Größer als erwartet

A-14-Demos in Seehausen: Verbaler Schlagabtausch zwischen AfD und Fürsprechern der Waldbesetzer

Nachdem der AfD-Landesverband als Reaktion auf die Waldbesetzung Losse zur Demo pro Autobahn in Seehausen einlud, organisierten Akteure von der Initiative „Keine A14“ zeitgleich eine Gegendemo. Auf beiden Seiten kamen mehr als erwartet.

Von Karina Hoppe
Die Demo gegen den A14-Bau stößt auf die Kreuzung vorm Bahnhof in Seehausen.  Polizisten stellen sicher, dass niemand zur AfD-Demo gelangt.
Die Demo gegen den A14-Bau stößt auf die Kreuzung vorm Bahnhof in Seehausen. Polizisten stellen sicher, dass niemand zur AfD-Demo gelangt. Foto: Karina Hoppe

Seehausen - Genau genommen fanden am Freitagabend sogar vier Veranstaltungen rund um den Bahnhof Seehausen statt. Erst die nunmehr dritte Mahnwache von Akteuren der Initiative „Keine A14“, dann die Demo des AfD-Landesverbandes unter der Überschrift „Rechtsbruch beenden: Räumung jetzt“, parallel dazu eine Gegendemo von „Keine A14“ und eine weitere am Freitag spontan angemeldete Demo von Leuten, die laut Auskunft der Polizei nicht mit der Keine-A-14-Demo mitlaufen wollten. An der Kreuzung Bahnstraße/Otto-Nuschke-Straße riefen die vermummten Demonstranten lautstark Sprüche wie „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda“, „Nazis morden, der Staat schiebt ab, es ist das gleiche Faschistenpack“ oder „Bullenschweine“.

An der Ecke Bahnstraße/Nuschkestraße in Seehausen standen linke Demonstranten, die versuchten die AfD-Demo lautstark zu stören.
An der Ecke Bahnstraße/Nuschkestraße in Seehausen standen linke Demonstranten, die versuchten die AfD-Demo lautstark zu stören.
Foto: Karina Hoppe

Friedlich verlief dagegen der eigentliche Demonstrationszug gegen den Autobahnbau, der etliche Banner hochhielt und mehrmals von der Polizei begleitet an der Kreuzung vor der Pro-A-14-Kundgebung vorbeispazierte. Angemeldet waren hierfür 40 Personen – es kamen laut Polizei 120. Die AfD meldete 75 an – es kamen rund 180. Und zwar auf einmal. Noch kurz vor Beginn der AfD-Veranstaltung sah es so aus, als ob die Politiker fast ins Leere sprechen. Dann rückten auf einmal große Menschentrauben an.

Der Landtagsabgeordnete und -kandidat Ulrich Siegmund äußerte, „wir lassen uns das nicht mehr gefallen“. Gemeint war die Besetzung eines Waldstücks bei Losse durch Klimaschützer aus der linken Szene. Siegmund nannte sie „irgendwelche dahergelaufene Baummenschen, irgendwelche Druiden“, die „offenen Rechtsbruch“ begehen würden. Und während der Corona-Pandemie „jeder Kindergeburtstag zum Schwerverbrechen“ erklärt würde, lasse der Landrat Patrick Puhlmann (SPD) die Waldbesetzer walten. Puhlmanns mehrfach verlautete Äußerung, dass eine Räumung einer großen rechtlichen Vorbereitung bedarf, lasse Siegmund nicht gelten. „Es gibt juristischen Spielraum, wir fordern eine Politik der klaren Kante“, während auch Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth (Freie Wähler) „auf Kuschelkurs“ sei. „Verzieht Euch in eure Multikulti-Städte und lasst unsere Altmark in Ruhe“ äußerte Siegmund gen Autobahn-Kritikern.

Auf einmal war die Rasenfläche vorm Bahnhof Seehausen gut gefüllt. Die Teilnehmer der AfD-Demonstration kamen in großen Gruppen.
Auf einmal war die Rasenfläche vorm Bahnhof Seehausen gut gefüllt. Die Teilnehmer der AfD-Demonstration kamen in großen Gruppen.
Foto: Karina Hoppe

Sandra Matzat, Osterburger Stadträtin und AfD-Direktkandidatin im Wahlkreis Havelberg-Osterburg, blies ins gleiche Horn. Sie sprach sich „gegen die Verwahrlosung unserer Gesellschaft und gegen Ökostalinisten“ aus. Kinder würden in Corona-Zeit drangsaliert und die Waldbesetzer lasse man gewähren. Zu Wort kam auch Olaf Kirchner, AfD-Fraktionsvorsitzender im Landtag. Er sprach von „Polizeibeamten, die uns vor Irren schützen müssen“.

Gegner von A14 und AfD plakatierten das Bahnhofsgebäude in Seehausen.
Gegner von A14 und AfD plakatierten das Bahnhofsgebäude in Seehausen.
Foto: Karina Hoppe

Der Demonstrationszug gegen die A14 kündigte für den späteren Abend noch eine Kundgebung an. Polizeisprecher Dirk Marscheider sprach nach 19 Uhr von einer „lautstarken, aber recht friedlichen Demonstration“. Es sei fraglich, ob dies so bleibe, da die Polizei zumindest im linken Flügel gewaltbereite Demonstranten ausgemacht habe. Zwei Züge der Bereitschaftspolizei waren nach Seehausen gekommen, der Rest der Beamten stammte aus der Polizeiinspektion Stendal.

Der Landtagsabgeordnete Ulrich Siegmund  initiierte die AfD-Demo in Seehausen.
Der Landtagsabgeordnete Ulrich Siegmund initiierte die AfD-Demo in Seehausen.
Foto: Karina Hoppe
Bevor die Demos in Seehausen begannen, regnete und hagelte es heftig.
Bevor die Demos in Seehausen begannen, regnete und hagelte es heftig.
Foto: Karina Hoppe