Gladigau l Ein paar Meter hinter der Anzeigetafel des Gladigauer Sportplatzes hinterlässt der neue Funkmast eine erste Spur. Arbeiter haben das Fundament gesetzt. „Dieses Gelände hat sich nach unserer Meinung am besten geeignet. Hier ist der Mast dicht am Wald, passt sich ein Stück weit in die Landschaft ein und ist nicht so auffällig“, sagt Matthias Müller. Der Gladigauer Ortsbürgermeister stellt klar: Diese Standortwahl war eine Entscheidung des Ortschaftsrates. Dass ein paar Bäume weichen mussten, nahmen die Gladigauer Ortspolitiker dafür in Kauf. In Absprache mit dem Umweltamt des Landkreises, dass in das Vorbereitungsverfahren für den Funkmast einbezogen wurde, seien auch Ausgleichsmaßnahmen festgelegt. So profitiert der Weg nach Einwinkel im Herbst mit 50 neuen Obstbäumen, zur gleichen Zeit wird auf dem alten Bahndamm zwischen Biese und Heuweg eine Hecke gepflanzt.

Antennen-Projekt funktionierte nicht

Bis dahin dürfte der Funkmast bereits seinen Dienst aufgenommen haben „und den Handyempfang hier bei uns deutlich besser machen“, erzählt Müller. Als Verbindeglied zwischen den schon bestehenden Funkmasten in Kossebau/Lückstedt auf der einen und Meßdorf auf der anderen Seite soll der 40 Meter hohe Riese das W-Lan- und Mobilfunknetz in Gladigau und Umgebung auf ein völlig neues Level heben.

Dass nach den bereits 2012 erfolgreich abgeschlossenen Bemühungen um schnelles, kabelgebundenes Internet für Gladigau jetzt auch ein leistungsfähiges Funknetz faktisch in trockenen Tüchern ist, „darauf bin ich schon ein wenig stolz“, gibt Gladigaus Ortschef zu. Denn bereits seit 2012 im Gespräch, stand es in den zurückliegenden Jahren nicht immer gut um das Projekt, blickte Müller auf die Anfänge zurück, die sich zuerst um eine Richtfunkantenne auf dem früheren Schulgebäude drehten. „Sie sollte vier Meter hoch sein, dieser Überlegung haben wir im Mai 2013 im Ortschaftsrat zugestimmt.“ Ein Jahr später schien die mit Vodafone geschlossene Vereinbarung aber über den Haufen geworfen. „Denn als das Unternehmen per Hebebühne austestete, ob die angedachte Antenne über den Mühlenberg funken könnte, funktionierte das nicht. Der Test zeigte auf, dass ein Mast nötig ist“, so Müller. Die Gladigauer Ortspolitiker reagierten schnell und boten mit eigenem Grund und Boden am Waldrand hinter dem Sportplatz einen Standort für einen Mast an. 2014 erfolgte die Planung, der Bauantrag wurde gestellt. Dann aber ruhte der See still. „Wir haben gewartet und Kontakt gehalten. Aber das Projekt wurde von Vodafone von Haushaltsjahr zu Haushaltsjahr weitergeschoben. Es war offensichtlich, dass das Unternehmen andere Prioritäten setzte und Investitionen in Ballungszentren den Vorzug gab. Dort tätig zu werden, wo die meisten Kunden zu erreichen sind, ist aus wirtschaftlicher Sicht auch absolut nachvollziehbar“, zeigt Müller Verständnis.

Ortsbürgermeister blieb am Ball

Dennoch blieb der Ortsbürgermeister in Sachen Funkturm am Ball. Das zahlte sich Mitte 2017 aus. Da deuteten Signale an, dass die mit Kosten in sechsstelliger Höhe verbundene Investition in Gladigau nun doch auf die Tagesordnung rücken könnte. Müller nutzte die Gelegenheit, um mit einem Brief an den geschäftsführenden Vodafone-Vorstand Dr. Johannes Ametsreiter für das Projekt in der Altmark zu werben. Eine Antwort aus Düsseldorf erhielt Müller zwar nicht, „dafür stand am 23. Oktober ein erster Vor-Ort-Termin mit Vodafone-Leuten und Vertretern des Planungsbüros an“, erzählte der Bürgermeister. Im März und Mai 2018 folgten zwei weitere Treffen vor Ort, im Juli nahmen die Arbeiten schließlich ihren Anfang. Für den September ist die Fertigstellung der Anlage anvisiert. Dann soll der Mast mit sechs Mobilfunk- und drei optionalen Richtfunkantennen ausgestattet sein und nicht zuletzt ein Leerrohr vorhalten. „Womöglich können sich andere Anbieter einmieten“, vermutet Müller. Er gehe auch davon aus, dass die Technik auf dem Mast stets auf den neuesten Stand gehalten wird.

Dank kabelgebundenem Breitband und Funkmast sieht Matthias Müller sein Dorf in Sachen Telefonie, Mobilfunk und Internet gut aufgestellt. Wie wichtig dies sei, werde auch daran deutlich, „dass Menschen, die in die Region ziehen, vor der Wahl ihres Wohnortes neben Kita-Plätzen zuerst nach dem Internet fragen“, zeigte der Gladigauer Ortschef auf.