Seehausen l Im Osterburger Markgraf-Albrecht-Gymnasium ist es üblich, dass die Elft-klässler zum Ende des Unterrichtsjahres eine Facharbeit schreiben. Das fördert das selbständige Arbeiten und bereitet auf den Ernst des Lebens beziehungsweise eines Studiums vor, ist auch Schulleiterin Elke Hein überzeugt. Viele Jugendliche richten ihre Themen naturwissenschaftlich aus. Simon Stammer interessierte und interessiert sich vor allem für soziale Belange und ehrenamtliches Engagement.

Weil er sich mit einem Thema der Region auseinandersetzen und bei der Recherche nicht nur auf Bücher oder das Internet angewiesen sein wollte, stellte er als Seehäuser das Mehrgenerationenhaus des Deutschen Roten Kreuzes in Seehausen und dessen Bedeutung für die Menschen der Region in den Mittelpunkt seiner Untersuchungen. Und erntete dafür ebenso Aufmerksamkeit wie Anerkennung. Beim 6. Henry-Dunant-Abend des DRK-Verbandes „Östliche Altmark“ stellte er sein Werk vor und wurde von Präsident Dr. Dieter Denck mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet.

In seinem rund 50-seitigen Werk im A-4-Format konnte Simon Stammer zwar nicht das Rad neu erfinden, aber belegen, wie wichtig die Begegnungsstätte mit ihren Angeboten für die Hansestadt sowie das Umland ist und mit seinen Erhebungen sicher auch bei Eingeweihten noch den einen oder anderen Aha-Effekt erzielen. Grundlage war eine Fleißarbeit, bei der Fakten zusammengetragen, Statistiken erarbeitet und Zusammenhänge hergestellt wurden. In Hausleiterin Marlies Duffe, die auch Vorsitzende des DRK-Ortsverbandes Seehausen ist, hatte er eine kompetente und interessierte Ansprechpartnerin.

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Der Hobbyposaunist und Triathlet, der im späteren Berufsleben auf jeden Fall etwas im sozialen Bereich machen möchte, stellte unter anderem fest, für wie viele Menschen, Vereine und Institutionen der Komplex an der Arend­seer Straße wichtig ist. Und das nicht nur für Senioren oder Bedürftige, die so einen Ort für Treffen haben, sich aber auch mit Produkten der Tafelgärten oder preiswert mit gebrauchten Sachen im Familienkaufhaus (einst Kleiderkammer) versorgen können.

Mangels anderer Möglichkeiten ist das Haus inzwischen auch Heimstadt für Hobbymaler, Handarbeitsfreunde, Literaturliebhaber, Karnevalisten, Angler, Imker, Sportler, Geflügelzüchter, den Blindenverband und viele andere geworden. Den jüngsten Zulauf hat das Haus den hiesigen Skatspielern zu verdanken. Dazu werden vor Ort die Blutspenden begleitet und zahllose andere Veranstaltungen organisiert, die nicht zwangsläufig im Mehrgenerationenhaus über die Bühne gehen müssen.

Mit Hilfe von Fragebögen, die ein paar Wochen vor Ort auslagen, belegte der Abiturient dazu unter anderem, dass mehr Frauen als Männer, zum Großteil wieder junge Leute Blut spenden, aber auch, dass es mehr Erstspender geben könnte. Oder, dass die meisten für den guten Zweck zum Aderlass kommen, einige aber auch das reichhaltige und gesunde Buffet danach im Fokus haben. Interessant ist auch, dass die Kunden des Familienkaufhauses zu 90 Prozent weiblich, die älteren Semester am stärksten vertreten sind und der überwiegende Teil arbeitslos ist.

In der Zusammenfassung stellt Stammer fest, wie groß der Bedarf an einem Mehrgenerationenhaus ist, betont aber auch, dass die Akzeptanz der Einrichtung eng mit dem rührigen Engagement von Mitarbeitern und deren Helfern verbunden ist. Der Schüler zählt auf, was vorhanden ist, präsentiert aber ebenso eigene Ideen. Zum Beispiel könnten in der Einrichtung Senioren mit Computern, Internet und Homebanking vertraut gemacht werden. Und die Kurzversion seines Fazits gegen über der Volksstimme: „Ist schon eine coole Anlaufstelle“.