Neuer Mitarbeiter

Oberleutnant nimmt sich der Brachen an

Die Offensive Brachfläche hat ein Gesicht. Das von Tino Pauls (36), einem früheren Mecklenburger.

Von Karina Hoppe

Goldbeck l Verena Schlüsselburg findet es gerade gut, dass Tino Pauls nicht "von hier" kommt. "Er hat einen ganz freien Blick auf die Dinge", sagt die Bürgermeisterin der Einheitsgemeinde Bismark. Gemeinsam mit ihrem Amtskollegen aus Osterburg, gestern vertreten durch Detlef Kränzel, und Eike Trumpf, dem Verbandsgemeindebürgermeister von Arneburg-Goldbeck, bemüht sie sich darum, den Brachflächen die Stirn zu bieten. 600 Einzelflächen gibt es auf dem Gebiet der Kooperationspartner und es ist Toni Pauls, der von der federführenden Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck extra dafür eingestellt wurde, dass diese weniger werden.

Wie gesagt, Pauls kommt nicht von hier. Er ist gebürtiger Mecklenburger, lebte bis letztes Jahr in Röbel (Müritz). Er war zwölf Jahre Berufssoldat, absolvierte zum Schluss den Bachelor-Studiengang "Good Governance" an der Universität Rostock. Ein Pilot-Studiengang, der die Themen Wirtschaft, Recht und Gesellschaft abdeckt. Aus privaten Gründen zog Pauls im vergangenen Jahr nach Stendal, er war einer von vier Bewerbern auf die Stelle bei der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck. "Zwei Bewerber hatten wir zum Gespräch eingeladen", sagt Eike Trumpf. Die Wahl fiel auf Pauls. Nach dem Abschluss seines Studiums in diesem April ist die Stelle, verortet im Verwaltungsamt Goldbeck, die erste im zivilen Leben. "Und dann gleich so eine Herausforderung", sagt Pauls, der sich sehr über den Job freut. "Das hat ja so vorher noch keiner weiter gemacht."

In der Tat haben die drei Kooperationspartner in ihrem Umgang mit den Brachen eine gewisse Vorreiterrolle. Nachbarkommunen wollen es ihnen gleich machen, auch Kooperationen abschließen, "denn das war entscheidend, um an die Fördergelder zu kommen", so Trumpf.

Es ist nun an Pauls, die in einem ersten Schritt (auch gefördert) bereits erfassten Brachflächen stets zu aktualisieren und genauer unter die Lupe zu nehmen. Je nachdem, ob es sich um eine landwirtschaftliche, kommunale oder private Fläche handelt, oder gar eine Erbengemeinschaft dahinter steht, wird es verschiedene Lösungen geben. Umnutzung, Verkauf oder Abriss? Oder aber gar nichts, "nicht jeder will sicher mitgenommen werden", sagt Detlef Kränzel, der stellvertretende Einheitsgemeindebürgermeister von Osterburg. Auch das sei dann zu akzeptieren. Aber viele, so sind sich die Drei einig, seien sicher dankbar, wenn sie Hilfe erhalten. So die Eigentümer, ihre ungenutzen Grundstücke anbieten wollen, werden sie mitpräsentiert. Dafür soll eine Internetseite aufgebaut werden. Von Messeauftritten ist die Rede und der Hoffnung, für Abrissvorhaben EU-Gelder zu bekommen. Auch schweben den Beteiligten Informationsveranstaltungen in Dörfern vor. So manch` Ortsbürgermeister wisse im Einzelnen mehr als die Verwaltung.

Pauls wird eng mit den Mitarbeitern der Bau- und der Liegenschaftsämter zusammenarbeiten. Zusätzlich soll ein externes Management-Büro dabei helfen, Lösungsansätze zu finden. Bisher kümmerten sich die Kommunen meist um ihre Brachen, wenn in irgendeiner Form Not am Mann war. Jetzt gehen sie sie systematisch an. Pauls Vertrag ist zunächst auf ein Jahr befristet, aber die Aussicht auf Weiterbeschäftigung sei gut. Die Investitionsbank fördert die Stelle zu 80 Prozent. Den Rest kofinanzieren die drei Kommunen zu gleichen Anteilen. Ihre Brachflächen haben insgesamt eine Fläche von 400 Hektar.