Seehausen l Als die Türen des Seehäuser Eisen- und Haushaltswarengeschäftes Buness ab 15. Juni verschlossen blieben, schlug die Nachricht sprichwörtlich wie eine Bombe ein (wir berichteten). Dass die Zeiten nach zwei trockenen Sommern und dem sogenannten Shutdown durch die Corona-Pandemie schwierig sind, war klar. Dass der Nachfolger von Christian Buness nach nur zwei Jahren Insolvenz anmelden musste, hatte aber offenbar niemand auf dem Schirm.

Auch beim inzwischen 72-jährigen Buness saß der Schock tief. Vor knapp 180 Jahren gegründet, gilt das Geschäft als das älteste in Seehausen und war mit seinem breitgefächerten Angebot für die Stadt bis dahin das, was man neudeutsch einen Hotspot nennt. Ganz zu schweigen davon, dass dem Lebenswerk einer Kaufmannsfamilie die Vernichtung drohte. Inzwischen besteht aber offenbar mehr als nur die Hoffnung, dass an alte Zeiten angeknüpft werden kann. Woran der Senior, der nach wie vor Eigentümer des großen Ladens ist, seinen Anteil hat.

Jabke will Werkstatt erhalten

Mit Tobias Jabke steht ein langjähriger Angestellter in den Startlöchern, dem das Portfolio des Traditionsunternehmens bestens vertraut ist, der wie sein Ex-Chef eine kaufmännische Ausbildung absolviert hat und dabei so technik-affin ist, dass er unbedingt die Werkstatt erhalten will, in der bisher nicht nur private Kunden, sondern auch Firmen und Kommunen einen Großteil ihrer Geräte warten ließen.

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Der 44-jährige Wuster mit Seehäuser Wurzeln ist sich seiner Sache nach Verhandlungen mit Banken, Insolvenzverwalter und Lieferanten sowie nach der Weichenstellung für eine Existenzgründung und intensiver Beratung mit Christian Buness inzwischen so sicher, dass er das „Vorübergehend geschlossen“-Schild seines Vorgängers gegen „In absehbarer Zeit wird das Ladengeschäft wieder eröffnet“ getauscht hat.

Noch einige Formalitäten

Der Tag, wann sich die Türen öffnen, steht bislang nicht genau fest, weil es noch ein paar Formalitäten zu klären gibt und Einkäufe zu tätigen sind. Viele Gläubiger haben ihre nicht bezahlten Waren natürlich inzwischen wieder abgeholt. Deshalb macht insbesondere der Hof derzeit sozusagen einen aufgeräumten Eindruck. Aber Anfang September soll es dann so weit sein. Eine Nachricht, die auch Buness inzwischen wieder lächeln lässt. Hatte er sich in den vergangenen Wochen doch vielen enttäuschten Kunden erklären müssen, obwohl er gar nicht mehr Inhaber des Ladens ist.

Wenn Tobias Jabke Geschäftsführer ist, werden die Kunden auch ein paar andere vertraute Gesichter im Verkauf und Service wiederentdecken, die dem Laden trotz der jüngsten Querelen die Treue gehalten haben. Schon jetzt bittet der neue Chef um Verständnis dafür, dass es nach der Neueröffnung bei einigen Dingen sicher etwas Anlaufzeit braucht. Am Angebot werde es indes nicht die großen Änderungen geben. Dafür plant er parallel zu seinen analogen Aktivitäten, einen Online-Shop einzurichten. „Man muss ja mit der Zeit gehen“, so Tobias Jabke.

Schon viele Anfragen

Dass er und Christian Buness so optimistisch sind, liegt wohl unter anderem auch daran, dass sich in den wenigen Tagen, in denen besagter Zettel im Schaufenster hängt, schon wieder viele Kunden (zurück-)gemeldet und nach dem Eröffnungstermin gefragt haben.