Giesenslage l Das ist ein Bild. Der Mann auf der Quasi-Rundlingsbank, ihm zu Füßen der Deutsche Drahthaar Daika. Und über ihm die Eiche, die Jahrhunderte auf dem Buckel hat, mit zig Ästen punktet, die selbst als Stamm herhalten würden. Karl-Ernst Seifert geht jeden Tag seine Runde durch Giesenslage, ein Päuschen an „seiner Eiche“ ist quasi ein Muss. „Die meisten sehen den Baum gar nicht“, sagt der 77- Jährige. Denkt er aber auch nur, denn das Bild aus Mann, Hund und Baum ist wohl vielen Leuten vertraut. Auch dem Bürgermeister, aber erstmal zu Karl-Ernst Seifert.

Der Giesenslager, der 2006 in Rente ging, wünscht sich sehr, dass die Eiche „unter Naturschutz“ gestellt wird. Sie sei doch wirklich stattlich, etwas besonderes. „Man müsste auf jeden Fall mal die ganzen trockenen Äste rausschneiden“, sagt Seifert. Er wüsste nicht, dass der Baum vom Eichenprozessionsspinner befallen ist. „Da wird ohnehin zu viel Gewese drum gemacht“, meint der Senior. Nach seiner Flucht aus Schlesien, die Familie wohnte westlich von Breslau, wuchs er ab 1946 in Wolterslage auf. „Dort stehen viele Eichen, da waren früher auch diese Raupen drin, wir sind hoch- und runtergeklettert und hatten nichts.“ Aber wer weiß.

Robinien an den Landstraßen?

1964 heiratete Seifert nach Giesenslage. Der Agraringenieur arbeitete seit 1982 als Besamungstechniker, zuerst im Volksgut Busch, nach der Wende bei der Rinder­allianz. Seifert ist Jäger und fühlt sich der Natur verbunden, Bäumen ohnehin. Auch dass immer mehr Obstbäume entlang der Straßen verloren gehen, bedauert er, wünschte Nachpflanzungen. „Aber nicht unbedingt Ostbäume.“ Das liegt schier daran, dass Seifert es nicht aushalten könne, wenn die ganzen Birnen und Äpfel nicht verwertet werden. „Es geht ja kaum noch jemand sammeln.“ Oder? Für sein Damwild, das Seifert in einem Gehege hält, las er vergangenen Herbst zig Eimer zusammen. Von den Berger Birnen zum Beispiel. „Die schmecken.“ Zum Nachpflanzen empfiehlt Seifert dennoch Robinien, „auch eine tolle Bienenweide“. Und wie die duften.

Auch „seine Eiche“ soll noch so lange wie möglich Früchte tragen. Als Naturdenkmal kann sie allerdings nicht ausgewiesen werden. Was schier daran liegt, dass der Landkreis dies gar nicht mehr macht, da die Bäume ohnehin entweder durch die Gehölzschutzordnung oder das Bundesnaturschutzgesetz (siehe Infokasten) geschützt sind. Aus früheren Ausweisungen listet der Landkreis noch sieben Naturdenkmäler auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck auf.

„Die Durchführung von Pflegemaßnahmen, die dem Erhalt der Bäume und der Verkehrssicherungspflicht dienen, obliegt dem Eigentümer“, heißt es vom Landkreis. Das ist im Falle der Giesenslager Eiche die Hansestadt Werben. „Wir waren ja beide schon im Gespräch“, sagt Bürgermeister Bernd Schulze.

Unten herum schon mal Luft gemacht

Unten herum hätten die Gemeindearbeiter schon mal Luft gemacht, „aber oben kommen wir ohne Spezialtechnik nicht ran“. Da für andere Bäume im Gemeindegebiet ohnehin Baumpfleger kommen müssten, wolle Schulze mal einen Kostenvoranschlag für die Giesenslager Eiche machen lassen. Die Bänke um die Eiche herum, aufgestellt, „als Behrendorf noch selbstständig war“, würden aber gar nicht so häufig genutzt. „Es wurde schon mal an mich herangetragen, dass wir sie doch ans Gemeindehaus umsetzen könnten.“ Aber ein paar Kandidaten gebe es eben doch, die da nicht mitmachen würden. Herr Seifert zum Beispiel. Und Daika.