihr werdet mich nicht los. Nehmt etwas von dem Optimismus mit ins nächste Jahr, wenn wir unser 160 jähriges Chorjubiläum feiern“, so der Chorleiter, der sich selbst etwas „Marscherleichterung“ verordnet hatte.

Bei stehenden Ovationen und dem erneuten Gesang von „O du fröhliche“ fand dieses herrliche Konzert sein offizielles Ende. Viele fanden sich aber anschließend noch nebenan in der „Küche“ ein, wo einige Frauen der Sänger wieder einen Imbiss von Schmalzstullen und Gurken sowie Glühwein vorbereitet hatten.