Beuster l Nach einer mehrheitlichen Entscheidung der evangelischen Glaubensgemeinde Beuster kann mit der Fußbodenerneuerung in der Nikolaus-Kirche nach historischem Vorbild wohl der vorerst letzte große Abschnitt für die Sanierung des bekannten Gotteshauses an der Straße der Romanik in Angriff genommen werden.

Höhenprofil lange strittig

In Teilen der Gemeinde und im Vorstand des Kirchenfördervereins hatte es lange insbesondere über die Gestaltung der Höhenprofile unterschiedliche Auffassungen gegeben (wir berichteten). Dreh- und Angelpunkt waren die Stufen am Übergang zum Chorraum, die die Kirchgänger gern in Richtung Kanzel verschoben hätten, um bei der praktischen Kirchenarbeit weniger Stolperfallen zu haben oder zum Beispiel bei Trauungen, Taufen und dergleichen mehr Stühle aufstellen zu können.

Das hätte allerdings dem historischen Vorbild widersprochen und das Ende der gotischen Chorschranke (Lettner) bedeutet, die noch in Fundamentresten vorhanden ist und wie das ganze Gebäude auch unter Denkmalschutz steht. Am Ende fand eine von Architekt Tobias Spillner erarbeitete Variante Gehör, die dazu die besten Chancen auf Zustimmung der Denkmalbehörde haben dürfte. So sieht es Pfarrer Christian Buro als Vertreter der Kirche, die bei dieser Maßnahme Bauherrin ist. Ebenfalls „erleichtert auf allen Linien“ ist der Vorsitzende des Fördervereins, Volker Stephan, der im Laufe von fast 20 Jahren selbst einige der neun Sanierungsetappen initiiert und begleitet hat.

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Die Zeit drängt

Derweil drängt die Zeit aus zweierlei Sicht. Zum einen hat die Holzdielung, die nach den umfangreichen Schachtarbeiten von 2003 auf dem niedrigeren, aber originalen Niveau des historischen Bodens errichtet wurde, ihre besten Jahre längst hinter sich und gibt an einigen Stellen bereits nach. Zum anderen warten rund 310 000 Euro Fördermittel darauf, ausgegeben zu werden. Der Bescheid liegt bereits vor. Aber selbst mit Verlängerung sollte das Geld spätestens zum Herbst 2021 abgerechnet sein. Doch bis die Handwerker beginnen dürfen, muss erst einmal ein genehmigtes Projekt her, mit dem die Ausschreibungen angeschoben werden können.

An Überresten orientieren

Laut Maßnahmebeschreibung soll die dreischiffige Basilika, die mit ihrem Ursprung in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zu den ältesten Backsteinbauten nördlich der Alpen zählt, mit 20 mal 20 Zentimeter großen und vier Zentimeter starken Ziegelplatten im Diagonalverband ausgelegt werden. Fliesen und Bauart orientieren sich an den Überresten, die beim Freilegen des alten Fußbodens gefunden wurden. Das neue/alte Höhenprofil entspräche in etwa der momentanen Dielung. Neu wäre eine rollstuhlgerechte Rampe, die auf der Westseite den barrierefreien Zugang zum Chorraum ermöglichen soll.

Gutachten steht noch aus

Wie mit den Grundfesten des früheren Lettners (siehe Infokasten) und des Voraltars umgegangen wird, entscheidet sich nach fachlicher Begutachtung durch einen Restaurator. Sicher scheint, dass die Reste der Chorschranke begehbar, aber eben auch gut sichtbar sein sollen. Ein Wiederaufbau ist indes nicht geplant.

Spannend wird es in jedem Fall, wenn das Holz entfernt wird und bei der Restauration beziehungsweise Erhaltung des Lettners im wahrsten Sinn des Wortes etwas tiefer gegraben wird. Vielleicht, fragt sich der Pastor, kommt ja noch ein Fund oder eine Erkenntnis zutage, die derzeit noch niemand auf dem Schirm hat. Spannend werde in jedem Fall auch, wie sich die Akustik nach dem Austausch von Holzdielung gegen Ziegelplatten verändern wird, meint Volker Stephan mit Blick auf künftige Konzerte in der Nikolaus-Kirche.