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BIS-Ortsgruppe Erste Goldbeckerin nutzt Hilfsangebot

Ruth Jödicke hat als erste die Hilfe der Goldbecker BIS-Ortsgruppe in Anspruch genommen. Die Seniorin ist begeistert.

Von Karina Hoppe 09.03.2018, 17:00

Goldbeck l So ein Bahnanschluss im Ort kann auch seine Tücken haben. Sätze wie „nimm doch den Zug“, sind schnell gesagt. Zumal im Falle von Ruth Jödicke, die in Nachbarschaft des Bahnhofs wohnt. Aber Ruth Jödicke, deren Mann vor fünf Jahren starb, ist 85 Jahre alt und hat ein künstliches Hüftgelenk, das zuletzt große Probleme bereitete. Wenn jetzt auch wieder alles im Lot scheint, ist die Seniorin trotzdem auf Hilfe angewiesen. Ihre drei Söhne wohnen an der Ostsee, in der Schweiz und an der Weser. Ihre beiden Töchter zwar in Osterburg und Seehausen, „aber sie müssen ja auch Geld verdienen“, können trotz aller herzlichen Bemühungen nicht immer. So wurde Ruth Jödicke hellhörig, als sie in der Volksstimme von der Goldbecker Ortsgruppe der Bürgerinitiative Stendal (BIS) las. Die Hemmschwelle, das Hilfsnetzwerk à la „Bürger helfen Bürgern“ in Anspruch zu nehmen, war bei ihr denkbar gering. Weil Ruth Jödicke ein aufgeschlossener Mensch ist, vor allem aber, weil ihr Mann, der unter Demenz litt, lange in der Tagespflege der BIS in Stendal war. „Und das hat mir so wunderbar gefallen. Sie haben das toll gemacht.“ Jeden Tag wurde ihr Mann von Goldbeck abgeholt und wieder gebracht. „Das war uns eine riesengroße Hilfe.“

Nun nahm Ruth Jödicke für sich selbst Hilfe in Anspruch. Ihre Tochter konnte sie zwar nach einem Augenarzttermin in Osterburg wieder nach Hause fahren, aber sie wusste nicht, wie sie da hinkommt. Nach Kontaktaufnahme mit der Goldbecker Ortsgruppe übernahm Heike Müller-Heuser diese Fahrt. Sie ist eines der fünf Gründungsmitglieder. „Es hat alles wunderbar geklappt“, sagt Ruth Jödicke. Ihre kleine Tour war die erste Hilfe, die über die Goldbecker BIS-Gruppe zu Stande kam. Zwei Sprechstunden gab es bisher, jedes Mal kam eine Person, die erste war Ruth Jödicke. Das Telefon klingelt noch verhalten, „es muss sich erst rumsprechen“, sagt Detlef Schleifer von der Ortsgruppe. Und nennt noch eine Neuerung: Auf einen Tipp von Verbandsgemeindebürgermeister René Schernikau hin nutzt die Ortsgruppe als weiteren Kommunikationskanal eine App der Internetseite www.nebenan.de. Dort können sich Goldbecker im „Raum“ der Gemeinde Goldbeck anmelden, ein kurzes Profil hinterlegen und Hilfegesuche wie -angebote seien leicht zu kommunizieren.

Das Hilfsangebot soll sich irgendwann quasi auf sämtliche Lebensbereiche des Menschen beziehen. Vorgesehen sind neben der Begleitung zu Behörden, Ärzten, zum Friseur oder Spaziergängen auch sonstige Unterstützungen im Alltag. Ob es nun darum geht, dass der Garten umgegraben, die Gardinen gewaschen oder Hund und Katze gefüttert werden müssen. Auch eine stundenweise Betreuung von Pflegebedürftigen ist laut Schleifer möglich. Dies gegen eine einstellige Aufwandsentschädigung pro Stunde, die teils an den Verein und teils an den Helfer geht.

Die Goldbeck-App wird wohl nicht Sache von Ruth Jödicke sein. Sie hat sich die Telefonnummer von Detlef Schleifer notiert und ist dem Verein im Übrigen gleich beigetreten. „Ich bin sehr dankbar für die Hilfe.“ Ruth Jödickes Leben auf dem Land ist nun ein bisschen leichter.