Priemern l Meister Isegrim drängt es derzeit wieder verstärkt in die Öffentlichkeit. Nachdem ein Wolf oder mehrere Wölfe erst in Tannenkrug auf dem Hof der Baufirma von Armin Goltz ein Reh rissen, bewiesen die Raubtiere jetzt nur ein paar Kilometer weiter in Priemern (beide Orte gehören zur Gemeinde „Altmärkische Höhe“), dass sie die Scheu vor Menschen und deren Siedlungen immer mehr ablegen.

Dieses Mal machten es sich die Wölfe allerdings viel leichter als in Tannenkrug. Sie gingen nicht auf die Jagd, sondern bedienten sich an der kleine Schafherde von Bernd Riedner. Dem Osterburger gehört am Ortseingang von Priemern ein Resthof, auf dem zuletzt neun Schafe das Gras kurz hielten. Das ist nun Geschichte. Nicht eines der Tiere überlebte den Angriff, der sich in der Nacht von Montag zu Dienstag zugetragen haben dürfte.

Mitbekommen hat das Blutbad niemand. Dazu ist die großzügige Koppel offenbar doch zu abgelegen. Der Nachbar hat die verendeten Tiere weit verstreut auf dem mehrere 1000 Meter großen Areal gefunden und Riedner alarmiert. Der Osterburger schaut nicht täglich vorbei. Die Tiere hatten mit Wasser und Futter alles, was sie brauchten, waren gut versorgt und eingezäunt.

Der Osterburger ertrug die Szenerie ziemlich gefasst und blieb auch sachlich, als gestern ein Vertreter des Idener Wolf-Kompetenz-Zentrums den Tatort inspizierte, die getöteten Tiere begutachtete und Abstriche für einen Gen-Test sicherte. Kommentieren wollte der Fachmann die Spuren nach dem ersten Eindruck nicht. Die DNA-Analyse braucht ihre Zeit. Vor drei Wochen sei kein Bescheid aus dem Labor zu erwarten.

Bernd Riedner ist sich als praktizierender Jäger anhand der Indizien (Kehlbiss und der erste Appetit auf die Innereien) sicher, dass für die Risse nur der Wolf in Frage kommen könne. Für den Osterburger ist klar: Wenn das Raubtier schon mit Gewalt in die Kulturlandschaft zurückkehren soll, gehöre es auch ins Jagdrecht, damit Tiere entnommen werden können, die bislang so strengen Schutz genießen.

Der finanzielle Verlust dürfte angesichts der Fleischpreise eher gering sein. Geld wollte der Hobby-Züchter mit den Schafen auch nie verdienen. Neben der Grundstückspflege gab es mal ein Lamm zu Ostern, mal wurde ein Tier zu Wurst verarbeitet. Das war es schon. Vielleicht gibt die Tierseuchenkasse etwas zur Entsorgung der Kadaver dazu. Mit Schadensersatz vom Land rechnet er nicht. Der Zaun reichte zwar dafür, die Schafe zu pferchen, aber nicht, um Wölfe fernzuhalten. „Wenn ich für meine paar Tiere einen hohen Stromzaun mit Unterwühlschutz bauen soll, kann ich mir auch gleich vergoldete Lamm-Koteletts kaufen“, meinte Riedner sarkastisch.