Osterburg l Die Begrüßung der Besucher mit dem Präludium und Fuge Es-Dur von Johann Sebastian Bach (1685-1750) sei ein wunderbarer Beginn des festlichen Konzerts anlässlich der Einweihung der restaurierten Buchholzorgel, sagte Kreiskantor Friedemann Lessing am Donnerstag im gut besetzten Gotteshaus. Akteur des Abends war der Leipziger Organist Stefan Kießling. Es sei erneut gelungen, einen hochkarätigen Künstler für ein Orgelkonzert in Osterburg zu gewinnen, sagte Lessing und gab gleichzeitig zu verstehen, dass noch bedeutende Verbindlichkeiten den Kreditgebern gegenüber zu erfüllen seien – im Klartext: Es werden weitere Spenden gebraucht. „Ich bitte Sie herzlich, uns auch weiterhin zu unterstützen“, appellierte der Kantor an das Publikum.

Er habe nach dem Einspielen für das Konzert feststellen können, dass die Orgel ein wunderbares Instrument sei, sagte Kießling. „Ich kenne die Vorgängerin, und die heutige ist kein Vergleich zu ihr im positiven Sinne.“ Der in Görlitz geborene Musiker reist als Konzertorganist durch Europa und andere Kontinente, arbeitet als Assistenzorganist an der bedeutendsten Wirkungsstätte Johann Sebastian Bachs, der Leipziger Thomaskirche. Er war über viele Jahre Organist und künstlerischer Leiter einer internationalen Konzertreihe an der Klosterkirche Cottbus und zeitweise Organist am Braunschweiger Dom.

In diesem Konzert erklangen neben dem Bach‘schen Präludium und der Fuge Es-Dur, mit dem der Komponist den III. Teil seiner 1739 erschienenen „Clavierübung“ einrahmte, die Sonate Nr. 1 Es-Dur. Bachs dreistimmige Sonaten für die Orgel gelten als dessen Erfindung. Dreistimmige Orgelkompositionen hätte es schon von Bachs Zeitgenossen beziehungsweise älteren Organisten gegeben, nicht aber derartig zyklische, rein instrumental erfundene Werke ohne Bezug zu einer Kirchenmelodie. Aus dem Schaffen Max Regers (1873-1916) spielte Kießling sechs Trios für Orgel: Canon, Gigue, Canzonetta, Scherzo, Siciliano und Fuge, opus 47. Prof. Reger hatte seine Trios vor der Phantasie und der Fuge über B-A-C-H im Jahr 1900 komponiert und sie gegenüber dem Organisten, Komponisten und Herausgeber der Muik-Zeitschrift „Urania“ Alexander Wilhelm Gottschalg (1827.1908) „als das Gegenteil dieser Bach-Phantasie“ bezeichnet.

Von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), in Berlin mit der Musik Johann Sebastian Bachs aufgewachsen, unter anderem Gewandhauskapellmeister in Leipzig, erklang die Sonate Nr. 4 opus 65. Aus auf seinen englischen Reisen entstandenen Orgelkompositionen, Frühwerken und Reminiszenzen schuf der Komponist 1845 sechs Sonaten für die Orgel.