Seehausen l Die DRK-Kleiderkammer in Seehausen ist ein wichtiger Anlaufpunkt für Bedürftige, sich preiswert mit Anziehsachen zu versorgen. Das Einzugsgebiet reicht weit über die Grenzen der Hansestadt und der Verbandsgemeinde hinaus. In Zeiten vor der Corona-Pandemie zählte das Familienkaufhaus, in dem auch noch ein paar andere Artikel aus Haushaltsauflösungen zu haben sind, täglich bis zu 40 Kunden.

Ressourcen vergeudet

Bei der Akquise von gebrauchten Textilien mit Hilfe von Containern bekamen es die Helfer im Zeichen des roten Kreuzes in den vergangenen Jahren zunehmend mit privater Konkurrenz zu tun, aber auch das Müllaufkommen in den Sammelbehältern wuchs beständig.

Ein Aufreger sind die illegalen Abfälle in den Reihen der DRK-Ortsgruppe schon seit Jahren. Aber so wie die Menge der Fehlbefüllung stieg, so sank offenbar auch die Hemmschwelle, was die Art der Abfälle begrifft. Hausmüll, Schrott, Sperrmüll, alte Matratzen, Tierkadaver – die Damen der Kleiderkammer haben schon nahezu alles gefunden, was Ekel erregt, beim Sortieren für gefährliche Verletzungen sorgen kann, Arbeitszeit vergeudet, noch brauchbare Sachen ruiniert und die Entsorgungskosten für das DRK in die Höhe treibt. Abgesehen davon, dass das Pensum nicht mehr zu schaffen war, weil die Leute in Corona-Zeiten offenbar mehr Zeit zum Aussortieren hatten und haben, während das Job-Center gleichzeitig Maßnahmeteilnehmer abzieht.

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Weil alle Appelle scheinbar ungehört verhallten und die Situation unerträglich wurde, zog die Vorsitzende des Ortsvereins und Leiterin der Begegnungsstätte an der Arend- seer Straße, Marlies Duffe, im Juli im Einvernehmen mit dem DRK-Kreisverband die Notbremse und ließ an den schlimmsten Brennpunkten im Altkreis Osterburg 18 von 51 Altkleidercontainern abholen. Dort, wo das logistisch nicht so einfach möglich war, wurden die Behälter zugesperrt.

Harter Schnitt wirkt

Der harte Schnitt zeigt Wirkung. Die Abfallmengen, so Marlies Duffe, haben sich seitdem halbiert. Natürlich sei auch das Altkleideraufkommen damit weniger geworden, dafür sei aber die Qualität gestiegen. Das liegt zum einen daran, dass weniger Abfälle in den verbliebenen Containern landen, aber vor allem auch daran, dass jetzt mehr Leute Sachen persönlich in Seehausen direkt vorbeibringen. Nämlich die, die sich nicht nur einfach alter Sachen entledigen, sondern Bedürftigen wirklich helfen wollen.

So gesehen würde Marlies Duffe den Schritt wieder gehen. Bedauerlich sei nur, dass in Corona-Zeiten auch weniger Abnehmer den Weg in die Kleiderkammer finden, die jetzt wie viele andere Läden und Dienstleister für die nächsten Wochen geschlossen ist.